Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1890)
- Date
- 1890-01-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Herrn Landrath für seine wohlwollende Mitwirkung zur Ueberwindung aller Bauschwierigkeiten und öffnete sodann die Pforten des Heiligthums, das sich bis auf den letzten Platz mit Festgenoffen füllte. Nun vollzog sich die feierliche Weihe im Inneren der neuen Synagoge, wobei HerrBezirkZ- Rabbiner Dr. Silberstein die einstündige Weiherede hielt, welche von der Versammlung unter lautloser Stille bis zum Schluffe vernommen wurde und einen tiefergreifenden Eindruck machte. Der Abend-Gottesdienst mit Gesänge des Synagogen- Chores und eines Gesang-Vereins schloffen die Weihe. Ein Banket versammelte am Abend die Festgenoffen im Rathhaussaale, an welchem zahlreiche Bürger der Stadt sich betheiligten. Der Gesangverein sang treffliche Lieder, die Musik-Kapelle Müller spielte, und ein Sohn des Vorstehers, Adolf Stetnthal, zeichnete sich durch vortreffliches Vtolinspielen besonders aus. Herr Dr. Silberstein toastirte aus den Kaiser, Vorsteher Steinthal auf den Landrath, Heimann Löb auf den Bauführer, David Kahn auf den Bürgermeister, und die Gemeinderäthe der Stadt Montabaur, Lehrer Wagschal auf den Vorstand der israelitischen Gemeinde und auf all' diejenigen, welche das Werk haben fördern helfen. Burgkunstadt, 8. Januar. Ein schwerer Gang war es, den wir soeben zurückgelegt. Noch tief erschüttert von den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer, gehe ich daran, Ihnen Kunde von dem Heimgange eines braven Jehudi zu geben. Herr Wolf Felheim, erster Vorstand und eine Zierde unserer Gemeinde, ist nicht mehr. Um ihn trauert nicht nur seine Familie, seine Verwandten und Freunde, sondern die Trauer ist eine so allgemeine, daß die ganze Gemeinde und über diese hinaus davon ergriffen wird. Denn der Heimgegangene zeichnete sich durch wahre Religiösität, durch eine unermüdliche Arbeitskraft und durch seltene Lauterkeit des Charakters aus. Ueberall und zu jeder Ieit war er bereit, Werke der Wohlthätigkeit zu üben und den Frieden in der Gemeinde zn erhalten. Die Gemeinde verliert einen musterhaften Führer, einen treuen Berather, die Armen ohne Unterschied des Glaubens einen Wohlthäter in des Wortes weitgehendster Bedeutung. Welch' großer Liebe, Achtung und Hochschätzung sich der Verstorbene erfreute, da? zeigte auch die überaus zahlreiche Betheiligung beim Leichenbegängnisse. Von nah und fern waren Freunde und Bekannte und von ihm im Leben Erfreute herbeigeeilt, um dem edsen Menschenfreunde noch die letzte Ehre zu erweisen, ihm den letzten Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn hier hielt die Trauerrede. Anknüpfend an die am letzten Wochen - abschnitt geschilderte imposante Trauerkundgebung (“dd zu Ehren unseres Stammvaters Jakob, gab der Redner in warmquellenden, herzergreifenden Worten trefflichen Ausdruck dem allgemeinen Schmerze über das allzufrüh erfolgte Hinscheiden des edlen Mannes, der gleich dem Patriarchen die Liebe, Hochachtung und Verehrung durch sein frommes Leben und Wirken, durch seine Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, durch seine strenge Rechtlichkeit und Charakterreinheit erworben hatte. Die nach Form und Inhalt ausgezeichnete Rede machte auf die zahlreiche Trauerversammlung einen gewaltigen Eindruck, kein Auge blieb thränenleer. Möge Gott den trauernden Hinterbliebenen Trost und Kraft verleihen, den schweren Verlust zu ertragen! „Der Gerechte bleibt zum ewigen Angedenken." p'iL rvrp oViy ->md. L. Mark. Friedland, 6. Jan. Bald nachdem die Festzeit verflossen, welche an die Thaten jener heldenhaften Männer erinnert, die ihr Herzblut für die Erhaltung der mosaischen Religion hingegeben, ereignete sich hier ein erwähnenswerther Vorfall, der von dem aufopfernden Muthe eines unserer Glaubensgenossen ein beredtes Zeugniß ablegt. Nach Veendigung des Morgeugottesdienstes in der Synagoge, betrat nämlich am 31. Dezember v. I. Herr Cantor Radilewsky die Brücke des nicht weit von dem Gotieshause gelegenen Mühlenteiches und vernahm einen dumpfen Klageton. Einen Moment späht er vergebens nach der Ursache dieses Jammergetönes. Endlich macht er die Wahrnehmung, daß ein dem Tode des Ertrinkens naher Knabe, der sich verzweiflungsvoll an das dünne Eis zu klammern suchte, den Hilferuf ausgestoßen hatte. Lärmschlagen und Leute herbeischaffen war seitens des Vorbeters das Werk eines Augenblickes. Aber von den vielen Anwesenden wollte keiner aus Fürsorge betreffs der Erhaltung des eigenen Lebens die nicht leicht auszuführende Rettung übernehmen, da man einzubrechen fürchtete. Da springt ohne langes Besinnen, der Gefahr für das eigene Leben nicht achtend, der Commis Max Krön heim, Angestellter der bekannten Firma Kraft und Lesser Hierselbst, mit einem langen Ttabe herbei, den er dem halberstarrten Kinde reichte. Der neunjährige Knabe (Christ) erfaßte den Stab krampfhaft fest und wird von dem jungen Menschen glücklich ans Land gezogen.