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Der Israelit · 1890-01-06 · Heft 2 (6.1.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 2 (6.1.1890)
Date
1890-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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27 gehalten unter dem Borwand, die Lage nicht zu verschlimmern. Als hierauf der Polizeipräsident und der Vorstand der Municipalität mit Bedeckung herangezogen, verschwand alsbald Abdallah Zeibac mit seiner Truppe. Die Rabbiner, die nach ihnen ausgegangen, wie auch die Flüchtlinge begleiteten sie. Als sie die Vewundeten sahen und den Bericht der Juden hörten, zeigten sie ihre volle Empörung, ließen die noch übrig gebliebenen Angreifer feftnehmen und versprachen den Juden, daß die Schuldigen bestraft werden sollten. Am nächsten Tage, 15. September, als der Oberrabbiner in Begleitung zweier Kollegen und eines Israeliten, der Mitglied des Appellhofes ist, sich nach der Polizei begab, um die Klage einzureichen, wurden sie festgcnommen; sie wurden von Gendarmen nach der alten Festung gebracht, die den Verbrechern als Gefängniß dient. Diese strenge Maßregel war infolge falscher Berichte genommen worden, die den Zusammenstoß als das Werk der Juden hinstellten. Es hieß, 5,000 bewaffnete Juden, mit Martinigewehrcn versehen, hätten das rechtsseitige Araberviertel angegriffen und einen der ihrigen in einer Moschee begraben. Die herbeigestnrzten Mohamedaner wären von den Juden zurückgeschlagen worden, die viele von ihnen verwundet und getödtet. Die Nachricht von der Festnahme des Rabbiners verbreitete sich schnell in fbcr Stadt. Die religiösen Oberhäupter einer Gemeinde ohne Untersuchung in dasselbe Gefängniß wie Sträflinge werfen, hieß so viel als diese der allgemeinen Verachtung preisgeben. Es wurden auch bald die traurigen Folgen dieser Handlungsweise constatirt. Ein Theil der muselmännischen Bevölkerung, im Glauben, daß von nun an Alles gegen die Juden erlaubt sei, warf sich über dieselben her und verfolgte sie wie Missethäter. Es war eine unbeschreibliche Panik unter den Israeliten von Bagdad. Die Läden wurden geschlossen, die Häuser verbarricadirt, man wagte cs nicht mehr, aus die Straße zu treten. Einige Häuser wurden trotzdem cingeäschert und geplündert, Vorübergehende wurden verwundet und geplündert am lichten Tage; die Situation wurde immer beorohlicher, eine Metzelei stand zu befürchten. Zum Glück eilte der Polizeichef mit einigen hundert Soldalten herbei und gab zu verstehen, daß die Juden noch unter deni Schutze des Gesetzes ständen. Trotzdem wurde die Haltung der Mohamcdaner inuner drohender, und die armen Juden blieben auch ferner die Zielscheibe unsäglicher Verfolgung. Sie wagten es nicht, ihren Beschäftigungen nachzugehen und hatten stets die Unruhen vom 15. September vor Augen. Bis zum 15. Oktober fährt man fort, Rabbiner und Notablen ins Gefängniß zu werfen auf Grund! derselben Anklage. Die Gendarmen nehmen die Juden sogar in der Synagoge fest, ohne ihnen Zeit zu lassen, ihre Gebete zu beendigen. So steben die Dinge auch heute noch, das heißt, es werden immer neue Leute festgenommen, man beschimpft die Juden, mißhandelt sie, ohne daß die Armen wüßten, warum und wo sie die Klage führen könnten. Zur Stunde sind 60 Rabbiner oder Notablen eingekerkert; sie hoffen stets, daß endlich in Kousiantinopel die Wahrheit zum Durchbruch kommt, und daß Se. Majestät der Sultan, welcher gleiches Wohlwollen zeigt für alle Bewohwohner des Reiches, ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen wird. Diese Vorgänge haben ihren Widerhall nach Außen gefunden. In Hilleh haben die Schiiten einen Juden fast in Stücken zerrissen, unter dem Vorwand, er habe ihre Religion beschimpft, anderseits verbreiten die Muselmänner von Bagdad das Gerücht, daß sich in der Nähe von Kerkuk die Kurden über die Juden geworfen und einige von ihnen gemordet hätten; dies alles hält eine sehr gefährliche Agitation gegen die Juden aufrecht; dennoch bilden dieselben das Haupt - Element der Entwickelung in jenen Gegenden. Neunzehntel des Handels liegt in ihren Händen. Sie verwerthen die Landesproduktc durch Versenden nach dem Ausland. Der Steuerertrag warfast auf nichts reduzirt, in Folge der Abwesenheit der Juden. Sie zahlen die Stenern sehr regelmäßig und tragen bedeutend zum Emporblühen jdes Reiches bei. Warum sie als Parias behandeln? Das Central-Comittz hat seinerseits erfahren, daß die meisten der Festgenommenen am 28. October in Folge eines aus Eonstautinopel gekommenen Befehls unter Caution auf freien Fuß gesetzt wurden, daß sie jedoch noch unter dem Druck der gegen sie erhobenen Anklage stehen, und daß die darauf hin in etwas gebesserte Lage der Israeliten noch immer Gefahren bietet. Endlich meldet in den letzten Tagen des November die offizielle Zeitung von Eonstautinopel, daß der Vali von Bagdad, auf kaiserlichen Befehl nach Adana ersetzt wurde. Wenn S. M. der Sultan und seine Minister, deren Gerechtigkeitsgesinnungen bekannt sind, so bald den Israeliten von Bagdad Gerechtigkeit widerfahren lassen konnten, so schuldet man dies zumeist mehreren mohameda-

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