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Der Israelit · 1890-01-09 · Heft 3 (9.1.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 3 (9.1.1890)
Date
1890-01-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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WMWMWW» »VI ■yiimiJ 43 Zierte nun den Verewigten wahre Wissenschaft, so ist besonders hervorzuhcben seine tiefe Religiosität, die er bis zum letzten Augenblicke streng bewahrte. Er war nie rat? 88nc trotzdem er dadurch scheinbar gehemmt war, denn er mußte während seiner Studienzeit häufig schon Freilag Bormittag die Arbeiten im Laboratorium bis Montag früh snspendiren. Als Chemiker des Central-BereinS der deutschen Wollwaaren-Fabrikantcn hatte er häufig Gelegenheit, in Telegirteu-Bersammluugen Borträge zu halten, und bei den sich anschließenden Festessen, sowie bei anderen Festtichttiten, zu denen er als Ehrengast geladen war, hat er nie unerlaubte Speisen genossen. Nie schämte er sich etwa der rituellen Vorschriften, so daß seine College» und Freunde immer sagten, der hat uns gezeigt, wie man hochgeachtet und doch Jude bleiben könne. Bei den llniversitätsprofessoren harte er deswegen in seiner Würde Nichts eiugebüßt. Er stand bis zuletzt im regsten Berkehr mit ihnen, und ihre Beileidsbezeugungen bei seinem Ableben haben dies deutlich dargethan. Am Sonntag wurde seine irdische Hülle auf dem jüdischen Friedhofe zu Weißensce beigesetzt. Tort erschienen neben einem großen Trauergefolge Deputationen des Ccutralvereins der deutschen Wollwaarenfabrikauten, des Berliner Handwertervereins, des Bcreins der Berliner Lcderintcrcssentcn, Redacteure der Fachjournale, zahlreiche Collegen und Großindustrielle, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Wissenschaft und Industrie verlieren eine hervorragende Kraft, seine Mitmenschen einen stets hilfberciteu, lauteren Alaun, seine tiefgebeugten Eltern und Brüder ihren Stolz und ihre Hoffnung und das Judenthum einen zwar stillen, aber stets für dessen Rechte einlretcnden Bertyeidiger. An der Bahre sprach Herr Rabbiner Dr. Ungerleider. Die Verdienste des Dr. Aron Horwitz hcrvorhebend, betonte er, daß auch der Urgroßvater desselben, der Verfasser des rra ied, den Namen Aron führte; der Urgroßvater gab im Jahre 1829 in Berlin als zehnte seiner Schriften das pns rva "ibd heraus, welches aus drei Theilen besteht und zwar 1) aus rvsn nns, 2) rvan ’jb und 8) rvan nmn. Merkwürdigerweise endete auch das Leben des berühmten Urgroßvaters frühzeitig. Derselbe wies in dem dritten Theile rvan min schon vor sechzig Jahren ans die Tiefe der Naturwissenschaften hin, denen sein allseitig verehrter Urenkel ut so vollendetem Maaße sich gewidmet hatte. Der letzte Bortrag deS so früh dahingeschicdenen Dr. Aron Horwitz im Berliner Handwerker- Verein vom 11. November er. „die Luft als Ernährerin und Erhalterin aller lebenden Wesen" wurde vom Vereine zum Besten des Kaiser-Friedrich- Waisensonds gedruckt. Leider mußte er selbst so frühzeitig schon die Lebenslust entbehren. d\"&n ihn npV ’s ujwi ritt ^nm. Er wandelte mit Gott und ward nicht mehr, denn Gott hatte ihn zu sich genommen, rrasun. Berlin In dem Prozeß wegen Beleidigung der Rechtsanwälte jüdischer Konfession hat die kgl. Staatsanwaltschaft gegen das am 24. v. Mts. gefällte Erkeuntniß des Schöffengerichts die Berufung eingelegt, weil nicht auch Verurteilung wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Dr. Sello erfolgt ist. Die Staatsanwaltschaft geht dabei von der Auffassung aus, daß der Jrrthum des Angeklagten über die Religion des Dr. Sello glcichgiltig ist, weil sich die iukriminirte schwerbeleidigende Aeußerung gerade auf die Person desselben bezieht, welche dem Angeklagten nach seiner bei der verantwortlichen Vernehmung gemachten eigenen Angabe sogar bekannt geworden war. Dr. Sello fungirte nämlich vor ca. 2 Jahren als Bertheidiger eines vor dem Schwurgericht zu Gera angeklagten jüdischen Kaufmanns, und zu dieser Session war der angeklagte Kügler als Geschworener einberufen. Somit galt der erhobene Borwurf dem damaligen Bertheidiger vor dein Geraer Schwurgericht. Daß dieser nun nicht, wie der Angeklagte irrthümlich angenommen hatte, der jüdischen Konfession ^«gehört, könne doch die dem Rechtsanwalt Dr. scllo zugedachte empfindliche Beleidigung nicht ungeschehen machen. — Wie wir hören, beabsichtigt auch der Angeklagte gegen das ergangene Unheil Berufung einzulegen, da er den Rechtsanwalt Mendelssohn nicht für legitimirt erachtet, den Strafantrag wegen Beleidigung einer großen Pcrsoneugemeinschaft zu stellen, um so weniger, als derselbe sich für seine Person nicht beleidigt gefühlt hat. Berlin, 6. Jan. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet, haben anläßlich der Erkrankung Einill Pascha's angcftellte En Hebungen ergeben, daß Emin arn 28. März 1840 als Sohn des Kaufmanns Lonis Schnitzer und dessen Frau Pauline geborene Schweitzer in Neisse geboren und bei der Dause am 7. April 1846 die Namen Eduard, Karl, Oskar, Theodor erhalten habe. Emin Pascha ivar demnach bereits sechs Jahre alt, als seine Eltern sich und ihren Sohn taufen ließen. Der Vater „Louis" hieß ursprünglich Löbel. Ob Emin Pascha später zum Mohamedanismus übergetreten ist — darüber ist nichts bekannt.

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