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Der Israelit · 1890-01-13 · Heft 4 (13.1.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 4 (13.1.1890)
Date
1890-01-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Beilage ju^4 des „Israelit“ & „Zeschurim“. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Karlsruhe, 80. Dez. Die Nachricht, die ich Ihnen hierdurch mitzutheilen mir erlaube, dürfte, wenngleich sie etwas verspätet kommt, dennoch die geehrten Leser Ihrer geschätzten Zeitschrift in hohem Grade interessiren. Im August v. I. fand hier eine internationale Bäckerei-Ausstellung statt. In derselben war Herr L. Straus von hier, durch verschiedene Brod- und Conditorwaaren, in hervorragender Weise vertreten. Ganz besonders aber fesselte er die zahlreichen Besucher durch die höchst gelungene Ausstellung seiner — Mazzaus-Bäckerei! Bor Aller Augen wurden die Mazzaus bereitet und gebacken, die von Herrn Straus construirten Mazzaus-Maschirren functionirten glänzend, so daß 18 Mazzaus per Pfund hergestellt wurden. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog von Baden, der die Ausstellung besuchte, zeichnete Hrn. St. durch längere, eingehende Erkundigung besonders aus und war von dem ganzen Arrangement sichtlich befriedigt. Herr St. erhielt demgemäß auch die ihm gebührende Anerkennung und zwar von dem löblichen Preisgerichte: den höchsten Preis, bestehend in einer kostbaren goldenen Medaille, und außerdem von der bad. Bäckerei-Genossenschaft 130 M. Diese hohe Auszeichnung des fleißigen, religiös zuverlässigen Herrn L. Straus ist fürwahr ein genügender Beweis dafür, daß der Jude auch auf dem Gebiete der Arbeit Hervorragendes zu leisten vermag. Dortmund, 6. Jan. In einer Sitzung des antisemitischen Wahlausschusses thetlte, wie in der „Rh. Wests. Ztg." zu lesen ist, ein Vertreter aus Bochum mit, daß er sich brieflich an Herrn Windthorst-Meppen gewandt, um von demselben zu erfahren, wie die Ultramontanen des Kreises Bochum sich zu der Kandidatur des Herrn Dr. König stellen würden, oder welchen anderen Kandidaten man in Aussicht genommen habe, für den eventuell auch die Antisemiten stimmen könnten, weil sonst die sozialdemokratische oder nationalliberale Partei in Bochum siegreich sein würde. Seine Excellenz habe! geantwortet, er kandidire für Meppen und nicht | für Bochum, eine Antwort, die keine Antwort sei, aber den Schluß zulasse, daß man von den Ultramontanen nichts zu erwarten habe. Montabaur, 6. Jan, In überaus glänzender Feier fand am 20. Dezember, am 3. Chanukatage die Einweihung unserer neuen Synagoge statt, deren Verlauf den vortrefflichen Anordnungen des aus dem Vorstande, den Herren M. Steinthal, Heim. L ö b und D. K a h n, bestehenden Festkomits's wohl berechtigten Dank und ungetheilte Anerkennung einbrachten. Die Einweihungsfeier war eine würdige und überaus glänzende, die ganze Stadt betheiligte sich in echter Toleranz, die Häuser prangten in Flaggenschmuck, als sich ein langer, wohlgeordneter Zug nicht nur aus Israeliten, sondern bet weitem mehr aus Beamten und Bürgern, ein Musikchor an der Spitze, von der alten Synagoge nach der neuen bewegte, welcher in Bezug auf die christliche Bevölkerung ein wahrer Kidusch-haschem gewesen. Kurz vor 2 Uhr trafen daselbst ein, der Königl. Landrath, Herr Geheimer Regierungsrath D o m b o i s, Hr. Gymnasial-Direktor Dr. W e r n e ck e, Herr Seminar-Direktor Dr. Bartholomae, Herr Pfarrer Weckerling, die Herren AmtsgerichtsrätheHeinzemann und Geisel, Bürgermeisterstellvertreter Herr Adam Cu st er und sämmtltche Gemeinderäthe. Punkt zwei Uhr setzte sich unter den Klängen der Musik der imposante Festzug in Bewegung; denselben eröffneten die schulpflichtigen Knaben und Mädchen der jüdischen Gemeinde. Nachdem der Zug vor dem Portale der neuen Synagoge angelangt war, erfolgte die feierliche Ueberreichung des Schlüssels durch den Bauführer, Herrn Bautechniker Brühl, an den Kgl. Landrath mit einer kurzen Ansprache. Herr Landrath Dombois nahm gleichfalls mit einer kurzen Ansprache den Schlüssel im Namen der Regierung entgegen, der gegen den Cultus-Borstand gewendet, mit dem Hinweis auf das Verdienst desselben um das Zustandekommen des Baues, das ihm zur großen Ehre gereiche, den Schlüssel dem Bezirksrabbiner Herrn Dr. Silberstein unter Anfügung des schönen Wunsches übergab, daß der nun vollendete neue Tempel, die Gemeinde zur Ehre Gottes stets in Frieden und Einigkeit versammeln möchte. Der Bezirks-Rabbiner Dr. Silberstein dankte

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