Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1890)
- Date
- 1890-01-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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’Skfsrv-.rv- -- 130 Amerika. New'Nork, 10. Januar. Einer der hervorragendsten Israeliten dieser Stadt, ein Mann, bedeutend als Jurist, als jüdischer Gelehrter und treuer Anhänger des jüdischen Glaubens, wohlthätig, mitfühlend und für das allgemeine Wohl wirkend, entschlief sanft am letzten Montag. Philipp I. Ioachimsen, während vieler Jahre als Leiter der jüdischen Wohlthätigkcitsanstalten wirkend, wurde vor 72 Jahren in Breslau geboren und kam als lOjähriger Knabe mit seinem Vater, einem namhaft jüdischen Gelehrten, nach Amerika. Er wurde in den öffentlichen Schulen dieser Stadt erzogen und begann schon früh seine richterliche Laufbahn. Nachdem er bei mehreren Anwälten gelernt, wurde er bereits 1840 als Hilfs-Corporations- Sachwalter angestellt, 15 Jahre später wnrde er Vice-Districts-Sachwalter und durch ein besonderes Gesetz des Congresses stellvertretender Districts-Sachwalter, (ein bisher von einem Israeliten noch nie bekleidetes Amt.) Während seiner Amtsführung erwirkte er die erste Verurtheilnng wegen Schmuggels sowie auch wegen Sclavenhandels. Als Belohnung seiner hervorragenden Leistungen als Gerichtsbeamter der Regierung, sprach der Generalanwalt der Vereinigten Staaten, Caleb Cushing, aus Antrag des Präsidenten Franklin Pierre, ihm den besonderen Dank der Regierung aus. Im Jahre 1870 wurde er zum Richter des Marine-Gerichtshofes erwählt und nach seinem Rücktritt übernahm er wieder seine Amtsthütigkeit im Verein mit seinem Schwiegersohn Morris Goodhart. Seine Gutachten als Jurist wurden sehr hoch g^chätzt und veröffentlichte er mehrere werthvolle Beiträge zur juristischen Literatur. Er zeichnete sich auch als Patriot aus. Bei Beginn des Krieges ging er als Oberstlieutenant des 59. New-Aork Freiwilligen-Regiments ins Feld. Ein Fall vom Pferde zwang ihn, seinen Abschied zu nehmen und bei seiner Entlassung verlieh ihm Gouverneur Fenton den Rang eines Generalmajors der Freiwilligen. Er nahm den lebhaftesten Antheil, und zwar bis an sein Lebensende, an jeder jüdischen Wohlthätigkeitsanftalt. Er war Präsident verschiedener Gesellschaften und begründete eine jüdische Alter- Versorgungsanstalt. Im Vereine mit seiner Gattin, die ihm während eines langen ehelichen Lebens eine treue Mitarbeiterin war, errichtete er auch eine Herberge für arme Israeliten jeden Alters, und der Aufschwung und die Vergrößerung dieses Jnstimts waren hauptsächlich ihr Werk. Stets hatte er eine offene Hand und war immer bemüht das Loos der Unglücklichen zu lindern. Sein Leben war das großer Nützlichkeit und emsigen Fleißes und sein Andenken wird in unverlöschlichen Buchstaben verzeichnet bleiben in der Geschichte unserer Gemeinde. Die Beerdigung fand unter einer großen und höchst ehrenvollen Betheiligung statt. Die Richter des Stadtgerichtshofcs, die Rabbiner aller hiesigen Gemeinden, die Beamten fast aller Wohlthätigkcitsanstalten, sowie die Kinder der israelitischen Herberge erwiesen dem Verschiedenen die letzte Ehre. L. M. New-Aork. Am 2. Januar wurde der bejahrte Rabbi Lazarus Lö b, aus Pfungstadt gebürtigt,''!der>Onkel des Oberrabbiners in Altona, begrabend Er war einer der wenigen jüdischen Dentscheu, die, nachdem sie sich dahier niedergelassen, orthodox geblieben sind. Er gründete vor fast einem Vierteljahrhundert eine kleine Gemeinde in dieser Stadt, deren Rabbi und Cantor er seitdem gewesen ist. „In unserem materiellgesinnten Jahrhundert" schreibt ein Correspondent, „gibt es Wenige gleich Rabbi Löb, und der Verlust des amerikanischen Judenthums wird deßhalb von allen denen, die ihn kannten schmerzlich gefühlt. A u ft r a l i e n. Die Stadt Adelaide hat mit der Erwählung eines gewissenhaften Juden als ihr Stadtoberhaupt in der Person des Herrn L. Cohen, Mitglied des Colonialparlamentes, sich selbst geehrt. Herr Cohen wurde einstimmig zu dem wichtigen Amte eines Mayors erwählt. Der neue Mayor wurde schon am 8. November beeidigt, weil derselbe sich weigerte am 9. November, dem üblichen Tag der Beeidigung, der diesmal auf den jüdischen Sabbat fiel, zu schwören; an diesem Tage besuchte er mit seiner Geulahlin die Synagoge. Feuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. Es war an einem Freitag Abende, in Bärwald's Familienzimmer war der Tisch bereits sabbatlich gedeckt, geflochtene Weißbrode lagen unter der goldgestickten Decke, der fein ciselirte Becher stand neben der Kristallflasche mit Wein. Bärwald saß am Tische neben seiner Frau, auf seinen Knien thronte die kleine Bella. Anmuthig schäkerte die holde Kleine mit dem alternden Manne. Bald schlang sie ihren vollen runden Arm