Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1890)
- Date
- 1890-01-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. M 8. Israelit «* Zeschurun. mmm M Mdmug D. (Seiftes md D. Kebklls III Alls. Gmelllde Md ZlhLle. Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehman» in Mainz. Montag, den 27. Januar 5050 (1890). : run iy irnyi vh non tifan ivx n -jro Wir können n"3 den Freunden unseres Herrn Rabbiner Dr. Lehmann die angenehme Mittheilung machen, daß derselbe aus dem Wege der Besserung sich befindet, sowie daß die Aerzte die besten Aussichten geben, daß der Verlauf der Krankheit auch seruer ein günstiger sein werde b&'i *b W Köm 1b "pöm Für die vielen Ansragen und theilnehmenden Schreiben sagen wir unseren tiefgefühltesten Dank. Redaetiou und Verlag des „Israelit & Jeschuruu". Leitender Artikel. Die Wanna-Lehre. Von Jsaac Hirsch. Die Sorge für das tägliche Brod nimmt die ganze Thätigkeit des Menschen gefangen, auf sie richtet sich sein Streben vom frühen Morgen bis zum späten Abend, an welchem er sein Lager aufsucht, um neue Kraft für den morgen neu beginnenden „Kampf um's Dasein" zu gewinnen. Dieser Sorge entsprang die Klage des Volkes, das auf seinem Zuge zur Wüste Sin gelangt war. Vor einem Monate noch seufzte es unter der Pharaonischen Knute. Gottes sichtbarliches Werk war seine Erlösung. Er hatte Seine Allmacht kundgethan an dem Tyrannen und das Sclavenvolk befreit. Er war es, der die Heeresmacht des gewaltigen Egyptens, die unter des Königs Führung aufgebrochen war, um die eben frei erklärten Sklaven wieder in das alte Joch zu schmieden, am Schilfmeer vernichtete. Die sechsmalhunderttauseud rüstigen Männer standen ruhig zuwartend, der Hilfe Gottes harrend, an dem Meeresgestade. Kein Schwert wurde zur Vertheidigung gezückt, keine Hand rührte sich. Gott theilte die Fluchen, sie gingen trockenen Fußes auf dem Meeresboden an das jenseitige Ufer, während hart hinter ihnen die Wogen über das sie verfolgende Heer hereinbrachen und ihm das Grab bereiteten. Gott war es, der dem Volke in Mara den Labetrunk gewährte und in Elim es an reichen Wasserquellen lagern ließ. Kaum aber war der Nahrungsmittel-Vorrath, mit dem es in Egypten sich versehen hatte, versiegt, da vergaß es der wunderbar fürsorgenden Allmacht Gottes; die Sorge um Brod für sich, für Weib und Kinder, löschte die frische Erinnerung an das eben erlebte Große aus, zerstörte das Gottvertrauen, dein es soeben in dem Gott in den Gestaltungen des menschlichen Geschicks schauenden Liede begeisterungsvollen Ausdruck verliehen und lieb es in den Klageruf banger Verzweiflung ausbrechen: Wären wir doch lieber in Egypten umgekommen, als jetzt hier dem Hungertode verfallen zu müssen! Da spendete Gott dem Volke „Brod vom Himmel"; vierzig Jahre, während des ganzen Aufenthalts in der Wüste, speiste Gott es mit diesem Brode, dem Manna; vierzig Jahre erneute sich an jedem Morgen dieses Gotteswunder, vierzig Jahre lang lernte Israel an jeglichem Tage, daß Gott es ist, der dem Ihm vertrauenden Menschen die Bedingungen seiner Daseinserhaltung zu gewähren bereit ist, selbst dort, wo das menschliche Auge nichts erblicken kann, was ihm als Nahrung dient, selbst dort, wo die menschliche Kunst sich vergebens abmühen müßte, um die Stillung des Hungers zu ermöglichen.