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Der Israelit · 1890-01-20 · Heft 6 (20.1.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 6 (20.1.1890)
Date
1890-01-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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91 nen und die Schuld des Tyrannen Gott zuzuschrei- » beit, der ihn zum Beharren in der Sünde gezwungen. R. Schimeon ben Lakisch bemerkt hierauf, wie nichtig diese Behauptung sei. Gott warne jeden Menschen vor der Sünde und habe ganz speziell dem egyptischen König wiederholte Warnungen und Mahnungen zugehen lassen. Er habe aber dem Menschen die Kraft des Widerstandes verliehen, trotz der Mahnung in der Sünde zu beharren. ^Die Sünde sei darum des Menschen eigenstes Werk, dessen Folgen er zu tragen habe. Wie aber auch der Sünder ohne dessen Absicht dem Plane der göttlichen Wallung als Werkzeug dient, zeigt eben die Pharaonische Hartnäckigkeit. Sie ward das Mittel, wie Hirsch in seinem Kommentar ausführt, „um in Mizrajim einen Schatz von ronw und D’nsiD niederzulegen, aus welchen alle Folgezeit sich die Erkenntniß und die Ueberzeugung von Gottes Allmacht, Gegenwart und Waltung in der Geschichte zu schöpfen vermag. Es brauchen fortan keine b'D'j mehr zu geschehen, weil sie eben dort bereits geschehen sind." Gott hat der Menschheit in der Erlösung Israels einen Einblick in Seine Waltung gewährt. Er läßt dem Unrecht und der Gewalt zeitweilig die Herrschaft und vernichtet nicht sofort den Frevler. „Dadurch, daß Ich ihm nicht alles zugleich vernichtete, sondern ihm immer, und so namentlich bei dem Hagelschlage5 6) noch das Werthvollste unverletzt gelassen, habe Ich ihm etwas gelassen, woran er sich anklammerte, und da Ich ihm das Empfindlichste, die Vernichtung des eigentlichen egyptischen Fruchtreichthums bis zuletzt ersparte, konnte er noch immer an Meiner eigentlichen Allmacht zweifeln, sich noch immer hinter den Gedanken bergen, der eigentliche Kern der egyptischen Macht und des egyptischen Wohlstandes stehe unter einem Schutz, der Meiner Macht unerreichbar sei. Ich habe dieses aber gethan, um eben nach einander das Siegel Meiner Hoheit und Herrschaft an alle einzelnen Träger und Stützen des menschlichen Daseins und der menschlichen Macht auf Erden zu legen, um 12^2, in dem stolzen, machtreichen Egypten, ’mnis, Meine Wahrzeichen aufzustellen." c) Literarischer Bericht. Der Mischnatraktat „Sabbat", herausgegeben und erklärt von Prof. v. H ermann L. Strack.! Leipzig. Verlag von Hinrich s. 1890. Preis 1 M. 50 Pf. 78 Seiten. 81. Der um die hebräische Sprachforschung recht verdiente Verfasser darf mit der vorliegenden Herausgabe des Traktates Sabbat des Dankes weiterer Kreise sich versichert halten. „Obwohl mein allererstes Augenmerk darauf gerichtet ist" — so schreibt mir der Verf. — „durch diese Ausgaben einzelner Traktate die chriftl. Studenten in das Studium der Mischna und überhaupt der nachbibl. jüd. Literatur einzuführen, glaube ich doch, daß auch jüdische Leser durch die rein grammatische und archäologische, also die philologische Behandlung gar Manches lernen können. Die bloße Routine thuts heutzutage nicht mehr. Mit Fug kann verlangt werden, daß der Leser auch wisse, warum so oder so gedeutet werde, daß er die Personen, die Zeitverhältnisse, das Antiquarische kenne u. dgl. m. Diese Erkenntniß bricht sich zu meiner Freude innerhalb des Judenthums jetzt allmählich Bahn: ich habe sogar in der hebr. Elementargrammatik stets mehrere jüdische Zuhörer, die zwar den Talmud gewiß geläufig lesen, aber doch erkennen, daß ihnen die Elemente einer wissenschaftlichen Erkenntniß der hebr. Sprache völlig fehlen und daß dieser Mangel nachgeholt werden müsse." Wir müssen zu unserem Bedauern dem Verf. in allen Punkten Recht geben und ihm für seine literarischen Bemühungen um so größeren Dank wissen. Das vorliegende Buch enthält eine inftructive Einleitung über die Sabbatgesetze, eine Zusammenstellung der in dem Traktat erscheinenden Gelehrten, den unpunktirten Text, um dessen möglichst correcte Herstellung Herr Strack sich durch Vergleichung von 16 Mischnaausgaben (darunter die arabische des Maimonides) bemüht hat, und ein erschöpfendes Vokabular. An der Hand dieser Ausgabe kann jeder erwachsene und des Hebräischen kundige Gymnasiast Selbststudien der Mischna mit Erfolg treiben. Daß der Verf. auch chriftl. Studenten in dieses Studium einführt, kann uns nur angenehm sein, unser jüdisches Schriftthum braucht das Tageslicht nicht zu scheuen, und je mehr Klarheit und Wahrheit über dasselbe auch in nichtjüdischen Kreisen gefördert wird, eine um so größere Zahl andersgläubiger Vertreter dieser wissenschaftlichen Wahrheit werden uns im Kampfe gegen Bosheit und Unvernunft zur Seite stehen. Die Ausstattung des Heftes ist rühmenswerth. 5) nb nDDum nonrn. 6) Hirsch's Kommentar zu motP, 10, 1.

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