Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1890)
- Date
- 1890-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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IIS Mann, sein verringerter. Wohlstand hatte ihn unmöglich so sehr darniederdrücken können und nicht einmal dem plötzlichen Verlust seines lieblichen Kindes war dieses dauernde Gedrücktsein zuzuschreiben. Hatte sich doch seine zarte, damals kränkelnde Gattin von diesem schweren Schlage längst erholt, war gegenwärtig sogar frischer und blühender als sie je gewesen. Ein holdes, fünfjähriges Töchterchen umspielte ihre Knie und machte sie zur glücklichsten Mutter; denn die Kleine war gesund und schön und für ihr Alter auffallend gescheidt. Die großen, dunklen, feurigen Augen blickten so neugierig in die Welt, das kleine Purpurmündchen wußte so lieblich zu plaudern, selbst dem ernsten Vater wußte es dann und wann ein zärtliches Lächeln zu entlocken. Frau Bärwald hatte gehofft, daß mit dem zunehmenden Gedeihen ihres Kindes die trübe Stimmung ihres Gatten sich ändern werde. Doch sie hatte vergebens gehofft; was ihrer liebevollen Zärtlichkeit nicht gelungen war, vermochte auch die Anmuth ihres Kindes nicht zu vollbringen. Bärwald's Stimmung war noch ernster geworden, der ehedem hochgewachsene, kräftige Mann war zu einem Skelett abgemagert und ging in gebückter Haltung, die spärlichen Löckchen, die unter der goldgestickten Hauskappe hervorlugten, waren silberweiß, der kaum Fünfzigjährige machte den Eindruck eines mehr als siebzigjährigen Greises. — Fromme Eltern vermögen Alles zu ertragen, schwindenden Wohlstand und selbst den Verlust ihrer Lieblinge. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen — dieser Gedanke hält sie aufrecht, selbst in der schwersten Prüfung. — Nur Eines bricht ihnen das Herz, selbst wenn es weiter klopft — der irreligiöse Wandel ihres Kindes. Frau Bärwald verstand den Schmerz ihres Gatten, und dieses Verständniß war seine einzige Linderung. Schon seit mehr als sieben Jahren wußte Bärwald, daß sein Sohn in üble Gesellschaft gerathen und ein leidenschaftlicher Spieler geworden war. Alle seine Vorstellungen, seine Ermahnungen waren erfolglos gewesen. Doch plötzlich, ohne ersichtliche Veranlassung, war seine bisherige Spielwuth in Abscheu vor dem Spiele umgeschlagen. — Der Vater, obgleich gerade damals von einem schweren Schlage heimgesucht, dankte dennoch Gott für diese Wendung — wußte er doch nicht, für was er dankte — ahnte nicht, daß die bösen Neigungen seines Sohnes sich nur auf ein anderes Gebiet erstreckt hatten — hatte er früher den Karten gehuldigt, so huldigte er jetzt noch schlechteren Leidenschaften. — Bärwald war dieses längere Zeit Geheimniß geblieben und Jahre hindurch ahnte er nicht, daß sein Sohn auch in anderer Beziehung sich von den Satzungen des jüdischen Religtonsgesetzes losgesagt hatte. Doch je älter Adolf wurde, desto mehr glaubte er sich der Rücksichten gegen seinen Vater entbunden, spöttelte in dessen Gegenwart über dasjenige, was dem Vater das Heiligste. Es war bereits wiederholt zu den heftigsten Erörterungen zwischen Vater und Sohn gekommen. Bärwald hatte bereits wiederholt in Erwägung gezogen, ob er nicht dem Ungerathenen die Thür weisen, sich vollständig von ihm lossagen solle. Den Vorstellungen seiner Gattin, daß er nicht so bald ermüden solle in den Ermahnungen, die er dem Sohne schulde, hatte er jedoch nur allzugern sein Ohr geliehen und überdieß fürchtete er, wenn er sich von seinem Sohne zurückziehen werde, werde derselbe vollends ausarten. Daß er außerhalb seines Hauses sich um die jüdischen Religionsvorschriften nicht kümmerte, das wußte er zwar, aber er hielt sich überzeugt, daß er innerhalb seines Hauses sich nichts Widergesetzliches zu Schulden kommen lassen werde. (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jefchurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'L Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel zu beziehen bet E. F. Steinacker, Leipzig, Doßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Rabbi Nathan Adler y"j — Perek Schirah. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Mainz. München. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. 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