Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-01-06 · Heft 2 (6.1.1890) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 2 (6.1.1890)
Date
1890-01-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448027--29290-2477014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 nischen Beamten und Notablen zu Bagdad, die wahre Berichte nach Conftantinopel sandten und die Märchen zerstörten, wonach alles Unrecht bei den Juden läge, die zuerst die Mohamcdaner angegriffen hätten. Das Märchen ist so weit entwickelt und verbreitet worden, daß man sich in Moffoul bereits erzählte, daß die Inden von Bagdad, bei bcm Begräbniß eines andern Gläubigen, dasselbe gestört hätte», und inmitten der Unruhen einen türkischen Soldaten lebendig in das Grab geworfen und verschüttet hätten. Schreiber dieses hat einen Brief auS Moffoul gelesen, in welchem die Thatsachen ganz ernstlich erwähnt werden. Briefe aus Bagdad sprechen von der vorzüglichen Haltung, die diese ganze Zeit hindurch der Bali von Bassorah, Hydayet Pascha, wie auch der Mutessarif von Kerkouk, Mahdi Pascha, bewahrt, deren Festigkeit und Wohlwollen die Juden ihres Refforts vor jedem Angriff geschützt. Paris. Eine große Anzahl Leidtragender, darunter fast alle hiesigen Rabbiner, die Vertreter des CorisistoriumS und der Verwaltung erfüllte vergangenen Sonntag die letzten Pflichten einem frommen Israeliten, Herrn Durlacher, der religiöse Funktionen in der Gemeinde verrichtet und das französische Jndenthum mit liturgischen Veröffentlichungen von wirklichem Interesse bereichert hatte. Herr E. Durlacher, der im Alter von'72 Jahren gestorben, war aus Karlsruhe gebürtig^ Nachdem er vor fast einem halben Jahrhundert nach Paris gekommen war, hatte er sich daselbst als Sprachlehrer niedergelassen; hierauf, nachdem er die Tochter des Marchand-Ennery, des verehrten Oberrabbiners von Frankreich, geheirathet, eröffnete er eine hebräische Buchhandlung. Er beschränkte sich nicht darauf Bücher zu verkaufen und herauszugeben; er verfaßte auch solche selbst und füllte wichtige Lücken in der liturgischen Literatur aus. Man verdankt ihm namentlich die Uebersetzung der „Gebete der großen Feste", deren Veröffentlichung beim Publikum großen Anklang fand, einen israelitischen Kalender und ein tägliches Ritual rc. rc. Herr Durlacher war zu gleicher Zeit eine Reihe von Jahren Delegirter beim religiösen Dienste der Beerdigungen. Mit einer angenehmen Stimme begabt, hat er die Funktionen des Gottesdienstes in dem Beisaale, den die Familie v. Rothschild in der Lastttestraße besitzt, verrichtet. Herr Durlacher, welcher stets ein arbeitsamer Mann war, hinterläßt seinem ältesten Sohne, den er vor Kurzem als Theilhaber in sein Geschäft ausgenommen hatte, eine gute Buchhandlung. Sein zweiter Sohn ist einer unserer ausgezeichnetsten Vorsänger im Tempel des Turnelles. Der Verstorbene hinterläßt den Ruf eines recht frommen Mannes. Paris. Am 1. Januar sind cs fünfzig Jahre, daß die Zeitschrift „Archives Jsraelites" ins Leben gerufen worden ist. Ihr Begründer war Herr S amuel Ca h en; anfänglich erschien sie als Monatsschrift, später alle vierzehn Tage und seit mehreren Jahren als Wochenschrift. Nach dem Tode des Begründers übernahm dessen Sohn, Herr Isidore Cahen, die Redaction, der dieselbe mit derselben Geschicklichkeit und Umsicht wie sein Vater leitet. Wir wünschen den „Archives Jsr." weiteres Gedeihen und gute Erfolge. Deutschland. Düsseldorf. Der Präsident der Regierung in Düsseldorf hat unter dem 4. November v. I. für den Bezirk derselben eine Polizciverordnung, betr. Verfahren beim Schlachten, erlassen, in welche die durch Verfügung der Ministerien des Kultus und des Innern vom 14. Januar v. I. behufs Vermeidung unnöthiger Thierquälereien bei der jüdischen Methode des Viehschlachtens (Schächten) zur allgemeinen Durchführung nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse empfohlenen Bestimmungen aufgenommen und Zuwiderhandlungen dagegen unter Strafe gestellt sind. Die gedachte Verordnung ist durch Erlaß der genannten Ministerien den übrigen Regierungen zur Kenntnißnahme mitgetheilt worden. Wochen - Kalender. Freitag, 10. Jan., 18. Tebet. Samstag, 11. Jan., 19. Tebet mDltf Sabbat-Ausgang 5 Uhr 10 Min. (Mainzer Uhr). „Zeitschrift zur Bekämpfung des Antisemitismus." Soeben wurde das sechste Heft dieser Zeitschrift, welche mit Energie dem wüsten Treiben entgegentritt, ausgegeben und zur Pränumeration (per 2 Mark) für die 2. Serie (7.—12. Heft) eingeladen; die erschienenen ersten sechs Hefte werden für 1 Mark, soweit der Dorrath reicht, nachgeliefert. Zuschriften sind an die Redacttion in Linz ci. D., Landstraße Nr. 7, zu richten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.