Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1890)
- Date
- 1890-01-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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146 doch amiullirt, weil die Geschworenen durch die Anklagereden — „daß er als Jude, trotz seines Universitätsdiploms — ein Aussauger sei —" und durch die Phrase des neuen Procurators: „Nehmet den Universitätsrock von ihm und ihr habt einen jüdischen Schacherer", religionsfeindlich beeinflußt wurden. — „Das Recht", heißt es da hübsch, „kennt keine Beschimpfung der heiligsten Empfindungen, erlaubt nicht Vorwürfe wegen Religion" — und so überwies der Senat den Prozeß einem ganz neuen Geschworcncnpersonal in Cherson. (Jsr. Wochenschr.) In Busk starb vor Kurzem Herr Rabbiner M. Eliasberg, ein in ganz Rußland als großer Talmudist hochverehrte Persönlichkeit. Der Verstorbene, Präsident des bekannten Vereins „Chowawe Zion", gehörte zu den Hauptsörderern der Colonisatiou Palästinas. Wie wir erfahren, werden Mittel gesammelt, um zum Andenken an ihn eine seinen Namen tragende Colonie im hl. Lande zu gründen. rD"iun Amerika. New-Aor?, im Januar. Eine neue philantropische Bewegung ist dieser Tage in's Werk gesetzt worden, die erfolgreich zu werden verspricht, und zwar zur Begründung eines jüdischen Krankenhau se 8 in dem unteren Stadttheile, wo die ärmeren Glaubensgenossen wohnen. Dieses Zweite jüdische Hospital ist durch die im letzten Jahrzehnt bedeutend größeren Anzahl Juden eine Nothwendigkett geworden. Ober-Rabbiner Joseph steht an der Spitze der Bewegung, Untersuchungsrichter Lev y leiht der Sache seine praktische Hilfe, und in einer Versammlung in der Pythagoras-Halle wurden 1200 Dollars gezeichnet und 180 Personen traten dem Projekte als Mitglieder bei. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Während die Eltern leise flüsternd an dem Lager ihres schlummernden Töchterchens standen, durchmaß der Sohn wild grollend mit hastigen Schritten sein Zimmer. „Also hiuausgestoßen!" murmelte er in sich hinein, „enterbt! — verfl. . . Fanatiker! — Aber was beginnen?"! Abermals rannte er auf und nieder, unaufj hörlich auf und nieder.! Doch allmählich, ganz allmählich glätteten sich seine zuvor verzerrten Züge. Er brannte sich eine frische Cigarre an, warf sich in ein Fauteuil und blies in starken Zügen Dampfwolken um sich. Die Cigarre war süperb, eine echte Havannah, und am Sabbat, im Hause seines Vaters, mundete sie ihm noch einmal so gut. Es schien in der That in dem kostbaren Glimmstengel eine magisch calmirende Kraft enthalten zu sein, die Stimmung des Rauchenden besserte sich sichtlich, seine Stirn glättete sich mehr und lächelnd zuckte es um seine Mundwinkel. Einer wirklichen Heiterkeit schien dieses Lächeln allerdings nicht zu entspringen, es war vielmehr unsäglich hämisch, boshafte Schadenfreude sprach aus demselben. Der junge Mann aber nickte zufrieden vor sich hin. „So wird's gehen", murmelte er in sich hinein, „kein Zweifel — so wird's gehen." Dann stand er auf, wählte eine frische Cigarre aus dem Kistchen, schnitt bedächtig die Spitze davon und begann abermals zu rauchen, indem er nun langsamen Schrittes, in tiefes Nachdenken versunken, auf und niederwandelte. Als er die zweite Cigarre zu Ende geraucht hatte, war sein Entschluß gefaßt. Er begann seine Papiere zu ordnen, verbrannte Manches, was er nicht von andern finden lassen wollte, barg Wichtigeres in seinem Portefeuille. Dann packte er einige Wäsche in einen kleinen Handkoffer. Als er diese Vorbereitungen beendet hatte, schlug es elf Uhr. Im Hause war es inzwischen still geworden, er hatte vorhin mehrere Thüren gehen gehört, er wußte daher, daß seine Eltern sich bereits zur Ruhe begeben hatten und daß auch die übrigen Hausleute sich in ihre verschiedenen Schlafräume zurückgezogen hatten. Dennoch beschloß er, noch eine halbe Stunde zu warten. Er brannte sich eine dritte Cigarre an und begann seine unterbrochene Zimmerpromenade von Neuem. Hin und wieder nickte er abermals zustimmend vor sich hin, sein Vorhaben schien ihn ausnehmend zu befriedigen. Als es halb zwölf schlug blieb er stehen. Noch einmal erwog er in