Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-01-23 · Heft 7 (23.1.1890) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 7 (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448032--29382-2477111
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

87 meine, daß die ganze Gemeinde und über diese hinaus weite Kreise davon ergriffen wurde. Denn der Heimgegangene zeichnete sich durch wahre Religiösität, durch eine unermüdliche Arbeitskraft und durch seltene Lauterkeit des Charakters aus. Ueberall und zu jeder Zeit war ei bereit, Werke der Wohlthätigkeit zu üben und den Frieden in der Gemeinde zu erhalten. Die Gemeinde verliert einen musterhaften Führer, einen treuen Berather, die Armen ohne Unterschied des Glaubens einen Wohlthäter in des Wortes weitgehendster Bedeutung. Welch großer Liebe, Achtung und Hochschätzung sich der Verstorbene erfreute, das zeigte auch die überaus zahlreiche Betheiligung beim Leichenbegängnisse. Von nah und fern waren Freunde und Bekannte herbei geeilt, um dem edlen Menschenfreunde noch die letzte Ehre zu erweisen, ihm den letzten Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Herr Distr.-Rabbiner Dr. Cohn hier hielt die Trauerrede. Anknüpfend an die am letzten Wochenabschnitte geschilderte imposante Trauerkundgebung (N22 bi**) zu Ehren unseres Stammvaters Jakob, gab der Redner in warmquellenden, herzergreifenden Worten trefflichen Ausdruck dem allgemeinen Schmerze über das allzufrüh erfolgte Hinscheiden des edlen Mannes, der sich gleich dem Patriarchen die Liebe, Hochachtung und Verehrung durch sein frommes Leben und Wirken, durch seine Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, durch seine strenge Rechtlichkeit und Charakterreinheit erworben hatte. Die nach Form und Inhalt ausgezeichnete Rede machte auf die zahlreiche Trauerversammlung einen gewaltigen Eindruck, kein Auge blieb thränenleer. Möge Gott den trauernden Hinterbliebenen Trost und Kraft verleihen, den schweren Verlust zu ertragen! „Der Gerechte bleibt zum ewigen Angedenken!" p'-ur rvrv oViy L. Berlin, 18. Jan. In der heutigen Sitzung des deutschen Reichstages fand die dritte Berathung des von dem Abg. v. Huene eingebrachten Gesetzentwurfs betr. die Wehrpflicht der Geistlichen statt. Danach sollen Theologie Studirende auf ihren Antrag in Friedenszeiten bis zum 1. April des siebenten Militärpflichtjahres zurückgestellt werden; sind sie bis dahin Predigtamtskandidaten geworden, resp. haben sie die Subdiakonatsweihe empfangen, so sollen sie auf ihren Antrag der Ersatzreserve überwiesen nnd von Uebungen befreit werden. Die Abgg. v. Kleist-Retzow. (kons.) und v. Kardorff (Reichsp.) wollen diese Bestimmungen auf die katholischen Theologen beschränkt sehen; der Abg. v. Kleist.-Retzow beantragt außerdem, den Reichskanzler zu ersuchen, herbeiführen zu wollen, daß die Theologie Studirende bei Absolvirung ihrer Einjährigfreiwilligen - Militärpflicht auf ihren Antrag nach halbjährigem Dienst mit der Waffe das zweite Halbjahr in der Krankenpflege dienen. Der Antrag v. Huene wird mit 121 gegen 89 Stimmen abgelehnt. — Der Antrag Kleist« Retzow wird darauf mit großer Mehrheit allgenommen, ebenso die Resolution des Herrn von Kleist-Retzow, wonach die Theologen nur ein halbes Jahr unter Waffe, das zweite halbe Jahr im Laznreth dienen sollen. Hamburg, Ende Thebet. Der Verein Mekaur Chajim hat auch in diesem Winter für ein größeres Publikum einen Cyclus von wissenschaftlichen Vorträgen aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur eröffnet. Zuerst sprach der älteste Lehrer und theilnehmendfte Förderer des Vereins, Herr Dr. Nathan über Rabbi Elieser den Großen, von dem er mit bewährter Meisterschaft ein Lebens- und Zeitbild entrollte. Der zweite Redner, Herr Rabbiner L. Rosenthal aus Rogasen, entwarf mit sehr beredten Worten ein BUd vom Leben und Wirken Rabbi Jochanan des Sohnes Sackai's. *) Auf den dritten Redner sind wir besonders stolz, weil es ein junger Gelehrter unserer Stadt ist, nämlich Dr. Moses Schlesinger, der über die Thätigkeit der Gconim im Allgemeinen und über die des Gaon Hai im Besonderen vortrug. Am jüngsten Sonnabend hat Herr Dr. A. Berliner aus Berlin, dessen Vortrag jedesmal, schon seit 5 Jahren, mit besonderer Spannung erwartet wird, „Jüdische Stimmern aus dem alten Rom" hören lassen. Nach einer herrlichen Einleitung über die geschichtliche Entstehung und Entwickelung der jüdischen Gemeinde zu Rom, welche der Redner als die älteste Gemeinde in der gesammten Judenhcit bezeichnete, wandte er sich den Zeiten zu, in denen weder jüdische noch rönlische Schriften etwas über die Juden in jener großen Weltstadt berichten. Neue Quellen, sagte der Redner, wolle er sich erschließen, nnd zwar aus todtem Gestein, oder besser, aus den Steinen für die Todten. Hierauf schilderte der Redner in anziehendster Darstellung, wie er bei seiner öfteren Anwesenheit in Ronr-auch die jüdischen Katakomben in der unterirdischen Todtenstadt besucht und somit aus eigener Anschauung kennen gelernt habe. Sehr lehrreich waren hierbei die Hinweisungen auf talmudtsche Angaben für solche Grabnischen an der Wand, die in der Mischna pra genannt werden. Hierauf schilderte der Redner die Symbole und Embleme ') Wie bereits in voriger Nummer berichtet. — Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.