Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1890)
- Date
- 1890-01-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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59 Gtraßburg i. E. Wieder ist das Hinscheiden eines jener würdigen, frommen und gelehrten Männer zu beklagen, die unserer Zeit immer seltener werden. Rabbi Moses Weil ist im hohen Alter von ca. 80 Jahren am 5. Tebeth nach kurzem Krankenlager in ein besseres Leben abberufen worden. Von frühester Jugend an widmete er sich dem Studium der hl. Gotteslehre.bei hervorragenden Männern jener Zeit. Noch jung an Jahren wurde ihm die Fähigkeit als Rabbiner zu fungiren, zuerkannt; aber er wollte, nach dem Vorbilde der talmudischen Weisen, die Thorakenntniß nicht zum Broderwerbe verwerthen. Seiner Liebe zu p"mn blieb er sein Lebenlang treu; Thora zu lernen und Anderen mitzutheilen, war ihm die angenehmste Beschäftigung. Noch im hohen Alter hielt er in seiner Heimathgemeinde Regisheim zur Hebung des religiösen Sinnes allsabbatlich religiöse Vorträge, die sehr gerne gehört wurden. Seine Kinder erzog er zur Frömmigkeit und Gottesfurcht und hatte das Glück, auch seine Enkel sein frommes Beispiel nachahmen zu sehen. In all diesen gottgefälligen Bestrebungen wurde er von seiner musterhaften und ausgezeichneten Gattin n"y, die ihm vor einigen Jahren in den Tod vorausgegangen, kräftigst unterstützt. Obwohl erst seit kurzer Zeit hier wohnhaft, hatte er sich dennoch große und allgemeine Werthschätzung erworben; dies kam bei seinem Leichenbegängnisse zum Ausdruck, zu welchem, obwohl in sehr früher Morgenstunde, sich zahlreiche Freunde und Verehrer eingefunden hatten. Auf dem Friedhofe zu Iungholtz, wohin die Leiche überführt wurde, hielten die Herren Rabbiner Schüler- Bollweiler und Buttenwieser - Straßb urg ergreifende Grabreden, in welchen dieselben den Verlust der Familie in rührender Weise schilderten und in zündenden Worten darauf hinwiesen, wie beklagenswerth der Hintritt eines solchen Mannes heut zu Tage und namentlich bei uns empfunden werden muß, wo die Zahl der Thorabeflissenen leider eine verschwindend kleine ist und die Jugend meist in erschreckender Unkenntniß des Gotteswortes heranwächst. — Möge das schöne Vorbild des Verklärten ermunternd wirken, daß wieder Männer unter uns erstehen, die, wie der Verblichene, sich mit unserer heiligen Literatur um ihrer selbst willen, dw db6 beschäftigen, dann wird das Andenken an diesen Frommen gewiß stets ein gesegnetes bei uns bleiben. naswn. Elfaß-Lothringen Nach einer soeben veröffentlichten amtlichen Statistik zählten die 35 höheren Schulen Elsaß-Lothringens (Gymnasien rc.) am 1. November 8967 Schüler. Während am 1. November 1883: 3658 Katholiken, 3840 Protestanten und 809 Juden gezählt wurden, waren am 1. November 1889: 4097 Katholiken, 3972 Protestanten und 898 Juden vorhanden. Es hat also in den letzten sechs Jahren die Zahl der kath. Schüler der höheren Schulen um 239, die der Protestanten nur um 122 und die der Juden um 89 zugenommen, und die der Katholiken, die 1883 um 132 weniger gezählt haben als die Protestanten, übertreffen jetzt die letzteren um 125. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 11. Jan. Baron Albert Rothschild übergab heute dem Grafen Taaffe 10,000 Gulden als Spende für die nothleidenden Krankenkassen. Niederlande. Niederlande. Die niederländische Erste Kammer hat den neuen Schulgesetzentwurf über die Revision des Primärunterrichts und die Unterstützung konfessioneller Schulen mit 31 gegen 18 Stimmen angenommen. Das Gesetz gewährt der Regierung die Möglichkeit, die von Reltgionsgesellschaften gegründeten Schulen mit Staatsmitteln zu unterstützen, wenn die betr. Anstalten gewissen unterrichtsgesetzlichen Bestimmungen genügen. In der Zweiten Kammer hatte der Entwurf bereits eine Mehrheit gefunden, und schon dies eröffnete für die Abstimmung in der Ersten Kammer günstige Aussichten. Die Mehrheit ist dann auch noch größer geworden, als man vielfach annahm. P a l ä st i n a. Jerusalem. Vor einigen Jahren wollte der griechische Patriarch, die am Oelberge gelegene Höhle, in der die Gräber der Propheten Chagi, Secharjah und Maleachi sich befinden sollen, kaufen, um daselbst eine Kirche zu bauen. Auf die Intervention einflußreicher Glaubensgenossen wurde ein Firman des Sultans erwirkt, wonach diese Grabstätte niemals verkauft werden darf und den Juden stests geöffnet sein muß. Neuerdings will der Patriarch oberhalb der Höhle eine Kirche errichten; es wurde daher von maßgebender Stelle an den Sultan eine Bittschrift gerichtet, in welcher unter Bezugnahme auf die frühere Entscheidung gebeten wird, den projectirten Bau zu verbieten. Briefkasten der Expedition: Herrn Adolf Sandberg in Pogorzela: Nach unserem Wis» sen „Ja". _