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Der Israelit · 1890-01-16 · Heft 5 (16.1.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 5 (16.1.1890)
Date
1890-01-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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66 hineingezwängt wurden! Ausgeschlossen vom bürgerlichen Leben, eingcschlossen innerhalb der Mauern der Ghetli, abgeschlossen von den meisten ehrenden Berufsarten, gezwungen zu verachteten und entehrenden Geschäften, waren sie der allgemeinen Mißachtung preisgegeben. In vielen Gegenden mußten sie ein entehrendes Abzeichen tragen, damit der Hohn und der Spott und die Mißhandlung des Pöbels sie sofort erreiche. Und dennoch, dennoch war Israel auch auf dieser Wüstenwanderung nicht verlassen und unglücklich. Ihre dunklen Wohnungen wurden erleuchtet durch die Feuersäule Gottes, durch Seine heilige Lehre. Von allen Schätzen der Heimath hatte Israel nur die Thora gerettet, und diese ist der Talisman, welcher alles Verlorene zu ersetzen und wieder herbeizuschaffen vermag. Auch auf dieser Wüstenwanderung ließ es Gott an Speise und Trank uns niemals fehlen, schützte uns durch Seine Wolke vor dem allzustarken Sonnenbrände, behütete uns mit Seinem starken Arm, wenn wir verloren schienen. Unsere Weisen im Midrasch erklären den Vers aus dem Propheten Jesaias (Cap. 35, V. 1), welchen Perek Schirah der Wüste in den Mund legt, wie llaschi. Wir müssen demnach übersetzen: „Er tötris_ urch sie erfreuen ^andwüste und. StzMwüste.. und ,es wird frohlosteu Sie Salzwüste, und sie wird blühen wie die Lilie." Der folgende Vers lautet: „Erblühen, erblühen wird sie und frohlocken in jubelndem Gesänge. Die Herrlichkeit des Lebanon wird ihr gegeben, die Pracht von Karmel und Scharon. Sie werden schauen die Herrlichkeit des Ewigen, die Majestät unseres Gottes." Unsere Weisen bemerken dazu im Midrasch: Wenn Gott die vollkommene Erlösung herbeiführen wird, so wird das nicht auf einmal und plötzlich geschehen, sondern allmählich, weil wir die allzuplötzliche Umwandlung nicht zu ertragen vermöchten. Zuerst wird Gott durch sie (Israel) Andere erfreuen, wie cs heißt: Er wird erfreuen durch sie Sandwüste und Steinwüste, das heißt: Die Völker, welche gleich der Sandwüste oder Steinwüste ein unempfänglicher Boden waren für die erhabenen Wahrheiten, die Israel zu verkünden berufen ist, werden einsehen und erkennen, wie Großes unser Volk für die gefammte Menschheit geleistet hat und werden sich des Daseins und der Thätigkeit Israels freuen. — Dann wird frohlocken die Salzwüste und erblühen wie die Lilie, das heißt: Die Söhne und Töchter Israels werden dann nicht mehr auf Abwege gerathen und ihr Heil nicht mehr suchen in fremden, schädlichen Anschauungen. Eine der schönsten und herrlichsten Blumen der Welt ist die weiße Lilie, die im heiligen Lande und namentlich in der Ebene von Scharon blüht. Ihre trichterförmigen Blumen sind schneeweiß und verbreiten den angenehmsten Duft. Dieser herrlichen Blume wird dann Israel gleichen, unbefleckt, ein Liebling Aller, durch ihre schöne Gestalt und durch ihren köstlichen Duft. So wird Israel stets weiter erblühen, sich selbst und Andern zur Freude und zum Wohlgefallen; dann wird die Herrlichkeit des Lebanon zurückgegeben werden. Lebanon ist ein Beiname für den heiligen Tempel, weil dieser Sühne und Verzeihung den Söhnen Israels bringt, wie es heißt (Jesaias, Cap. l, V. 18): U’a^» D’jbo Dimsn vir dm. „Wenn Eure Sünden gleichsam roth sein werden, wie rothe Schnur, so sollen wie Schnee sie weiß werden." Nach allen diesen Vorbereitungen und allmählich zu Tage tretenden Erscheinungen wird die vollkommene Erlösung stattfinden, die darin besteht, daß Gott sich Seinen Frommen offenbart, wie cs heißt: nn 'i -naa int non. „Sie werden schauen die Herrlichkeit des Ewigen, die Majestät unseres Gottes." lsi. der^Lobgesang der Wüste. Er hat ledoch nicht nur symbolische Bedeutung, sondern ist auch im Wortsinne zu nehmen. Wer die unermeßlich scheinende, einförmige Sandwüste erschaut, wer die Steinwüste erblickt, deren verbranntes Gestein jeder Cultur unzugänglich ist, wer in der Salzwüste sich befindet und sich überzeugt, daß dieser Boden für jede Vegetation ungeeignet ist, der wird sagen: es ist unmöglich, daß die Wüste in fruchtbares Land umgewandelt wird werden. Aber Gott hat verheißen (Jesaias, Cap. 35, V. 6 und ferner), daß in der Sandwüste einst Wasserquellen entspringen, und Bäche den Boden der Salzwüste heilen werden, daß Seen und Quellen dem verbrannten Gestein fruchtbares Erdreich zuführen, so daß all die Wüsten in üppigster Vegetation gedeihen. Ebenso wird einst Israel von allen seinen Gebrechen geheilt als das herrlichste Volk der Erde im Lichte der Gnade des Allmächtigen wandeln zu seinem eigenen Heile und zum Heile der gesammten Menschheit. (Fortsetzung folgt.)

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