Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1890)
- Date
- 1890-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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67 Die foeiate Hleichyeit als Gesetz in Bibel und Talmud. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). (Fortsetzung.) In dem klaren Selbstbewußtsein, in der Selbst« bestimmungsfähigkeit seines Willens, in seiner Vernunft, welche den Trieb zu beherrschen vermag, ist der Mensch ein gottähnliches Wesen, ein Ebenbild, ein Theil der Gottheit (Genesis, Cap. 1, V. 27 und Cap. 3, V. 5)x), wie es die Schöpfungsgeschichte der Bibel lehrt. Im Selbstbewußtsein des Menschen spricht sich also sein göttlicher Ursprung aus, das Selbstbewußtsein der Gottheit kommt durch ihn zum Ausdruck; er leitet die Herkunft seiner Vernunft von der Gottheit her, welche für ihn das Recht fordert, darum sind auch die Menschenrechte die Gottesrechte des Menschen. Dieses Gottesrecht muß jedem sittlichen Menschen ohne Vorbehalt, ohne Vorurtheil als Theil der Gottheit zuerkannt werden, wer es ihm vorenthält, der verletzt das Gottesrecht in ihm. Aus diesem Grunde sind alle Menschen, ohne Unterschied der Geburt, des Standes, des B e ke n nt n i s se s, vor dem Gottesgesetze v oIfc kommen g (c i ch g e ft eil t. Diese Gleichheit alle? Menschen vor dem Schöpfer spricht sich sehr deutlich in der ganzen Schöpfungsgeschichte aus. Alle sind sie in Seinem Ebenbilde erschaffenworden; Alle sind sie von einem Menschenpaare entstanden. Der Talmud lehrt, daß Gott deßhalb nur Einen Menschen zuerst erschaffen, damit der Eine sich nicht mehr dünken soll als der Andere; damit der Eine sich nicht brüsten könne, seine Herkunft von adeligem Geschlechte herzuleiten und dem Andern seine niedere Abstammung Vorwerse (Sanhedrin 38 d).2) A llen Menschen wurde das Recht eingeräumt, die ganze Schöpfung als ihr Eigenthum zu betrachten, zu herrschen über die Thiere deS Feldes, über die Vögel des Himmels und über die Fische des Meeres (Genesis, Cap. 1, V. 28). Als Gott den Menschen erschuf, erzählt der Talmud, da nahm er die feinsten Staubtheilchen 101N N12 D’pb DlK2 loba DlNO ON D’pb N12’1 (1 yn 210 ’yiv D’p^«3 oo”ii .(i"a pios 's o’ffNia) .('n piDö 2 DtcO pny 22 un dhdin D’p’is ivr Nb Niaj n»n» cm (2 Nb oiosffoo ubd ion 121 ,o*yffi 22 un d’Iöin D’jim ,(a"y n"i pvuo) in n oiijod oinsffoo wt von der ganzen Erde zusammen und formte daraus den Erdensohn (Adam), die ganze Erde gehört dem Menschen, die ganze Erde ist seine Heimath, und er hat das Recht, sich dort niederzulaffen, wo es ihm beliebt. (Sanhedrin daselbst.) 3) „Dieses ist das Geschlechtsregister Adams" (Genesis, Cap. 5, V. 1), „das ist der höchste Grundsatz, das höchste Prinzip in der Thora" (Jeruschalmi Nedarim 89 a.)*) Denn cs lehrt die Einheit, dieGleichheit aller Menschen durch ihre Abstammung. Auch nach der Sündfluth, als von allen Menschen nur Noah und seine drei Söhne allein übrig blieben, von denen dann die ganze Menschheit abstammte, gab Gott Allen, ohne Ausnahme das gleiche Recht zu herrschen über alles Lebende (Genesis, C. 9,V. 2.)5) Von diesem Standpunkte aus (daß der Mensch ein Theil der Gottheit ist), ist auch das Gesetz zu betrachten, welches für Noah und seine Söhne verordnet wurde, welches lautet: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch vergoffen werden, denn im Ebenbilde Gottes erschuf Er (Gott) den Menschen" (das. V. 6) °) gleichviel wenn es auch ein Moses wäre, der einen Neugeborenen tödtete, weil der Neugeborene ebenso im Ebenbild Gottes ist, als der Höchste und Verdienstvollste.7) */ } NaOrem wir nun erSttcffc haben, von w.lchem Standpunkte aus und von welchen Grundsätzen geleitet, die Bibel die Gletchb erechtigung vor dem Gesetze aufgefaßt wissen will, wollen wir nun zur Besprechung des biblischen Gleichheitsgesetzes selbst schreiten. Vorher ist es aber noch nöthig, zu untersuchen, was die eigentliche Bestimmung des Gleichheitsgesetzes an sich ist und in welchem Maaße es die Wohlfahrt der Gesellschaft zu fördern die Eignung besitzt. .(off piruo) ipy layio ib oiiyo bo pffNio cm (3 1113 112 m “im wy p -.cm onlio idd ot (4 .(B"2 rp ffTU '’D^fflT) 01102 211 HD 00^ ION’1 122 0N1 03 ON O'pb p2'1 (5 lyi psn O'O b iy o\t 02001 ddnhdi pNn ns wbi .('2 'S pIDD '13 O’ffNia) '121 D’DffO piy 12 D’pb oba '2 *]Dff» 101 D1N2 DIN 01 “JSIff (6 .('1 pIDD Off) 01 NO ON Offy 7) Die Bedenken, welche sich hier gegen Moses, der einen Mizri tödtete, aufdrängen, sind deßhalb ungerechtfertigt, weil sich anch annehmen läßt, daß der Mizri den Hebräer mörderlich geschlagen habe und MoseS dabei nur den Grundsatz befolgte, welcher lautet (ü"» Nlp’1) *]yi 01?y HOyO'NI, d. h. es ist erlaubt den Mörder zu tobten, um dadurch den Verfolgten zu retten (Sanhedrin 73a). pl03D) ifföja frWl? (02 (N"y 3"y rji