Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1890)
- Date
- 1890-01-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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20 m»D, „der Muttermilch entwöhnt, können der Mutterbrust entrathen." Was soll uns das alte Judenthum mit seinen kleinlichen Anordnungen und Vorschriften, die den Fortschritt hemmen. Formen, nichts als Formen und die Formen sind veraltet. Wir bedürfen einer reinen religiösen Uebung. Was abgestorben ist, gehört dem Grabe an, wir bewahren uns das Lebensfähige und Zeitgemäße und sind damit die echten und rechten Nachfolger der Propheten und Weisen grauer Vorzeit, die für ihre Zeit dasjenige schufen, was der damaligen Culturstufe angemessen gewesen. Seht doch nur das alte Judenthum an: pV ip ist. „Das eine Gebot ist nur um des andern willen, eine Vorschrift wegen der andern da, Kleinliches hier, Kleinliches dort!" Das war Alles gut für unsere einfältigen, ungebildeten Groß- und Urgroßväter, für uns, für unsere Zeit, paßt es aber nicht, im Gegentheil, es ist vom Nebel, es hindert auf Schritt und Tritt und bewirkt, daß noch immer nicht dasalte sich gegen die Juden kehrende Vorurtheil überwunden werden konnte. Die Lehrer und Rabbiner dieser „Trunkenen Ephraims" haben ebensowenig Verständniß wie das Volk und lehren eine falche Wissenschaft und predigen eine falsche Doktrin. So ist es denn gekommen, daß das Wort der Wahrheit, der alten göttlichen Wahrheit des Judenthums, ihnen wie Hohn und Spott, wie die Reden eines Verrückten klingt. „Denn als ob mit spottender Lippe oder in fremder Zunge würde Der zu diesem Volke sprechen, der ihnen sagen wollte: gerade dieses ist die Ruhe, gewährt sie doch dem Ermatteten, gerade dieses ist die Herzenserquickuug — sie würden gar nicht hören wollen, weil ihnen aber das Wort Gottes nur als ein Gebot um des andern, als eine Vorschrift um einer andern willen, als Kleinlichkeit hier und Kleinlichkeit dort gilt, damit sie auf ihrer Bahn straucheln und zurückschreiten , zu Schaden kommen, verstrickt und aufgehalten werden!" Denjenigen, die sich nicht bethören lassen wollen, sondern dem alten Judenthum treu bleiben, antworten diese Trunkenen und ihre Führer: Thoren ihr, die ihr in dem Judenthum mit seinen unzähligen Satzungen noch das Heil zu erblicken wagt, die ihr noch so beschränkt seid, in der ängstlichen Beobachtung aller dieser Vorschriften eures Lebens Aufgabe erkennt, die ihr in diesem Gesetze das Ziel gesteckt wähnt, welchem die Menschlich entgegengeführt wird, daß sie darin Ruhe und Herzenserhebung dereinst findet, — Thoren ihr! Also dünkt ihnen eitel Narrethei oder Spott und Hohn das Wort der Wahrheit und der alten jüdischen Treue, und sie vermeinen, in dem Abfall das Mittel gefunden zu haben, sich zu schützen vor dem Unwetter, das über die Juden hereinzubrechen droht, glauben in diesem an dem Heiligsten geübten Verrath das Heil der Zukunft sicher verbürgt. 'n im pb, „Darum," so lautet das Wort Gottes an diese Ihn verleugnenden Trunkenen, „ihr redegewandten Männer, höret das Wort Gottes, ihr Prediger dieses Volkes, das in Jeruscholajini wurzeln sollte! Wenn ihr sprecht: wir haben mit dem Tode ein Vünduiß geschlossen und mit dem Grabe einen weit vorsehenden Vertrag, so daß die kommende fortschwemmende Fluth nicht uns trifft, weil wir in den Trug unsere Zuversicht gesetzt und uns iu der Lüge geborgen haben,-so hat demgegenüber also Gott der Herr gesprochen: Ich bin es, der in Zion einen Grundstein gelegt, einen Stein, der die Probe aushält, einen köstlichen Eckstein fest gegründeten Grundes; der zuversichtlich Vertrauende übereilt nichts. — Ich mache das Recht zur Richtschnur und die Liebe zum Maßloth — ein Hagelwetter zerstört des Truges Wehr, die Gewässer spülen den Damm hinweg. Der von euch mit dem Tode geschlossene Pakt ist nichtig, euer vorsichtiger Traktat mit dem Grabe wird nicht Stand halten; wenn die fortschwemmende Fluth kommt, so werdet gerade ihr der gänzlichen Vernichtung auheimfallen. Kaum naht sie, so erfaßt sie euch — an jeglichem Morgen bricht sie herein, bei Tag und bei Nacht; — würdet ihr die Botschaft verstehen, es wäre nur Entsetzen! Denn das Lager (das ihr euch bereitet) ist zu kurz, um sich auszustrecken, und die Decke zu eng, um sich darin zu hüllen. Denn Gott wird hinaustreten wie ein plötzlich emporsteigender Berg, dann wird es beben wie das Thal in Gibeon*); — Gottes Werk zu vollbringen (maßt ihr euch an)? fremd ist euch Sein Werk! Seinen Dienst zu vollbringend fremd ist euch Sein Dienst!-Und nun lasset das Gespött, daß nicht eure Züchtigungen noch härter werden, denn Verderben, schnell hereinbrechend, habe ich von Gott dem Herrn der Heerscharen über die ganze Erde vernommen!" Das ist die Rede Gottes an die Trunkenen, welche „Weh!" ruft über die Wahubethörten. „Weh! dem stolzen Kranzeder Trunkenen Ephraims, welk ist die Blüthe der Pracht seiner Herrlichkeit, die Ersten des Erdenheils sollten sie sein und sind vom Weinrausch umnebelt. Seht, nur der Starke und Feste ist Gottes." Zu den Getreuen aber spricht Gott das Wort der Mahnung ruhig auszuharren in Seinem Dienste *) S. Josua Kap. >0.