Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1890)
- Date
- 1890-01-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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72 „Aber nun theile mir Deine Bitte mit, ich weiß doch noch immer nicht, um was es sich handelt." Noch einen Moment zögerte sie; dann aber sprach sie mit einer gewissen Hast und ohne den Blick zu ihm zu heben: „Du bist ein edler, hochherziger Mann — wie es wenige gibt — aber — aber — Du bist ein Freigeist." „Adele! —" „Lasse mich ausreden — ich will Dir ja keinen Vorwurf machen — ich weiß sehr wohl, zum Glauben kann man sich nicht zwingen — aber — aber — der Unglaube ist ein Unglück — ein großes Unglück — das denkbar größte." Er zog die Stirn in Falten. „Und was verlangst Du von mir?" Abermals zögerte sie einen Moment, dann aber fuhr sie mit einer gewissen Entschiedenheit fort: „Ich kann mir nicht helfen, selbst auf die Gefahr hin, Dich zu verletzen, muß ich es wiederholen: Der Unglaube ist das denkbar größte Unglück. — Und nach meiner festen Ueberzeugung ist das Unglück, das uns nun schon dreimal getroffen hat, das uns unerbittlich aller unserer Kinder beraubt hat — es ist einzig und allein die Folge Deines Unglaubens." „Adele! —" „Ich versichere Dich, ich will Dir keinen Vorwurf machen — nur um ferneren Unglück vorzubeugen, spreche ich zu Dir." „Und um was wolltest Du mich ersuchen?" „Versprich mir — nein, schwöre mir — oder besser noch, gib' mir Dein Ehrenwort, daß Du unfern Hugo Deinen Unglauben nie lehren wirft." „Das verspreche ich Dir mit meinem Ehrenwort." „Dank Dir, jetzt bin ich ruhig; jetzt wage ich mit Zuversicht zu hoffen, daß es uns mit Gottes Hilfe vergönnt sein wird, unfern theuern Hugo heranblühen zu sehen zu allem Guten, allem Edlen. — Bisher lag es immer wie ein Alp mir auf der Brust, wenn ich an die Zukunft dachte — denn wenn es schon eine Todsünde ist, die eigenen Kinder im Unglauben zu erziehen, um wieviel schwerer müßte das Verbrechen sein, ein fremdes Kind ohne Glauben heranwachsen zu lassen und wenn unsere leiblichen Kinder, wie ich fest überzeugt bin, um dem vorzubeugen uns entrissen worden sind, wie hätten wir hoffen können, daß dieses liebliche, schöne Kind uns erhalten bleiben würde. Darum Dank Dir, mein Ulrich, innigen, herzinnigen Dank!" Ein trübes Lächeln zuckte um seine Lippen. „Wenn es Dir Beruhigung gewährt, will ich Dir gern versprechen, die religiöse Erziehung unseres Lieblings einzig und allein Deinem Ermessen zu überlassen." „Gott segne Dich, mein Ulrich, für dieses liebe, gute Wort. Ich hoffe auch mit Zuversicht, daß Du selbst dereinst noch zur Einsicht kommen und erkennen wirst, daß das Leben ohne Glauben eigentlich nicht des Lebens werth ist, dann wirst Du Dir selbst dankbar sein für Deine liebevoll- Nachgiebigkeit. — Und wann wirst Du die nöthigen Schritte thun, um das Kind zu adoptiren?" „Wenn Du Werth darauf legst, will ich es demnächst thun. Ich glaube allerdings auch nicht mehr, daß die Eltern es reclamiren werden, sie sind vermuthlich verunglückt. Aber wenn ich mich irren sollte, wenn sie leben und es doch noch zurückfordern würden — den Eltern könnten wir es nicht vorenthalten und wenn wir es hundertmal adoptirt hätten." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel fit btfittftn bet E. F. Slrtnackrr, Leipzig, Uoßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Leitende Artikel: Perek Schirah. — Die sociale Gleichheit als Gesetz in Bibel und Talmud. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: 2mal Preßburg. — Frankreich : Paris. — England: 2mal London. — Rußland. — Pakästina: Jerusalem.— Oesterr. - Ungar. Monarschie: Wien. 2mal BoSkowitz. Feuilleton: Waltungen. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutchland: Randegg. Berlin. Oberglogan. — Oest.- Ung. Monarchie: 2mal Wien. Korneuburg. — Feuilleton : Der älteste Tabakbau und Handel in Brandenburg. — Inhalt der „Bl. f. d. isr. Schule": Protokoll der am 10. Juni 1889 im Sitzungssaale der Synagoge zu Hannover stattgefundenen Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. — Briefkasten. — Büchermarkt. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit" und „Jeschurun" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz. jHierz« drei Beilagen.