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Der Israelit · 1890-01-06 · Heft 2 (6.1.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 2 (6.1.1890)
Date
1890-01-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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21 und des Zieles gewärtig zu bleiben, das er längst verheißen; sich nicht beirren zu lassen von dem Wahn der Brüder und dem Verderben, das immer wieder und wieder hereinznbrechcn droht. wQrw irwn „Neiget euer Ohr und begreifet Nieine Nede, merket sorgsam ans und verstehet Meine Verheißung: nvn Alles in einem Tage'^ Der Ackerer muß Pflügen für die Aussaat, muß erst Furchen erschließen und den Acker düngen. Hat er dann dessen Flüche eben gemacht, dann streut er das Gurkenkraut umher und wirft den Kümmel, den Weizen aber fetzt er in Neihen und die Gerste an vorgezeichneten Ort und den SpelS in umgrenztes Beet. — So erzieht Gott den, den Gr belehren will, zum Rechten. Denn nicht mit der Treschwalze wird das Gnrkenkranr gedroschen, des Wagen Nad nicht über den Kümmel geführt, mit dem Stocke wird das Gurkenkraut ansgeschlagen und Ztümmel mit dem Stabe, Brodkorn aber wird zermalmt! Nicht unaufhörlich aber wird es aber gedroschen — cs lärmt das Nad der Drcschwalze und des Getriebes, die letzte Verfeinerung bringen sie ihm aber doch nicht. So ist es auch, was vom Herrn der Heerscharen ansgeht. Wunderbar ist Sein Plan, größer aber noch die Voltführung!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die osficiöfe „Montags-Revue" schreibt: „Tie „Wiener Zeitung" vorn 21. d. Nt. brachte mitten unter ihren officiellen Mitthciluugen eine größere Liste von beförderten Richtern für den Sprengel des Wiener Oberlandesgerichtes. Unter den nerlernannten sind vier Juden. Drei Bezirksrichter rvurden zu Gerichtsadjuneten bei dem Wiener Landesgerichte, ein Gerichtsadjunet dieses Landgerichtes zum Nathsseereiär desselben ernannt. LH ist der erste Ralhsfeeretär irr Oesterreich. Selbstverständlich ist das Apancenrent nur auf Grund ausgezeichneter Qnalisieation ersolgt, deren sich alle Beförderten erfreuen. „Unter normalen Verhältnissen wäre keine Veranlassung vorhanden, in besonderer Weise von der amtlichen Mittheilnng der „Wiener Zeitung" Notiz zu nehmen, obwohl die österreichischen Staatsbürger israelitischer Gonfession immerhin eine gewisse Genngthunng darüber empfinden mögen, daß ihnen die Garriere im Justizdienste auch über den Gerichtsadjuncten hinaus erschlossen ist. Die Staatsgrundgesetze haben das schon vor zweinndzwanzig Jahren | verfügt und Graf Schönborn hat nichts anderes | gethan, als denselben entsprochen. * „Auch die schmachvolle antisemitische Bewegung würde uns nicht veranlaßt haben, ihren Jammermenschen einen gerechten österreichischen Minister gegenüberzustellen; es wäre dies eine Beleidigung schon zu der Zeit gewesen, als dieses Mißgebilde menschlicher Gesinnung sich noch in einem mäßig reinlichen Gewände präseniirte. Jetzt aber, wo der Antisemitismus von einer Gosse in die andere fällt und mit allem Eckel solchen Aufenthaltes beladen, nur mehr wie ein Schnapstrnnkeuer durch die Straßen torkelt, jetzt wüßte inan auf die eigene Anstängigkeit verzichtet haben, wenn man sich oder einen Anderen, utid wäre es der Letzte, mit den Gcobrfcigteu und Geprügelten, mit den durch den schmählichsten Schimpf Gekennzeichneten und Stigmatisirlcn auch nur in die entfernteste Verbindung brächte. Der Antisemitismus hat seinen betrügerischen Bankerott gemacht, man möchte nicht einmal mehr als Zeuge gegen ihn aufgerufen werden. „Politische Motive bestimmen uns das Thema zu berühren, wir erblicken in diesem jüdischen Rathssccrctär ein bedeutungsvolles Pendant zu der Erklärung des Grasen Taaffe, daß die Regierung die ruhige Eutwicklnug der Verfassung als ihre wichtigste Aufgabe betrachte. In der Verfassung steift, wie schon erwähnt, die volle Gleichberechtigung aller Gousessionen für die Staatsämter. Allein sie ist nicht immer zur Geltung gekommen, nicht einmal unter den dentsch-liberalcn Ministerien, denn es cxistirt erst jetzt der erste jüdische Rathssecretär und speziell in der Justiz hat man den Juden durch eine geraume Zeit den Wink gegeben, daß sie im Falle ihrer Gonversion viel leichter vorwärts kommen würden. Daß Graf Schönborn die Verfassung auch in diesem Punkte zur Geltung gebracht hat, ist eine für den Fortschritt und die Aufklärung viel bedcutungsvollcre Thalsache, als die schönsten Reden der Opposition, die zu solchen Thatcn nicht immer den Muth gehabt hat, selbst wenn sich ihr die Gelegenheit dazu bot. „Und min ist es gar Gras Schönborn, der die Ernennung vollzog, derselbe Gras Schönborn, den -wem einst nicht nachdrücklich genug als den erzclericalen und feudalen Wanwan zu schildern vcrinochte. Die Aaschaunngen über den gegenwärtigen Justizminister haben sich freilich schon längst und gründlich geändert. Die Deutschen find ihm nahegetreten, sie fürchten ihn nicht mehr, er erfreut sich sogar ihres Wohlwollens. Sein Talent, fehl Wissen, fein Sinn für rücksichtslose Gerechtigkeit, sein Eharacter haben diese Wandlung der Gesinnung hervorgebracht. Wir werden einen solchen Umschlag

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