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Der Israelit · 1890-01-13 · Heft 4 (13.1.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 4 (13.1.1890)
Date
1890-01-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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53 Einen solchen edlen, braven, echt jüdischfrommen Mann haben wir in Meier See Wald z>"z aus Babenhausen verloren. Wer hätte das Glück gehabt, ihn gekannt zu haben, ohne daß ihn jetzt, da er von uns g-eschieden, nicht erfaßte das Bild eines Mannes in der Geradheit seines Herzens, in der Treue seiner Gesinnungen, in dem pflichtbewußten Eifer seines Handelns und in dem unentwegten Eintreten für Alles, was nampn urron von uns fordert! Wie brav war er als Gatte, wie liebevoll und erziehungstüchtig als Vater, wie herzlich als Verwandter und wie treu als Freund! Meier Seewald war Kaufmann; er war im Kreise seiner Gemeinde der treueste Anwalt für Alles, was ->m »dis betraf. Er vertrat ihre heiligsten Anliegen nach Außen, sorgte für rva und mrrw, für Schule und ,-npv. Bereits in seinem ehemaligen Wohnort Frankfurt a. M. war er Mitglied der nn^o-Commisfion sowie eines der thätigsten Mitglieder der Kamp man und nachdem er vor mehr als zwanzig Jahren nach Babenhausen gezogen, verpflanzte er dorthin jenen Geist, den er von den Lippen eines Rabbi Samson Raphael Hirsch V'si abgelauscht hatte. Die mb, welche gestern stattfand, gestaltete sich zu einer ergreifenden und erhebenden Kundgebung, indem sie zunächst Zeugniß gab von der Liebe, die sich der Heimgegangene erworben, und sodann den Beweis lieferte, wie denn doch in vielen Kreisen der wahre Adel des Menschen, als in seiner sittlichen Größe liegend, erkannt wird. Biele Hunderte — Juden und Christen — waren herbeigeeilt, die Frankfurter man war durch 8 ihrer Mitglieder vertreten und trug auf ihren Schultern die theuere Bürde zu dem cnn rva. An seinem Grabe gab zunächst Herr Rabbiner B a mb erg e r von Aschaffenburg in seinem eigenen und im Namen des durch Unwohlsein verhinderten Herrn Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt dem allgemeinen Schmerze Ausdruck, indem er den Dahingeschiedenen mit omax verglich, der nox tw -ivn erfüllend, stets so milde dachte von allen Menschen, der in seiner Liebe zu allen Gottesgeschöpfen den treuesten Fürsprecher für seine Mitmenschen fand. Der Redner schilderte den Heimgegangenen als eifrigen Schüler der min, der sein Haus zum Muster hingestellt habe und in feinem Kreise alles Edle und Gottesfürchtige gefördert. Im Namen der Familie sprach sodann der Schwager des Verstorbenen, Herr Julius Hirsch aus Frankfurt a. M. und zeichnete mit bewegten Worten Meier Seewald ^7 als einen wahren rrnu, der immer in allen Lebenslagen nur seine Pflicht thun wollte, der stets njioxa nwi der nie ein unwahres Wort gesprochen, der immer aufs Neue aus den Quellen der mm trank und im Stillen — stets so selbstlos — croan noVn »t p’ino war. Er schilderte ihn als den Mann, der mao löipD und ermahnte die Gemeindegenoffen treuen Sinnes weiterzustreben, damit die Lücke ausgefüllt werde und die Denkmäler, die seine unermüdliche Thätigkeit errichtet, weiter wirken mögen min p»air6 Zuletzt ergriff Herr A. M. Schwarzschild von Frankfurt das Wort, um den treuen xnan- Genoffen zu geleiten, tut Namen aller seiner Collegen, mit denen der Heimgegangene sich, wenn auch räumlich entfernt, stets eins gewußt und gefühlt habe. Möge der Allgütige der so schwer getroffenen Gattin, die als echte nttw ihrem Manne stets treu zur Seite stand, Trost verleihen durch das Bewußtsein, einen solchen Mann besessen zu haben. Möge er auch die 6 braven, frommen Kinder zu dem Leben begeistern, dem ihr Vater sein Bestes stets geweiht, so wird Meier Seewald in seinen Hinterbliebenen fortleben und in Wahrheit nana^ wnai sein! Westerburg. Auch in unsere stille Berge hat der Antisemitismus leider seinen Einzug gehalten. ' Am 5. Januar d. I. erschienen im Oswald Fuchert'schen Lokale die Antisemiten Zimmermann "aus Dresden und Böckel aus Marburg, um ihren beklommenen Herzen in galligen Ergüssen gegen die Juden Luft zu machen. Etwa hundert und achtzig Zuhörer hatten sich im Saale niedergelassen, als Herr Zimmermann seine Rede begann. Wenn dieser Weltverbesserer es schon an Schmähungen gegen die Juden nicht fehlen ließ, so wurde Herr Dr. Böckel der Superlativ seines Vorredners, indem er in Verdächtigungen und Verleumdungen gegen die Juden sich selbst zu überbieten bestrebt war. Wir wollen seine fluchwürdigen Auseinandersetzungen hier nicht weiter verfolgen, sondern nur den Schluß seiner Rede skizziren, welche darin gipfelt, daß die Juden aller Ehre baar, Wucherer und Blutsauger seien, mit denen in Zukunft kein wahrer Christ Geschäfte machen möge. Es war der alte, schon häufig aufgewärmte Kohl, welcher hier den meist aus Neugier erschienenen Zuhörern zum ersten Male aufgetischt wurde, der aber Wenigen gemundet hat. Wir kennen unsere biederen Westerwälder zu genau, als daß wir zu befürchten hätten, die alte Eintracht zwischen den verschiedenen Confessionen könnte im Geringsten dadurch gestört werden. Die nächste Reichstagswahl wird zeigen, daß der Judenfeind Böckel in den Wind gesprochen.

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