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Der Israelit · 1890-02-03 · Heft 10 (3.2.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 10 (3.2.1890)
Date
1890-02-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Beilage ju MVd ües,Jsradit“&„3eftl)urun“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 30. Januar. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ist, — wie wir vernommen — in den Besitz eines hiesigen Verlagsbuchhändlers übergegangen. Das wäre unter Umständen nichts mehr als eine Zeitungsneuigkeit, die man registriren muß. Jedoch gewinnt diese Thatsache etwas mehr Bedeutung, wenn man bedenkt, daß der unternehmungslustige Verlagsbuchhändler Repräsentantencandidat der hiesigen „Liberalen" war, und nunmehr die geschwächte Kraft der sogenannten Liberalen wieder aufrichten will. Man munkelt von einer Subvention, welche die Leiter der Liberalen bewilligten. Da dieselben augenblicklich auch die Inhaber der Gemeindeämter sind, so wird wohl die Majorität der Wähler eventuell auch zu diesem Beschluß Stellung nehmen. Am nächsten Sabbat rb&2 'e> wird Herr Rabbiner Dr. Wedell, Düsseldorf, in der Synagoge Heidereutergasse eine Gastpredigt halten. — Die neugewählten Repräsentanten wurden am Dienstag den 21. d. M. in das Collegium eingeführt. Die Ansprachen lassen aus ein Entgegenkommen der bisherigen Majorität hoffen. Am nächsten Sonntag, 2. Februar, werden die Parteien Gelegenheit haben, Farbe zu bekennen. Der Gemeinde-Vorstand fordert nämlich für die in der Lindenstraße zu erbauende Synagoge einen bedeutenden Nachtragskredit, was gegen den vielfach und feierlichst kundgegebenen Willen der Wähler verstößt. Sämmtliche Redner in den Gemeinde-Versammlungen erklärten sich für die Errichtung einer größer» Zahl einfacher Synagogen; eine Verwendung des Gemeinde-Vermögens zu Prachtbauten war nicht beliebt, und nun sollte strikte gegen den Willen der Steuerzahler gehandelt werden. Meine Warnungen dringen nur an das Ohr derjenigen Vertreter, die durch den „Wahlverein" in das Repräsentantencollegium gelangten; mögen dieselben ihre Pflicht thun; der „Wahlverein" wacht und wird s. Z. die Interessen der Gemeinde zu vertreten wissen. Der augenblicklichen Majorität rathen zu wollen, ist vergebliches Mühen, dieselbe ist selbst den allerbesten Rathschlägen, sobald sie von conservativer Seite kommen, ganz unzugänglich. — Die Zeiten ändern sich. N. D. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 30. Jan. Herr L u e g e r, der ehemalige Demokrat und gegenwärtige Antisemitenhäuptling, hat in einem Wiener Verein dieser Tage den Verdacht ausgesprochen, der Ausgleich in Böhmen fet gemacht worden, um den Antisemitismus und die „christliche Bewegung" zu unterdrücken. Damit wäre also der Beweis versucht, der Ausgleich sei ein Werk des „Juden-Liberalismus", was allerdings wieder gar nicht zusammenstimmen will mit der von antisemitischer Seite kolportirten Mär, der Liberalismus und die Juden lebten und zehrten von dem nationalen Konflikt. Allein, ob der Jude für den Konflikt oder für denAusgletch ist: er wird verbrannt! Graz. Der Denkschrift des israelitischen Frauenveretns in Graz über seine Wirksamkeit in den ersten 10 Jahren seines Bestehens entnehmen wir: Die erfreulichen Resultate, die der Verein innerhalb des ersten Decenniums erzielte und die in dem Ergebnisse sich documentiren, daß die Ansammlung eines Stammcapitals von 3500 fl. neben der Verausgabung von Armenspenden in fast gleicher Höhe möglich wurde, lassen es ebenso angemessen als wünschenswerth erscheinen, daß eine Rückschau auf die Phasen der allmählichen Entwickelung, auf die Thätigkeit und die Erfolge des Vereines, die Faktoren klarlege, deren gemeinschaftlichen Zusammenwirken er seinen Aufschwung verdanke. Diese Rückschau wird Alle, die dem Vereine angehören, die ihm Wohlwollen entgegentragen und Unterstützung angedeihen lassen, mit der Befriedigung erfüllen, welche die Erkenntniß der Mitarbeiterschaft an Akten der Wohlthätigkeit und der wertthätigen Theilnahme an der Förderung eines in seinen Zielen gemeinnützigen Strebens einzuflößen vermag. Der Frauenverein ist der erste Verein, welcher nach der Wiederansiedlung der Israeliten in der Steiermark und der Begründung der Cultusgemeinde in Graz die Fürsorge für arme und bedürftige Israeliten durch Verabreichung von Unterstützungen in regelmäßig wiederkehrenden Monatsgaben zu seiner ausschließlichen Aufgabe gemacht. Die urspünglich in den Statuten ausgesprochene Tendenz, daß nur „erwerbsunfähige Frauen" durch mildthätige Gaben unterstützt werden sollten, ist schon nach wenigen Jahren mittelst einer Statutenänderung erweitert

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