Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1890)
- Date
- 1890-01-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Keilkge;u./W-'5 ües,Jsmrlit“&, Jtfdjunin“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Randegg (Baden), 5. Jan. Einem großen Theile der Leser des „Israelit" ist es gewiß bekannt, daß seit 33 Jahren Herr Rabbiner Picardt in unserer Gemeinde segensreich wirkt, durch dessen wahre Gottesfurcht die Gemeinde als eine echtjüdische erhalten blieb. Es ist daher kaum zu begreifen, daß der löbliche Synagogcnrath beschlossen hat, den Gehalt des Rabbiners per Jahr um M. 150 zu kürzen. Würde dies aus Sparsamkcitsrücksichten geschehen, so könnte man noch eher davon reden; es sind jedoch aber ganz andere Ursachen, denn unsere Gemeinde ist G. 's. D. recht gut im Stande, für einen Geistlichen einen standesgemäßen Gehalt zu bezahlen. Es ist dies wahrlich eine betrübende Thatsache; während alle Angestellten Theuernngszulagen erhalten, werden einem Manne, welcher so hoch geachtet bei allen Eonsessionen da-, steht, sowohl durch seinen frommell Lebenswandel, als auch durch seine hochherzige Wohlthätigkeit, durch Abzüge von seinem bescheidenen Gehalt, derartige Verdrießlichkeiten bereitet. Es handelt sich bei Veröffentlichung dieses nicht um die M. 150, sondern es ist unsere Absicht, die Zustände zu beleuchten, welche mitunter in einer Gemeinde herrschen; diese Handlungsweise, welche ganz dem jüdischen Geiste und den jüdischen Anschauungen widerspricht, wird jedenfalls nur vereinzelt in Gemeinden Vorkommen. Hoffentlich wird sich die größere Anzahl der Gcmeindemitglieder zusammenfinden und vereint kein Mittel unversucht lassen, um ein solches Borkommniß abzuwcnden und dadurch den Frieden in unserer bis dahin so einträchtigen Gemeinde zu erhalten. Berlin, 10. Januar. Am letztvergangenen Mittwoch hielt der innerhalb der israelitischen Synagogengemeinde bestehende Franenverein seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Syndikus des Vereins, Herr Dr. M. Berliner erstattete Bericht über die Thätigkeit des Vereins, welcher eine vortreffliche Wirksamkeit entfaltete. Die Einnahmen betrugen 1697,19 M., die Ausgaben 962, der Reservefonds 2300 M. Ganz be-! sonders erfreulich sind die Spenden für die Unj terbringilng jüdischest Waisenkinder in st r e n gr e lig iö s e Familien. Ein Antrag des Vorstandes, alljährlich aus den Einnahmen des Vereins zunächst 400 M. für Waisenpflege zu verwenden, wurde einstimmig angenommen und beschlossen, schon in diesem Jahre mit einem 6jährigen Knaben den Anfang zu machen, der sich seit seiner Geburt, da die Eltern verschollen sind, in christlicher Pflege befindet. Die bisherigen Vorstandsdamen wurden einstimmig wieder gewählt; besonderer lebhafter Dank gebührt der unermüdlich für die Vereinsinteressen sich aufopfernden Vorsitzenden, Frau Dr. Pa ul ine Berliner, der allverehrten Gemahlin des Syndikus. Möge der Verein weiter blühen und erstarken! g. Oberglogau, 9. Januar. Unter lebhafter Betheiligung aller Bevölkcrungsklassen beging Heute das Moritz B o s ch w itz'sche Ehepaar Hierselbst seine goldene Hochzeit. Der 78jährige Jubelgreis, seit niehr als 40 Jahren Stadtverordneter jmd Vorsteher der hiesigen israel-tischm Gemeinde,' ist streng gesetzestreuer Jehudi und zählt wegen seines rechtlichen und wohlthatigen Sinnes zu den angesehensten Bürgern der Stadt; seine Gattin ist mit deni derselben berühmten Talmudiftenfamilie entstammten Eduard Schnitzer alias Emin Pascha verwandt. Die heutige Feier war zugleich ein Freudenfest für die Gemeinde. Der synagogalen Feier wohnten n. a. der ganze Magistrat und das Büreau der Stadtverordneten bei; Majoratsgraf Oppersdorf hatte mit dem Ausdruck des Bedauerns., daß ihn die Trauerfeierlichkeiten für Kaiserin Augusta nach Berlin riefen, als Vertreter seinen Generalbevollmächtigten und seinen Geheimsecretär entsandt. Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor hielt die Festrede, anknüpfend an das Masorawort: „Den Becher des Heiles erhob ich und den Namen des Ewigen rief ich an, Leid und Kumnier fand ich und den Namen des Ewigen rief ich an, Dankopfer will ich Dir bringen und den Namen des Ewigen rufe ich an!" Tief rührend war der Moment, da der Redner des Sohnes des Jubelpaares gedachte, welcher als Einjahrig-Freiwilliger in den Krieg gegen Oesterreich zog und bei Königgrätz von einer Granate zu Tode getroffen wurde. Am Schluffe verlas Dr. Blumenthal das Glückwunschschreiben Sr. Ma-