Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1890)
- Date
- 1890-02-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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162 Tempels, waren verflossen, da ward dem großen Propheten Jeschaja gezeigt, wie die Herrlichkeit Gottes sich aus dem Ihm errichteten Heiligthume zurückzog „und nur die Säume noch den Tempel füllten", b’nn pin o**6d ’ Wie im Urbeginn die Gottesherrlichkeit sich dem Paradiese abwandte, als der Mensch im Gegensatz zu seiner Pfltch ttrat und sich dem Gehorsam gegen GotteS Gebot entzog, also entrückte Gott Seine Herrlichkeit dem Tempel, als die Heiligung des Lebens aus der Mitte des Volkes zu schwinden begann. Denn Gott ist heilig, also verkündet es das Universum, also rauscht es aus dem Chore der Seraphim durch das All. Sein Wille ist absolut und erleidet keine Aenderung durch der Menschen Wahn und Fehl. Er ist „der Herr der Heerschaaren" 'was 'i, Er hat einem Jeglichen Seiner Geschöpfe die ihm gebührende Stellung und Bestimmung zugewiesen, ein jegliches auf den Posten gestellt, an welchem eS Seinen Willen zu vollbringen hat. Im außermenschlichen Kreise vollführt ein jedes Wesen Sein Gebot in absoluter Bestimmtheit. In ihm webt der Geist, der es rückhaltlos treibt, Vollstrecker des göttlichen Willens zu sein. Es kümmert nicht die Stelle, die ihm angewiesen ist in der Reihe der Heerschaaren, es kennt nicht das Ziel, dem es als Werkzeug dient, es gewahrt nur die es bewegende Kraft, unentwegt strebt es diesem Ziele zu. *) So sind sie Alle Diener Gottes, Boten Gottes und verkünden unaufhörlich das drei Mal „Heilig" und die Ehre Gottes, die die Welt erfüllt. Welcher von Menschenhand errichtete Bau könnte eine größere Würde für sich in Anspruch nehmen, als jener erhabene auf Zion P Galt er doch dem Höchsten und Heiligsten, war er doch begnadet worden, Stätte der Gottesherrlichkeit zu sein. Wenn aber das hehre Ideal, dem in diesem geweihten Raume durch die von Gott selbst gebotenen sinnvollen Handlungen Ausdruck verliehen werden sollte, vergebens auf das Streben der Menschen harrt, im Leben seine Verwirklichung zu finden, dann müssen die Grundpfeiler dieses Baues erbeben vor diesem Ruf der Seraphim, dann ist eitel Dunst, was in diesen Räumen in gewaltiger Symbolsprache unausgesetzt verkündet wird, dann hat die hier gepredigte Wahrheit keine Stätte auf Erden, dann wird der hier geübte Dienst zur Anklage gegen Volk und Tempel, dann läßt Gott das Heiligthum zu Grunde gehen und zertrümmert das Staatengefüge, das ein D'irD rab»» hätte sein sollen: wy) D’EDn wdk „da erbebten die Pfeiler der Tempel¬ *) pM' D’nto noy otibq rjs rro» dtibq. schwellen vor der Stimme, die es rief und das Haus wollte in Rauch vergehen." Der Abstand zwischen der von der willenlosen Schöpfung vollzogenen Verherrlichung Gottes und dem von dem freien Menschen versagten Gotteshuldigung läßt dessen tiefe Gesunkenheit erkennen, und diese Erkenntniß preßt dem Propheten den Klageruf aus: wu o 'h ’*n „Weh mir, daß ich verstummen muß, daß ich ein Mann unreiner Lippen bin und unter einem Volk unreiner Lippen weile, denn den König, den Herrn der Heerschaaren, haben meine Augen geschaut." Freier Gottesbote sollte Israel sein, war erkoren zum Priester der Menschheit, zum Verkünder des Gottesreichs, war berufen, aus freier Entschließung durch den frei geübten Gehorsam gegen Gottes Gesetz einzustimmen in den Chor der Seraphim, aber es war stumpf und unempfänglich geworden für die Anforderung seiner hohen Bestimmung, und mußte verstummen vor dem Rufe der Gottesschaaren. Da ward ihm Belehrung und Trost. Aus der Schaar der Seraphim eilte einer zu ihm heran und berührte mit einer von dem Altar entnommenen noch glimmenden Kohle des Propheten Mund und sprach: siehe, diese hat deine Lippen berührt, und so weichet deine Sünde und gesühnt wird dein Versehen. Es ward damit dem Propheten zum Bewußtsein gebracht, daß die Begeisterung für den heiligen Heroldsdienft in Israel allerdings scheinbar erloschen, aber noch nicht ganz geschwunden sei, daß es darum nur der Belebung durch den von reinem Munde gesprochenen Worte des Ernstes, der Mahnung und Belehrung bedürfe, um dem erlöschenden, aber noch glimmenden Funken im Volke frisches Leben zuzuführen, und er, der fehlsamr Mensch, sei zu solcher Sendung berufen. Gott harret des Verkünders Seiner Wahrheit im Menschenkreise, harret bis ein Mensch sich in Seinen Dienst stellt, um die Wahrheit zu predigen, und da vernahm Jeschaja den Gottesruf: „Wen soll Ich senden, wer will für uns gehen V1 Da sprach er: „Hier bin ich, sende mich!" Die dem Propheten gewordene Botschaft aber lautete: „Gehe und sage diesem Volke: Höret nur immer und begreifet nicht, sehet nur immer und erkennet nicht! Unempfindlich wird das Herz dieses Volkes" gemacht, taub seine Ohren und abgewendet seine Augen, sonst würde es mit seinen Augen sehen und mit seinen Ohren vernehmen, sein Herz würde es begreifen, es würde umkehren und sich Heilung bringen!" Das Volk wird mißleitet. Das Wort der vollen Wahrheit wird nicht gesprochen und das hohe von ihm zu erstrebende Ideal wird ihm nicht gezeigt. Darum begreift es nicht die