Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1890)
- Date
- 1890-01-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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42 gen Lehrer?, des Rabbiners Jakob Kaufmann zu Lanphei m, verlobt und etablirte sich dcßhalb am hiesigen Orte. Damals herrschte noch der Zunftzwang, und Rabbi Wolf Stern mußte sich bei derHandlungsinnung zu Ulm einer kaufmännischen Prüfung unterziehen, die er glänzend bestand. Seinem Schwiegervater wurde er ein getreuer Gehilfe sowshl im Studium als auch in der Amtsführung. Zu jener Zeit suchte die sogenannte Reform das echte und unverfälschte Judenthum zu verdrängen. Auch in Laupheim gewannen die Reformer das Uebergewicht und brachten es dahin, daß der orthodoxe Rabbiner Jakob Kaufmann pensionirt wurde. Den Ausschreitungen der Reformer trat Rabbi Wolf Stern mit großer Energie entgegen und vielfach gelang es ihm, dieselben zu verhüten. Zugleich sorgte er für den religiösen Unterricht der Jugend, der von Seiten der dazu Berufenen arg vernachlässigt wurde. Er veranlaßte Herrn Hirsch Maier s. A. von hier zur Stiftung eines Eapitals, aus dessen Zinsen dieser Unterricht honorirt wird; auch hielt er an jedem Sabbat Vorträge im Talmud-Thorah-Verein. — Aeltere Leser des „Israelit" werden sich noch erinnern, mit welcher Schärfe der Verewigte dem unjüdischen Gebahren in unserem Orte stets entgcgentrat und wie vielfachen Anfeindungen er in Folge dessen ausgesetzt war. Er kämpfte jedoch niemals gegen Personen, sondern nur für die Sache. Er war trotz aller Polemik eine hochgeachtete und beliebte Persönlichkeit. Oft wurde er bei Streitigkeiten zuni Schiedsrichter erwählt, wozu ihn sein edler Charakter, sein scharfer Verstand und seine große Gesetzeskunde besonders befähigten. Bis in die letzten Wochen war er körperlich rüstig und geistig frisch; dann übermannte ihn die Altersschwäche, der er bald erliegen sollte. — Das Andenken des Gerechten sei gesegnet für alle Zeiten! Berlin, Ende Dccember. Freitag, den 20. d. M., Morgens 2 Uhr, rojm E qv verschied in seinem siebenundzwanzigsten Lebensjahre der in wissenschaftlichen und industriellen Kreisen hochangesehene und hervorragende Chemiker Dr. Aron Horwitz. Geboren am 5. August 1863 zu Trcmessen, Prov. Posen, als der zweite von sechs Söhnen, aus hochachtbarer Familie, stammt er von Seiten seines Vaters vom &mpn n'P&y her, von mütterlicher Seite aber ans der altbekannten Familie Mirels und zwar ist er ein Urenkel des berühmten Rabbi Aron Mirels, Verfasser des pnx rra ibd, eines Sohnes des ausgezeichneten Rabbi p n"D bekannt unter dem Namen ’3s oan. * Der Frühvollendete besuchte die Gymnasien zu Tremessen und Ostrowo, während welcher Zeit er neben den profanen Wissenschaften das Hebräische mit großem Eifer pflegte. Zu Ostern 1882 bezog er die Berliner Universität, um sich dem Studium der Mathematik und Chemie zu widmen. Im Mai 1886 promovirte er auf Grund einer Arbeit „Ueber die Melamine des Tolnidins" an der hiesigen Universität. Nach beendigtem Studium bereitete er sich ein Jahr für die technische Chemie vor und eröffnete Hierselbst sein Laboratorium für chemisch-technische Untersuchungen. Besonders beschäftigte er sich mit den Textilfasern, ihrer Mikroskopie, mit der Einwirkung der zu ihrer Verarbeitung und zur Veredelung der Gewebe dienenden Stoffe, sowie der Untersuchung aller für die Textil-Judustrie gebrauchten Materialien und dies um so mehr und mit erhöhtem Interesse, seitdem er im Juni 1888 mit der Leitung der chemischen Untersuchungs-Anstalt des Centralvereins der deutschen Wollenwaaren- Fabrikanten betraut wurde. Die Ergebnisse seiner Literatur- und experimentellen Studien sind zum Theil in vielen Aufsätzen bereits veröffentlicht, zum Theil gedachte er sie für spätere größere Arbeiten zu verwerthen. Die Vorarbeiten zu einem Werke „über die Abwässerfrage" und „über Wolle und Wollverarbeitung" sind beendigt, und gedachte er auf Grund derselben die Docenten-Laufbahn einzuschlagen. Der große schriftliche Nachlaß wird — nach fachmännischer Sichtung — zum Nutzen der Industrie veröffentlicht werden. Dem Verblichenen wurde für seine Forschungen auch die Anerkennung des .Königl. Preuß. Kriegsministeriums zu Theil und seine Vereidigung zum gerichtlichen Sachverständigen stand nahe bevor. In dem Dahingeschicdenen verliert die Wollenindustrie einen ihrer ersten Förderer, der ihr neue Bahnen gewiesen hat. Commercienrath Buchwald, Großenhain, beklagt als Vorsitzender des Centralvereins den frühen Tod mit folgenden Worten: „Der Verein verliert sehr viel; es dürfte ein solcher Mann, welcher in so unermüdlicher und aufopfernder Weise seinem Berufe oblag und speeiell dem Vereine zu nützen suchte, nicht wieder gefunden werden", und Commercienrath Spindler, Berlin, bedauert den Verlust den „die Textil-Judustrie" erlitten. Sein lebhaftes Interesse für die Industrie ließ ihn im vorigen Jahre auch im Verein der Berliner Lederhändler anregende Vortrüge halten. Der Lehrerschaft des Berliner Handwerkervereins angehörend, suchte er eine Freude darin, sein Wissen in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und fanden seine anziehenl den, populären Vorträge ans dem Gebiete der Chemie stets einen großen Zuhörerkreis.