Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1890)
- Date
- 1890-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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127 Als trotz deS Verbots aus dem Volke Mehrere hinausgegangen waren, um zu sammeln, „sprach Gott zu Mosche: wie lange weigert ihr euch Meine Gebote und Lehren zu beobachten, — sehet, daß Gott euch den Sabbat gegeben hat, darum gewährt Er euch am sechsten Tage das Brod für zwei Tage!" Und dieses Wort ist auch an uns gerichtet und will uns zurückscheuchen von dem vermessenen Beginnen, das Gottcsgebot zu übertreten und in der Entweihung des Sabbat durch Bethätigung unseres Nahrungsstrebens Gott zu leugnen. Das Wort des Vorwurfs cnJNo ru« trifft noch nach Jahrtausenden Kreise in Israel, an welchen die Erfahrung der Vergangenheit spurlos vorüberzieht und die sich auch heute weigern, Gott als den Herrn ihres Geschicks und ihrer That zu bekennen. Der Kampf ums Dasein ist die Probe, vor welche ein Jeglicher gestellt wird, ob er in Gottes Lehre wandeln wird, oder nicht, »mina -j^n Mb DM Die Entweihung de5 Sabbat drückt aber die Aufkündigung des Gehorsams gegen Gott überhaupt aus. Es heißt hier in Bezug auf die Mannasuchenden am Sabbat: „wie lange weigert ihr euch Meine Gebote und Lehren zu beobachten?" Denn mit jeder am Sabbat vollzogenen Arbeit sagt sich der Jude los von der Verpflichtung auf die Erfüllung des Gottesgesctzes und leugnet Gott, der Himmel und Erde geschaffen. „Allen denen gegenüber, die unserem Volke den Sabbat zu stehlen und uns zu bereden versuchen, unter dem nsaVc to ntpyn w der Zehngebote sei nur schwere, mit körperlicher Anstrengung verbundene Arbeit verstanden", heißt es in Hirsch's Commentar zur Stelle, „sei hier darauf hingewiesen, wie gleich bei der ersten Begründung des Sabbats ausdrücklich das Aufsuchen der Nahrung, Kochen und Backen, überhaupt Bereiten des täglichen Mahles, Aus- und Einbringen aus dem freien, allgemeinen Raum in den privaten und umgekehrt, oder auch das Verlassen des Wohnortsrayons verboten ist, alle Thätigketten, die die Herren von der tzrabbatreform als nicht „der Heiligkeit des Sabbats widerstehend" erklären möchten. Dabei bedenke man, daß es sich nur um das Auflesen der fertig liegenden Nahrung handelte und sehr wahrscheinlich das ganze Geschäft des Mannalesens innerhalb einer, höchstens zweier Stunden zu vollbringen war und vollbracht werden mußte, somit der ganze übrige Theil des Tages für sogenannten Gottesdienst mit obligatem Chor und Predigt völlig freigcblieben wäre, und doch ist das einfache Manna-Auflesen „Sabbat-Entweihung!" Zeitungsnachrichten und Cvrrespondeuzett. Deutschland. Berlin. Dpr Esra-Verein hat sein diesjähriges Winterfest am Dienstag den 2l. d. M. abgehalten. Eine zahlreiche Gesellschaft fand sich ein, um einem Wohlthätigkeitsakte einend Abend zu widmen. Den Festvortrag hielt Dr. H. Hildesheimer. In schwungvoller Rede, die das Gemüth der lauschenden Zuhörer sichtlich ergriff, pries der Vortragende die gegenwärtige Zeit, in welcher man freimüthig seine treue Liebe zu den heiligen Stätten des gelobten Landes bekennen dürfe, ohne von den Reformern als Vaterlandsverräther verlästert zu werden. Nach einem Hinweis auf die Arbeiten der Tochterreligion für Cultur und Geschichte der Wiege der monotheistischen Religion, schloß der Redner seine Ansprache mit der eindringlichen Mahnung, für diese das gesummte Judenthum hochehrende Idee der Colonisirung Palästinas auch ferner mit vereinter Kraft zu wirken, um auch für dieses Land eine würdige Stellung innerhalb der Völkergemeinschaft zu gewinnen. Der Festrede folgten abwechselnd musikalische und deklamatorische Vorträge, zum Theil auch religiösen Inhaltes, welche dem schönen Festabend einen würdigen Abschluß verliehen. N. Berlin. Der Bericht über die Ablehnung der Prager Oberrabbinerstelle seitens des Herrn Dr. Eh r enfeld, wurde nicht absichtlich verbreitet, wie ein Prager Correspondent irrthümlich berichtet, sondern stammt aus der Feder eines aufrichtigen Verehrers des Rabbiner Dr. Ehrenfeld, der aus einer Aeußcrung desselben diese Ansicht bona fid6 folgerte. Im Uebrigen wollte Ihr Correspondent nur constatiren, daß Prag nur nach einem tü chtig en Talmudisten und ausgezeichneten Kanzelredner Verlangen trägt. A. Berlin. Herr Isidor N., auch der Familienname klingt stark alttestamentarisch, ist der Sohn eines unserer wohlhabendsten Kaufleute und kann sich außer vielen andern angenehmen Dingen auch recht ausgedehnte Spritzfahrten erlauben. So empfand er denn kürzlich das Bedürfniß, seinen in Petersburg wohnenden verheirathcten Bruder zu besuchen. Da er im Comptoir eigentlich nichts zu versäumen hatte — er pflegte dort nur dann und wann den Kassirer zu begrüßen und einige Gelder zu erheben — so packte er alsbald seinen Koffer, r setzte sich in einen Schlafwagen und dampfte ver-