Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1890)
- Date
- 1890-01-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Festpredigt, die allen Zuhörern lange im Gedächtnis; bleiben wird. Psalm 150, vom Chor gesungen, bildete den Schluß der erhebenden Feier. Im Saale der „Oelmnhle" begrüßte sodann der Vorsitzende bco Vereinsvorstandcs, Herr Jacob Fürst die Gäste aufs herzlichste. Es waren Deputationen der Schwestervereine ans Köln, Mülheim (Rhein), Rnhrort und Lechenich erschienen. Zahlreiche Telegramme und Glückwnnschadressen trafen ein, die bei der Tafel zur Verlesung gelangten. Den Neigen der Toaste eröffnete Herr Öberrabbiner Dr. Horowitz mit einem Hoch ans den Kaiser. Ans Raw Scheschet hinweisend, der als Blinder das Naben des Königs vor den Sehenden wahrnahm, führte er ans, daß von jeher uns die Liebe zu Fürst und Vaterland eine religiöse Pflicht gewesen sei, selbst zur Zeit des Druckes und der Verfolgung. Bei uns sei diese Pflicht um so mehr Herzenssache geworden, da wir uns der Gleichberechtigung vor dem Gesetze nub des „königlichen Schlitzes" erfreuen. Begeistert fiel die Festversammlnng in das dem Kaiser dargebrachte Hoch ein und sang stehend die Nationalhymne, während auf der Bühne die geschmückte Kaiser-Büste, in bengalischem Lichte strahlend, sichtbar wurde. Das Festessen gewürzt durch ,-.wn nm, hnmoristische^Ncdcn und Concert, wurde durch das versteigerte. Tischgebet geschlossen. Nach Verrichtung des -Gebetes zündeten die versammelten Festgäste die an einer Pyramide angebrachten mehrere Hundert Ehanuka-Kerzen an. Der Erlös für die .Kerzen wurde bestimmt zum Bestender Waisenhäuser zu Dinslaken und Paderborn. Die man hat sich ein Denkmal gesetzt, indem sie das verfügbare Kapital zum Anfang einer Stiftung hergab, die den Namen „rta ncurn" tragen soll. Es fanden bereits erhebliche Zeichnungen statt, so daß Hoffnung vorhanden ist, diese Stiftung zur Ausstattung armer Bräute, im folgenden Jahre schon in Wirksamkeit treten lassen zu können. Von Dr. Horowitz wurde eine Festschrift des Vereins p"n verfaßt, die zugleich ein Beitrag zur Geschichte der isr. Gemeinde Erefeld und die zum Besten der Chewra käuflich zu haben ist. M. S . . . .nn in L—ch. Oberdorf bei Bopfingen. Nachdem vor etwa 7 Jahren die D'trn man und □'bin Yp'a man ihre 100jährige Jubelfeier abgehalteu hatten, beging die 3. der hier bestehenden religiösen Bruderschaften Q’nyjn rnan^daS Fest ihres 100jährigen Bestandes durch eine feierliche nryo am Abend naion muri. > Einer gelungenen Ansprache des waj, Herrn H. L. - Nosenberger folgten Reden des Herrn Rabbiner j Grün, sowie noch weitere Toaste. Von den bei dem -pasp *d in die Kasse der 'nan gegebenen Spenden wurde laut einstimmigen Beschlusses der Mitglieder ein Betrag von — 30 M. — für die Kranken aann □,irnY p"ny gewidmet und so in würdiger Art das Wort der h. Schrift in Erfüllung gebracht: : Tinow trm by Q’V&m* rx nbyx *b> ox Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien Nicht einmal ein Wachmann ist mehr vor antisemitischen „Angriffen" sicher. Als der Privatier Franz Türker Ende vorigen Monats mit mehreren Freunden durch die Schönbrunnerstraße ging, konnte er nicht umhin, über das „orientalische Gesicht" eines Wachmannes, der ihnen enrgegenkam, einige höhnische Bemerkungen zu machen, die mit einem nicht wiederzngcbenden Schimpfwort gegen den Wachmann endeten. Der ganz ohne Veranlassung angegriffene Wachmann, der übrigens Christ ist, erstattete gegen Türker eine Anzeige wegen Wachebeleidigung, wcßhalb sich dieser heute vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Fünfhaus zu verantworten hatte. Der als Zeuge vernommene Sicherheitswachmann erklärte, er Hütte die Bemerkungen über sein angeblich „orientalisches" Gesicht nicht weiter beachtet — obzwar auch dies schon eine Verspottung involvire — und er habe die Anzeige blos wegen des ihm zugeschleuderten Schimpf- Wortes erstattet. Der Angeklagte rechtfertigte sich dahin, er sei damals „sehr erhitzt" aus einer Versammlung von Gesinnungsgenossen gekommen. — Richter: Wollen Sie damit sagen, daß Sie angeheitert gewesen? — Angckl.: Das nicht, aber ich war aufgeregt durch die Reden. — Richter: Eine solche Aufregung mag in der Versammlung gerechtfertigt gewesen sein. Aber auf der Straße, einem Wachmanne gegenüber, war für Ltte zu einer Aufregung keine Veranlassung vorhanden. — Angektt: Ich bin nun einmal Antisemit. — Richter: Es stellt Sie Niemand wegen Ihrer Gesinnung zur Rede, jedoch ist es sehr merkwürdig, wenn Sie dieselbe einem Wachmanne gegenüber zuni Ausdrucke bringen, und gar nicht zu rechtfertigen ist es, wenn Sie dabei den Wachmann beleidigen, weil Ihnen sein Gesicht — nicht zu Gesichte steht. — Aus der Anssage des Wachmannes geht weiters hervor, daß der Angeklagte zu seinen Begleitern die Aeußerung machte, er geruthe in die höchste Aufregung, wenn er ein jüdisches Gesicht sehe. - Richter Fzum Angeklagten) : Sie sehen, daß man sich auch irren