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Der Israelit · 1890-01-20 · Heft 6 (20.1.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 6 (20.1.1890)
Date
1890-01-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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.v-* 94 Hildesheimer in Berlin, wo er sich, nebst dem immensen Wissen, das er dort sich erwarb, auch zum tüchtigen Rethoriker heranbildete. Es ist selbstverständlich, daß er streng konservativ und den Prinzipien des orthodoxen Judenthums ergeben ist. Wir gratuliren der Kulaer Kultusgemeinde aufs herzlichste, die seit.'einigen Jahren bet ihnen vacant gewordene Rabbinatstelle mit diesem tüchtigen jungen Gelehrten ausgefüllt zu sehen, der vollauf bestrebt sein wird,;das Heil seiner Gemeinde zu fördern. D. Friedmann. Italien. Rom. Seit einiger Zeit machen auch einzelne päpstliche Blätter mit den Antisemiten gemeinsame Sache. So ist die römische „Voce della Verita“ (die Stimme der Wahrheit) aufgebracht darüber, daß in Ratibor kath. Geistliche der Einweihung der Synagoge angewohnt haben. Sie findet darin geradezu einen „Berrath an den priesterlichen Pflichten" und fordert den betreffenden Bischof auf gegen solche Mißbräuche mit aller Strenge vorzugehen. Diese Zeitung scheut sich nicht jede Synagoge ein Denkmal jüdischer Ueberhebung zu nennen, schreibt in groben Schimpfereien gegen die Juden im Allgemeinen, spricht von der Judenpest, welche Europa verheere und beklagt es, daß christl. Geistliche es über sich bringen, mit einem Rabbiner unter einem Dache zu verweilen. Venedig, im Dezember. In dem in Rom erscheinenden „Moniteur für Apotheker" , hat * der unermüdliche und gelehrte Signor A. Bertolotti über den Mantuaner Arzt David Portaleone einen Brief veröffentlicht, welcher auch die Leser des „Israelit" interesstren dürfte: „Hochedler und gelahrter, hochedler Herr! Der jüdische Arzt David Portaleone hatte bereits vom Papste Clemens durch unbeschränktes Breve, die Erlaubniß erhalten in dieser Stadt zu practiciren, was durch unsere gegenwärtige Heiligkeit aber nur Jahresweise unter gewissen Einschränkungen bestätigt wurde, und viele Mitglieder des Adels haben ihn zur Behandlung in ihre Häuser gezogen, in erster Linie, weil sie durch den Vater und Großvater, die den gleichen Beruf hatten, gut bedient worden waren. Nachdem ich Denselben nun dem Monsignor d'Alba empfohlen, um eine verlängerte Erlaubniß zumPracticiren auf so lange als möglich zn erlangen, habe ich mich hauptsächlich in dieser Angelegenheit auf das Ansehen Ew. Eminenz stützen wollen, daß Hochdieselben die Gewogenheit haben mögen, bei Sr. Heiligkeit es zu befürworten, und diese mir selbst eine Gunst erweisen, falls Sie selbst eine Schwierigkeit fänden, da es für einen großen Theil dieser Stadt als eine besondere Gunst angesehen werden würde, indem sie es erbittet und nur Vertrauen in ihn setzt, da er Alles bei den Patienten, die ihm Zuströmen, sorgfältigst ausführt, und es daher sehr bedauerlich wäre, wenn er den Indult (Päpstliches Breve) entbehren sollte und dies ist der Grund, weßhalb ich Denselben der besonderen Huld Ew. Eminenz empfehle und zum Voraus danke, mich bei dieser Gelegenheit obligirt zu haben. Indem ich Ew. Eminenz die Hände küsse, verbleibe ich in tiefster Ergebenheit, Ew. Eminenz dankbarster und ergebenster Diener Herzog von Mantua. Mantua, 9. Februar 1617. Sr. Eminenz dem Cardinal Borghese. Diese Mantuanische jüdische Familie hatte Ende 1538 ein Mitglied Namens Wilhelm, welcher Arzt von Ferdinand I., König von Neapel, nachher von Galeazzo Sforza, Herzog von Mailand, war; nach dem Tode desselben kehrte dieser wieder in seine Vaterstadt zurück. Von ihm entsprossen 7 Aerzte, alle ausgezeichnet. Der David, von dem in dem herzoglichen Briefe die Rede ist, war der Vater des Wilhelm, ein ebenfalls sehr bedeutender Arzt. Der Cardinal Borghese verfehlte nicht, den Portaleone, dem Wunsche des Herzogs von Mantua entsprechend zu empfehlen, allein die Inquisition machte viele Schwierigkeiten, so daß er erst im Jahre 1621 die Bestätigung des Dispenses erhielt, den Clemens VIII. ihm gewährt hatte. L. M. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Aber die Zeit verging; um den schönen Knaben kümmerte sich kein Mensch, außer dessen Pflegeeltern, die ihn längst adoptirt hatten, und die mit nahezu abgöttischer Liebe an dem Kinde hingen.

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