Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1890)
- Date
- 1890-01-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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3^TT 144 letzten Monat eine Ersatzwahl abgehalten. Bei der Wahl wurde mit großer Majorität der Gerichtsvollzieher Isaak Lambert in Metz gewählt. Derselbe ist der Sohn des früheren Oberrabbiners und Mitglied der Verwaltung des israelitischen Hospitals. Herr Lambert gilt als frommer, an unseren Religionsgesetzen festhaltender Jehudi; seine Wahl wird daher für die religiösen Jntereffen des Bezirks von Vortheil sein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 26. Januar. Großes und berechtigtes Aufsehen macht hier der in der „Presse" veröffentlichte „offene Brief unseres Glaubensgenossen, des Gern eind erathes Sigmund Maier anHerrnDr. Prix,Bürgermeister der Stadt Wien", in welchem Herr Gemeinderath Maier seine in der „Neuen Freien Presse" veröffentlichen Beschuldigungen gegen die städtischen Mittelschullehrer, welche von Antisemitismus inficirt, den jüdischen Schülern den Besuch der Schule verleiden, aufrecht erhält und die Erklärung des neugewählten Bürgermeisters im Gemeinderathe, daß seine Angriffe „ungerechtfertigte" seien, auf das Eentschiedenste zurückweist: Wir bedauern nur, daß wir, um den unszugemeffenen Raum nicht zu überschreiten, uns nur auf die Wiedergabe einiger Stellen des hochinteressanten Briefes beschränken müssen. Nachdem Herr Gemeinderath Maier in seiner Einleitung dem Bürgemeister zugegeben, daß es als Chef der Executive seine Pflicht sei einzugreifen, „dort, wo die Beamten angegriffen, ohne sich verheidigen zu können", stellt er an ihn die Frage, warum denn die Betreffenden nicht auf demselben Platze, wo fie angegriffen, geantwortet? „Ich schreibe einen Zeitungsartikel, d. h. ich appellire an die öffentliche Meinung und die Herren — laufen zu dem Bürgermeister." Er fragt hierauf den Bürgermeister: „Ist es Thatsache oder nicht, ja oder nein, daß eine bestimmte Anzahl der Lehrer an unseren Mittelschulen zu den entschiedensten Führern der antisemitischen Bewegung in Wien gehören, dieselbe im Gemeinderathe und Reichsrathe, in Vereinen und Volksversammlungen, eventuell auch bei Paukereien vertreten, daß aber mit diesen „Führern" die Zahl der antisemitischen Lehrer keineswegs erschöpft ist? Nun, das alles wird weder Ihnen noch irgend einem Andern einfallen zu leugnen. Am allerwenigsten werden diese Herren selbst leugnen Antisemiten zu sein. Sie behaupten nur jedesmal, wenn sie den Schulsaal betreten, die antisemitsche Gesinnung zugleich mit ihrem Ueberzieher an den Nagel zu hängen; sie behaupten, daß die Schüler von ihrer antisemitischen Gesinnung keine Kenntniß haben, daß sie von derselben nicht beeinflußt werden. Nun glauben diese Herren einfach das selber nicht. Sie wissen sehr wohl, daß die Jungen die Reden dieser ihrer Professoren in den Zeitungen, die Namen derselben unter den antisemitischen Plakaten lesen, also in voller Erkenntniß der Gesinnung ihrer Erzieher sind. Aber hievon ganz abgesehen, weiß ein jeder Pädagoge, daß eine solche Scheidung in der Seele des Lehrers ganz unmöglich ist. Als vor noch nicht langer Zeit der Religionsprosessor an einer dieser communalen Mittelschulen den Schulsaal betrat, in welchem die Jungens einen Heidenlärm machten und entrüstet ausrief: „Ist denn hier eine Judenschule?" schrieen ihm Alle unisono die laute und lustige Antwort zu: „Nein, eine Antisemitenschule!" Nachdem nun Herr Gemeinderath Maker auf die in der letzten Nummer Ihres Blattes citirten Ausführungen des Antisemiten Vergant in seinen „Antisemitische Blätter aus dem nationalen Lager", vom 20. November 1889, hiugewiesen, ruft er: „Nein, Herr Bürgermeister, das ist keine Erziehung, sondern eine Vergiftung der Jugend, und ein Lehrer, welcher unter seinen Schülern, bewußt oder unbewußt, vorbedacht oder unvorbedacht, das rein thörichte Racengrsüßt stärkt und verbreitet, ein Gesüßt, welches mit der Nationalität, diesem rein geistigen Ausdruck der Gemeinsamkeit in Sitte, Sprache und Culturbestrebung, gar nichts zu thun hat, ist ein Seelenverderber, ein pädagogischer Giftmischer." Erweist ferner auf zwei geistlich e Gy mn asien hin, welche die Zierde des geistigen Wiens, welche den Antisemitismus mit der „Erziehung" ganz unvereinbar halten und dem Eindringen dieses Seuchengiftes auf das energischste Widerstand leisten und erzählt, daß ein Schüler dieses Gymnasiums seinem Vater zu Hause erklärt, die Schule nicht mehr zu besuchen, weil er mit einem Juden in der Bank sitzen müsse. Als der Vater ein sozial hochstehender, sonst ganz freisinniger .'Mann, da gütliches Zureden nichts nützen wollte, in väterlicher Schwäche den Direktor bat, seinem Sohne einen andern Platz anzuweisen, sagte ihm der Direktor ebenso unwillig wie kurz angebunden: „Meine Juden haben noch Niemanden gefressen, Ihr Junge verläßt sofort die Schule, wenn er nicht dort sitzt, „wo wir ihn hingesetzt." Zum Schluffe wendet er sich gegen die Haupteinwendungen des Herrn Bürgermeisters, daß kein concreter Fall bei der Schulbehörde offiziell vorliege mit den Worten: „Wäre