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Der Israelit · 1890-01-23 · Heft 7 (23.1.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 7 (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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c ».*4«*» *• *W ** ii4 ittuS diese Opfer nicht anerkennt und hohnlächelnd zurückweist. Wenn man heute doch immer noch von einer religiösen Frage spricht und vorgeblich das Judenthüm als Religionsgemeinschaft heben und ihm Achtung und Anerkennung verschaffen will, so halten wir allen diesen Phrasen gegenüber die Behauptung aufrecht, daß die religiöse Frage nur eine innere sein kann, nur eine Herzens- und Geistesangelegenheit bilden darf. 'jo wom „Gott will das Herz." Wo aber in der ganzen reltglösen Bewegung unseres Jahrhunderts, ist denn dieses Herz zu finden? Wo denn ist es bei allen jenen Reformideen und dem Aufopfern der wichtigsten jüd. Gesetze, eine Herzenssache gewesen? Und wo denn ist heute noch in all den großen Gemeinden das warme begeisterte jüdische Herz für die religiöse Seite des Judenthums? Wo denn zielen die Bestrebungen der großen jüdischen Gemeinden hin auf eine Vertiefung, auf das Erkennen der höchsten Wahrheit, die doch unbestritten im Judenthume liegt? Schaut Euch nur um, Ihr Führer Eurer großen Gemeinden, und suchet in den Häusern und in den Herzen Eurer Mitglieder die jüdische Ueberzeugnng?! das Interesse für die jüdische Religion und für die jüdische Wahrheit?! Suchet nur einmal nach dem jüdischen Geiste und dem jüdischen Leben, ob Ihr sie vielleicht noch findet! Sehet zu, ttt welchem Hause denn wird noch die Ruhe uud die Heiligkeit des na&p angetroffen? Und wenn man sie nicht im Hause antrifft, sollen sie wohl auf den Büreaus und in den Kaufläden angetroffen werden? Und das wird doch Keiner ernstlich bestreiten wollen, daß zur jüdischen Religion der rn» unentbehrlich ist. Die Feier des rav, seine Heiligkeit kann doch nicht in einem einftündigen Besuch des Gotteshauses, und sei dasselbe auch ein Prachtbau, der Hunderttausende oder gar Millionen gekostet hat, bestehen?! Man verwundert und beklagt sich, daß man heute noch als Jude, sogar wenn man sich von allen jüdischen Gesetzen, Sitten und Gebräuchen losgesagt und fast durch nichts mehr seine Abstammung bemerkbar macht, znrückgesetzt wird. Es ist wahrlich sehr bedauernswerth, wenn man den religiösen Juden so ganz abgestreift, sich so ganz germanisirt hat und noch so sehr patriotisch fühlt und sich gibt, so daß alle Welt es sehen kann und muß, und-dennoch, nachdem man, um mit den Propheten zu reden, „Weizen gesät hat und Disteln erntet", und um deutsch zu reden, nachdem man den Juden von sich abgestreift, den Juden überall wieder in's Gesicht geschleudert bekommt. Ja, das ist freilich traurig und — lehrreich. Ob man aber Augen haben wird, um zu sehen und zu erkennen, den großen, großen Jrrthum, die jämmerliche Rolle, die man spielt?! Wir bezweifeln es, es sei denn, daß der Antisemitismus noch deutlichere Winke gibt. Der wahrhaft religiöse Jude erträgt die Gehässigkeit des Antisemitismus mit einem gewissen Gleichmuth, weil er eben nicht mit solchen Gewiffensopfern sich seine äußere Stellung zu erkaufen gesucht hat und seiner guten Sache vertraut. Durch äußere Zurücksetzung geht ihm der innere Halt und die eigene Werthschätzung nicht verloren. Ja, wenn der Jndifferentismus nicht wäre, so hätten vielleicht die zehn Jahre der antisemitischen Herrschaft Manchen zum Nachdenken geführt. Aber gerade durch den Antisemitismus hat man ja Gelegenheit in dessen Abwehr sein religiöses Judenthum offen au den Tag zu legen, fein Interesse sür die Unantastbarkeit der jüdischen Religion zu bethätigen. Wie wenn nicht dabei nur ein rein persönliches Interesse wahrgenommen würde! So lange man nicht klar sieht und erkennt, daß man Jude nur mit unserem heiligen Gesetze in der Hand sein kann, daß man aber mit der Verleugnung desselben nur äußerlich Jude ist; so lange man nur eine nebelhafte Vorstellung hat von seinen Pflichten als Jude und äußere Form für den Inhalt nimmt; solange ist man eben noch indifferent, gleichgiltig. Und alle schönen Worte, alle Prachttempel, die herrlichste Predigt und der schönste Chorgesang werden nicht im Stande sein, das verödete Haus, aus dem alles jüdische Gefühl, aller jüdische Geist und alles jüdische Leben gewichen und vertrieben, zu einem bo»» na, zu einem „Hause Israels" zu machen. Und wo die jüdische Familie fehlt, gibt es auch keine jüdische Gemeinde. Und gerade in dem jüdischen Hause fehlt heute die jüdische Religion, ist verpönt, verbannt, darf nicht genannt, nicht erwähnt werden. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten »tnd Correspondenzen. Deutschland. Burgkunstadt, 8. Januar. Ein schwerer Gang war es, den wir soeben zurückgelcgt. Noch tief erschüttert von den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer, gehe ich daran, Ihnen Kunde von dem Heimgange eines braven Jehudi zu geben. Herr Wolf Felheim, erster Vorstand und eine Zierde unserer Gemeinde, ist nicht mehr. Um ihn trauert nicht nur seine Familie, seine Verwandten und Freunde, sondern die Trauer ist eine so allge-

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