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Der Israelit · 1890-01-23 · Heft 7 (23.1.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 7 (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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116 aus den mit Kalk übertünchten Grabziegeln, mit denen diese Höhlungen oft hermetisch verschlossen sind. Dann beschrieb der Vortragende die jüdischen Goldgläser, welche in jenen Gräbern in großer Anzahl angetroffen werden und die er mit Bezug auf Ketubot 8 b für die Trostbccher halt, die nach der Beerdigung geleert wurden. Höchst interessant war vorzüglich die Schilderung eines solchen Goldglases, auf dessen innerem Grunde man eine Abbildung des heiligen Tempels mit den beiden bronzenen Säulen, Jachin und Boas erblickt. Was ferner Dr. Berliner aus eigener Kenntnißnahme und auf Grund eingehender Forschungen über die Namen und Familienverhältnisse, über die Aemter und Würden, welche auS den griechischen und lateinischen Inschriften sich ergeben, berichtete, kann natürlich in den engen Rahmen eines Referats nicht gefaßt werden. Es sei nur noch bemerkt, daß Redner, dessen Mittheilung die Zuhörer mit gesteigerter Spannung lauschten, dann zu den jüdischen Stimmen lim christlichen Rom überging, welche sich wehklagend über die Leichenverstümmelungen und Grabesschändungen erhoben, bis zu der Zeit, wo die päpstliche Regierung den Juden ganz und gar verbot, ihren Angehörigen einen Denkstein zu setzen. Nur bei einem Rabbiner war es gestattet, einen Leichenstein zu stellen, und darauf ein vierfaches n zu kritzeln, d. h. i>mi mn Nin n^.i! Was noch an Steinen damals vorhanden war, haben die Juden Roms heimlich weggeschafft und in das Innere ihrer Häuser eingemauert. Beim Niederlegen des Ghetto wurden diese Steine, zum Theil zerbrochen, in das Museunr des Ministeriums gebracht. Die hiervon gewonnenen Inschriften sind in den Händen des Redners, der sie zu veröffentlichen in Aussicht stellte. Erhebend war der Schluß des Vortrages, an welchem der Redner auf jenen Midrasch hinwies, daß, nachdem solche jüdische Stimmen Gottlob verhallt sind, um so kräftiger und lebendiger Jakobs Stimme in den Lehrhäusern und Schulanstalten gehört werden müsse, da sie nur allein Esau's Hände, d. h. die rohe Gewalt, dauernd und sicher abwehren können. Nach diesem 1 ^-ständigen Vortrage ergriff Dr. Berliner von Neuem das Wort, um im Namen des Vereins dem verdienstvollen Dr. Nathan eine besondere Ovation zu bereiten. Derselbe beging nämlich an diesem Tage seinen einundsiebzigsten Geburtstag und wie diesen die Gemeinde, die Vereine, Freunde und Verehrer feierten, darüber wird Ihnen wohl ein besonderer Bericht zugehen. Dr. Berliner hob, anknüpfend an die Schriftftelle jppn 1.112 ii'.i?' o»i>'22D7ii hervor, was der Gezeterte dem Vereine in Lehre und Leben bisher gewesen und reihte hieran die Wünsche für das fernere, segensreiche Wirken desselben, in welche die dichtgedrängte Menge der Hörer begeisternd einfiel und um deren Erfüllung den Höchsten auch anfleht. Einer seiner Schüler. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wie«. In der Gemeinderathssitzung vom 14. d. M. hat endlich der Bürgermeister der Stadt Wien in der Angelegenheit der städtischen Mittelschullehrer, welche sich durch einen seinerzeit in der „Neuen Freien Presse" enthaltenen kritischen Artikel verletzt fühlten und beim Bürgermeister Klage führten, eine Erklärung abgegeben, dahin lautend: der Anwurf, daß die städtischen Mittelschullehrer I„zwar manchen ausgezeichneten Fachmann in ihrer Mitte haben mögen, aber aufgehört haben, Erzieher der Jugend zu sein", sei als ein ungerechtfertigter zu bezeichnen. Zur besseren Jllustrirung dieses Urtheilsspruches wollen wir hier einige Sätze aus einem hiesigen Journal reproduciren. Sie lauten: „Wir sehen also den jüdischen Knaben die öffentliche oder die Privatschule betreten, zum ersten Male in Gemeinschaft mit dem Christen körn men und gleich in einer Ausnahmsstellung. — Selbst wenn er seines geringen Wissens halber der Letzte seiner Classe ist, so — ich wiederhole es — überragt er doch alle seine Mitschüler an Reife des Verstandes." „Eine Ausnahmsstellung wirkt aber stets auf eine eigenthümliche Art auf das Gemüth dessen, der davon betroffen wird — entweder verbitternd oder die Selbstüberhebung auf's Aeußerste steigernd. — Nun füge man noch hinzu, daß selbst die Lehrer heute noch nicht gänzlich von der Antipathie befreit sind, welche sie dem Juden gegenüber empfinden, daß die Schüler diesen Zug alle in sich haben und denselben augenblicklich in dem Lehrer herausfühlen — und man wird leicht begreifen, daß die Sonderstellung des Schülers bald zur Rolle eines Märtyrers hinaufsteigt." „Es fragt sich nun, wie der allgemeine Character des Knaben beschaffen ist. Entweder entsteht ein unauslöschbarer Haß, von der oft erwähnten Frühreife gefördert — ein Haß, dessen er kaum während seines ganzen Lebens Herr zu werden fähig ist, oder die ihm angeborene Selbstüberhebung wächst in rasenden Proportionen. Und was das Schlimmste ist, er gibt derselben auch Ausdruck,

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