Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1890)
- Date
- 1890-01-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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s«*/, /,^-v°i "-'4^i‘"- •■».>:* 126 In dieser vierzigjährigen Schule sollte Israel die Sorge für seine Existenz überwinden lernen, sollte es jene unerschütterliche Zuversicht in Gott sich zu eigen machen, die selbst der herbsten Prüfung gegenüber standhaft bleibt. Es sollte durch seine wunderbare Erhaltung während dieser vierzig Jahre zur Erkenntniß gebracht werden, daß nicht des Menschen Kraft und Kunst ihm das Brod gewährt, sondern die Gnade und Allmacht Gottes, nicht des Menschen Arbeit und Fleiß, sondern der Segen Gottes, der auf der Arbeit und dem Fleiße des Ihm vertrauenden und Ihm gehorchenden Menschen ruht, daß >vv3, daß die Existenz, welche der nicht von Gott Erleuchtete aus dem Kampfe mit den Naturgewalten sich zu sichern strebt, pj, das Gnadengeschenk Gottes denen ist, die Ihn ehrfürchten, daß die Erkenntniß der Unzulänglichkeit der menschlichen Kraft für die Sicherung seiner Existenz, welche den nicht Gott Vertrauenden mit banger Sorge erfüllt und den Schlummer von seinem Auge scheucht, dem wahrhaften Gottesdiener gerade die Nuhe bringt: w» in’ p. Wohl ist es des Menschen Pflicht, die ihm verliehenen Kräfte in der Beherrschung der Erde für die Zwecke seiner hohen Aufgabe zu bethätigen. Selbst für das Paradies, für den py p, in welchen der erste Mensch eingesetzt wurde, ist ihm die Bestimmung gegeben: rrpyS nicht in müssiger Ruhe zu beharren, sondern zu arbeiten, und nym di-6 75N „im Schweiße deines Angesichts wirft du dein Brod essen", lautet der Gottesausspruch, als er durch Auflehnung gegen den Gotteswillen das Paradies verscherzt hatte und in die Schule der „Entsagung", des Kampfes für seine Existenz, gesendet wurde. Daß aber der Arbeit der Segen des Erfolges werde, daß sie nicht fruchtlos bleibe, das ist Gottes gnädiger Fürsorge überlassen. Gott sendete das Manna vom Himmel, das Volk der Wüste hatte es zu sammeln an jedem Morgen in rüstiger Arbeit, dem Lässigen ward es nicht zu Theil ddji &Dwn om, wer die Zeit verpaßte oder vergeudete fand es nicht, „ward die Sonne heiß, so schmolz es." Wie aber dem ersten Menschen im Eden das Gebot Gottes in seiner rrrDtto ni^y-Bestimmung entgegentrat und durch den Ausschluß des einen Baumes von seiner Herrschaft seiner Thätigkeit eine Schranke zog, durch welche die ihm verbleibende zu einem Gott dienenden Wirken gestempelt wurde, also trat auch hier ein seine Thätigkeit beschränkendes Verbot an das Volk heran und weihte die Arbeit zum Gottesdienst. Nur sechs Tage der Woche ward ihm das Manna zu Theil, dvsi la n\T vb roiv „aber am siebten Tage ist Sabbat, an dem es nicht sein wird." Das Ausbleiben des Manna am siebten Tage bezeugt den unmittelbar göttlichen Ursprung desselben, bezeugt, daß Gott es ist, der das Brod gewährt, daß es eine „Spende" Gottes ist, was der Mensch als Frucht seiner Thätigkeit einsammelt, daß Gott es ist, der Jeglichem das ihm Entsprechende als Frucht seiner Mühe gewährt, w'n, „einem Jeden nach Bedmfniß seiner Nahrung", nach der Zahl der Glieder seines Hauses. Was dem Menschen in redlicher Arbeit nach dem Willen Gottes zu Theil wird, dessen soll er in behaglicher Ruhe sorglos sich freuen. Von dem Manna durfte Niemand bis zum andern Morgen übrig lassen. Was davon in kleinmüthiger Sorge für den andern Tag aufgespekchert wurde, das ward ungenießbar. Er hatte sich des Genusses von dem einen Tage, für welchen es bestimmt war, beraubt, in dem Wahne, sich durch diese Versagung zu bereichern, sich damit die zukünftige Existenz zu sichern, er hatte damit aber geleugnet, daß Gott der Spender des ihm heute gewordenen Segens sei und dokumentirt, daß er denselben als das eigenste Produkt seiner Arbeit betrachtete, hatte damit ausgesprochen: was ich habe, verdanke ich nicht Gott, sondern lediglich mir, — und er hatte damit nur für den Wurm gesorgt. Das in Geiz und kleinmüthiger Sorge Aufgespeicherte „erhob sich in Würmer und ward faul." Der voraufgegangenen Erfahrung zuwider aber entzog die Einstellung der Arbeit am Sabbat nicht i das Bedürfniß für den siebten Tag. Gott spendete einem Jeden am sechsten Tage ein zwiefaches Theil und das am sechsten Tage nach Gottes Gebot für den siebten Tag Zurückgelegte war nicht dem Verderben verfallen. Die Lehre des Manna der Wüste ist aber die Lehre für die Daseinssorge des Menschen überhaupt. Gott hat uns das Dasein nicht nur geschenkt, sondern gewährt uns auch den Segen in unseren: Streben für dessen Erhaltung. Die Arbeit nach seinem Willen ist die Bethütigung der uns von Jhin ertheilten Menschenbestimmung. Der Sabbat ist der Siegel der Gottesschöpfung und unsere Sabbatheiligung das Bekenntniß und Anerkenntniß der Gottesherrschaft nicht nur über die Schöpfung, sondern auch über die Bethütigung der Menschenkraft. Die Entheiligung des Sabbat ist die Leugnung der Gottesherrschaft und die Bekundung der wahnwitzigen Vorstellung, als ob der Mensch auch gegen den Willen Gottes und ohne den göttlichen Segen sich sein Dasein zu erhalten vermöchte.