Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1890)
- Date
- 1890-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 10, XXXI. Jahrgang. Israelit... Jeschanin. MWst W FSrdrrmlg D. Geilte« Md D. Kkbrm III Hm«. Gemiide Md Kchslr. Emirat-Hrgan für das orihodore Zudenihum. Herausgegeben von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, de« 3. Februar 5650 (1890). Leitender Artikel. Israels heilige Bestimmung. Von I s a a c Hirsch. ni22 pNn b *6d „Der ganzen Erde Fülle Seine Herrlichkeit!" Von der Alge bis zur Ceder, von dem Jnsect bis zum Menschen — ein jegliches Geschöpf, eine jegliche dem Menschenauge entzogene Kraft, Verkündigung Gottes, das ist der Schöpfung Bestimmung, das auch des freien Menschen Aufgabe in Betätigung der ihm verliehenen Kräfte. 1122 £2 „Sein Weltall spricht die Herrlichkeit aus", offenbart Ihn, Seine Allmacht, Seine Vorsehung, Seine Weisheit, Seine Liebe, und auch der Mensch soll durch die freiwillige Bereitstellung seines ganzen Wesens in den Dienst Gottes der stete Verkünder der Ehre Gottes sein. Diese Unterordnung des Menfchenwesens unter den Willen Gottes erschöpft den Begriff der r>wi-lp, der Heiligkeit, welcher die höchste Vollkommenheit ausdrückt, die vom Menschen erstrebt werden soll und erreicht werden kann. Er enthält nicht nur das Gesondertbleiben, das Sichfernhalten vom Schlechten, sondern auch die volle Hingebung an das Gute, nicht nur yno niD, sondern auch 2m nwy. Diese Heiligkeit, diese Heiligung der ganzen Menschenpersönlichkeit in allen ihren Manifestationen, somit die Heiligung aller individuellen und sozialen Verhältnisse — sie ist das Ziel, für welches Gott am Sinai Seinen Willen geoffenbart, für welches Israel zu einem dmhd rotoo und onp 'v verpflichtet worden ist? Um ein solches rrn-ip »u zu werden und sich auf der Höhe dieser seiner Bestimmung zu erhalten, allen anderen Volkskreisen voranzuleuchten in der von jedem Einzelnen und der Gesammtheit zu bewirkenden Verherrlichung Gottes, daß „der ganzen Erde Fülle" in Wahrheit „Seine Herrlichkeit" verkünde und das Gottes-Gesetz von dem Rechte, der Liebe und Sittlichkeit der einzige Herrscher auch im Menschenkreise werde, dazu ließ Gott in Israels Mitte Sein Heiligthum errichten, das wiedererstandene Paradies, aus welchem das Menschengeschlecht verwiesen worden, da es sich von der nvnp, dem wahrhaftigen Dienste Gottes, abgewandt und in den Dienst seines eigenen von dem sinnlichen Verlangen beherrschten Willens gestellt hatte; und um ein dm,-,2 ro^DD auf Erden zu begründen, das die ganze Menschheit umfassende Reich Gottes anzubahnen, dafür ward in das heilige Land eingesetzt. Gottes Herrlichkeit im Menschenkreise, Seine Nähe, ist aber nicht durch die Errichtung des Heiligthums und dessen Erhaltung bedingt, sondern lediglich durch die vollendete Hingebung an das Gottesgesetz, das Er am Sinai verkündete, das ja in Wirklichkeit nichts anders ist, als die Lehre Gottes von den menschlichen Dingen, als die göttliche Anweisung, wie der Mensch seinem ihm gewordenen Berufe zu entsprechen habe, t?np -pno nvn „deine Lager seien heilig", alle Stätte» der menschlichen Thätigkeit und des menschlichen Genusses seien erfüllt von der Hingebung an den Gotteswillen, und mit jeder menschlichen Thätigkeit und jeglichem Genüsse sei ein Beitrag geliefert zur Verherrlichung Gottes auf Erden. — Israel war in das verheißene Land gekommen, hatte daselbst ein eigenes Staatswesen gegründet und den herrlichen Tempel auf der Moriahöhe erbaut. Das ihm gezeigte Ideal fand aber in diesem Staate, trotz dieses Heiligthums, nicht seine Verwirklichung. Kaum sieben Jahrhunderte seit der Offenbarung am Sinai, zwei Jahrhunderte nach Erbauung des