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Der Israelit · 1890-01-13 · Heft 4 (13.1.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 4 (13.1.1890)
Date
1890-01-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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54 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Boskowitz, 28. Dezember. Ueber Anregung unseres ehrwürdigen Rabbiners Reich wurde hier vor kurzer Zeit ein Frauen-Wohlthätigkeits-Verein gegründet. Derselbe hat schon jetzt seinen Wohlthätigkeitssinn bezeugt. Es wurden nämlich dieser Tage im Sitzungssaale der isr. Cultusgemeinde die armen Schulkinder mit Kleidern und Stiefeln betheilt, welchem feierlichen Akte unser k. k. Bezirks- Hauptmann Herr Graf Vetter von der Lilie, die Cultusvertretung, sowie ein großer Theil der Bevölkerung beiwohnte. Die Anrede des Herrn Rabbiner Reich, sowie die im Namen der Kinder von Herrn Lehrer Adolf Hatschek gesprochene Danksagung, wurden beifällig ausgenommen. PLpa, 2. Januar. Die Rabbinerwahl zu Frankfurt a. M. ist nunmehr erledigt; unserem hochverehrten Herrn Oberrabbiner Dr. Salomon Breuer wurde der dortige Rabbinatssitz übertragen, und er wird auch — wie wir dies von competenter Seite erfahren — dem ehrenvollen Rufe der Frankfurter Religionsgesellschaft Folge leisten. Dieses Factum, an sich so erfreulich, hat hier große Bestürzung hervorgerufen. Diese Verstimmung bietet das lebhafteste Zeugniß dafür, was Herr Oberrabbiner Dr. Breuer der hiesigen Gemeinde war. Sein vierzehnjähriges Dahiersein bildet eine Reihe ersprießlicher, segensreicher Thätigkeiten. Er hauchte Lebensgeist in unser Gemeindewesen, beseitigte viele Mißstände; mit seiner meisterhaften Beredtsamkeit richtete er Schwankende auf, flößte Muth und Ausharren den Gesetzestreuen ein, und wie viele Familien gewann er zurück für das echte, unverfälschte Judenthum! Unsere Normalschule, Talmud-Thora-Schule verdanken Herrn Dr. Breuer ihr Gedeihen und ihre jetzige Blüthe. Eine frequentirte Jeschibah hielt er bis heute aufrecht, eine wahrhafte Pflanzstätte der Thora, wo sie ihrer Würde nach auch gehegt und gepflegt wurde. Rach dem Gesagtem ist es kein Wunder, wenn jedes fühlende jüdische Herz hier blutet bei dem Gedanken, daß der Urheber und Leiter solcher Leistungen uns in Bälde für immer verläßt. Während der kurzen Zeit seines Hierseins blieb unser heißgeliebter Oberrabbiner auch von heftigen Kämpfen nicht verschont. Nur die Spanne Zeit von vier Jahren brauchen wir zurückzugreifen in die Geschichte unseres Gemeindelebens — welch ein trauriges Bild enthüllt sich unseren Augen! Da sehen wir die PLpaer Juden im Gewühle des hef- Ugsten Kampfes; der Bruder streitet gegen den Bruder, die Schwester spottet triumphirend der Schwester; der „moderne" Sohn erhebt frech die Hand gegen den alten, frommen Vater, die „gebildete" Tochter lächelt über die fromme Mutter! Es ist ein heftiger Kampf um die ererbte Religion; denn unsere „toleranten (!) aufgeklärten, modernen" Brüder verschworen sich gegen das alte Judenthum; sie hatten das Todesurtheil über unsere religiösen Institutionen und ehrwürdigen Gebräuche, mit der Begründung das Gemeindewesen vor Verjüdelung (!!) zu schützen, verkündet! .... Doch, wir wollen nicht den Schleier der Vergangenheit lüften. Kämpfen ist gemeinsames Loos der Großen, um sie, nach siegreich überstandenem Kampfe, nur noch größer erscheinen zu lassen, und der Sieg wurde Herrn Dr. Breuer in glänzender Weise zu Theil. Möge Herr Dr. Br. in seinem neuen Wirkungskreise die Liebe und das Entgegenkommen finden, die er bei uns zurückläßt. G. Löwy. Frankreich. Paris. Der vormalige Professor des Strafrechts an der Wiener Universität und Orientalischen Akademie, Regierungsrath Dr. S. Mayer, welcher bekanntlich Ende Oetober vorigen Jahres sein Lehramt niederlegte und nach Paris übersiedelte, hat sich nunmehr definitiv als Advocat für internationales Recht, insbesondere das österreichische, ungarische und deutsche Privatrecht installirt. Regierungsrath Dr. S. Mayer wurde in den Kreisen der wissenschaftlichen und legislativen Welt Frankreichs, der er seit vielen Jahren nahesteht, auf das auszetchnendste empfangen, und in der österreichischungarischen sowie in der deutschen Colonie bringt man dem Gelehrten die wärmsten Sympathien entgegen. Walt» n gen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Der Mann hielt sich nahezu überzeugt, daß die erregte Phantasie seiner Frau sie täusche, dennoch

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