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Der Israelit · 1890-01-02 · Heft 1 (2.1.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 1 (2.1.1890)
Date
1890-01-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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12 kann! Ich würde Ihnen schon angelegentlichst empfehlen, in Hinkunft, wenn Sie sich schon über ein Gesicht ärgern, diesem Aerger nicht in Worten Ausdruck zu geben. — Das Urtheil lautete auf vierundzwanzig Stunden Arrests. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Im großen Saale des Mädchen- Waisenhauses des Pesther israelitischen Frauenvereins wurde heute Nachmittags das ChanukalpFest begangen. Aus diesem Anlasse hatte sich ein überaus zahlreiches und deftinguirtcs Publikum, ferner die gesammte Vereinsleitung eingcfunden. Die 100 Waisenmädchen, von denen 45 dem Waisenasyl angehören, boten einen herzerhebenden Anblick. Nach Verrichtung des Abendgebetes folgte das Anzünden der Chanukah-Lichter und sodann der stimmungsvolle Gesang der Kinder. Nachdem noch ein Mädchen im Namen seiner Mitschülerinnen für die vielen Wohlthaten, die sie empfangen und für die liebevolle Pflege, welche ihnen, den armen Waisenkindern, zu Theil wird, den Dank gesagt, wurden die Kinder zu den mit Liebesgaben reichbeladenen Tischen geführt und eine opulente Jause beschloß das schöne Fest. An der vierklassigen Knabenschule der hiesigen aut. orth. isr. Gemeinde fand heute Vormittags 10 Uhr unter großer Letheiligung die Bekleidung von armen Schulkindern statt. Schulprüses Advokat Herr Dr. Wilhelm Totis richtete an die Kinder eine schwungvolle Ansprache, in welcher er sie ermahnte, treue Anhänger des Vaterlandes und der Religion zu sein. Auch SchulkoniMissions- Mitglied Herr A. I. Strauß hielt eine Rede, die mit großem Beifall aufgenommen wurde. Budapest. Ju einem Scheidungsprozesse, welcher derzeit vor dem Budapester königlichen Gerichtshöfe in Zivilsachen abgeschlossen wurde, kam der nicht alltägliche Fall vor, daß die eine Partei zunächst nicht wußte, welcher Religion sie angehöre. Dann aber wollte dieser Streittheil nicht jene Konfession anerkennen, zu der er factisch gehört. Der Postamtsdiener Alexander E. und dessen Gattin, geborene Antonie S., wollten ihre nach jüdischem Ritus geschlossene Ehe gerichtlich lösen, wcßhalb sie die Scheidung auf Grund unüberwindlicher Abneigung verlangten. Im Laufe des Verfahrens stellte sich in Folge der Fragen des Richters heraus, daß der Gatte, der sich für einen Israeliten ausgab, der fortwährend jüdische Bethäuser besuchte und im Jahre 1871 in Kenese von dem Rabbiner sich trauen ließ, dennoch kein Jude, sondern römisch-katholischer Konfession sei. Er wurde nämlich als umherirrendcr Waisenknabe von Christen in Pflege genommen, getauft und erzogen. Bis zum Tode seiner Pflegeeltern lebte E. in dieser Religion, dann aber begann er plötzlich in die Synagoge zu gehen und sich im Amte und überall, wo er verkehrte, für einen Juden auszugeben. Als ihn der Richter darauf aufmerksam machte, daß er — E. nämlich — katholischer Konfession sei, erklärte er, er wolle von einer anderen Religion als der jüdischen nichts wissen, da er in dieser Religion geboren sei. Aus den beschafften amtlichen Daten ging jedoch hervor, daß E. als Christ gelaust wurde, wcßhalb denn auch das Gericht die Ehegatten nicht schied, sondern die Ehe einfach für ungültig erklärte, da nach unseren heimischen Gesetzen zwischen Inden und Christen keine Ehe geschlossen werden kann. Der klägerische Gatte wollte sich zwar selbst seiner Ehehälfte entledigen, doch gab er sich trotzdem mit dem Urtheile nicht zufrieden, sondern appelirte dagegen, da er gegen seinen Willen für einen Christen deklarirt worden sei. Ein Uebertritt von der christlichen Konfession zur jüdischen ist bekanntlich nach unseren Gesetzen unzulässig. England. London, 17. Dezember. Gestern Abend fand eine erhebende Feierlichkeit bei Gelegenheit der Eröffnung der „S u pp e n a n st a l t (Soup Litedeu) für jüdische A r m e" statt. Auf Ersuchen des Präsidenten, Herrn Alfred Cohen, hatte sich der Lord-Mayor, Sir Henry Jsaacs, bereit erklärt die Eröffnungsceremonie vorzunehmen. Zu diesem Zwecke hatte sich derselbe in offizieller Weise, begleitet von seinem Sheriff, (Alderman Knill), im Staatswagen und Staatskleidnng in das Lokal der genannten Anstalt (Fashion Street, Spitalfields) begeben, woselbst eine große Volksmenge diesem Aufzuge beiwohnte. Ehe der Lord-Mayor die übliche Ceremonie bei Vertheilung der Suppe und des Brodes, von welchen er selbst etwas kostete, vollzog, bedeckte er das Haupt und sprach laut und vernehmlich den hebräischen Segensspruch: N’snön pNn id Oli>. Bei den darauffolgenden Ansprachen bemerkte der delegirte Chief-Rabbi, Dr. Hermann Adler, daß bereits derartige Wohlthätigkeitsanstalten zur talmudischen Zeit unter dem Namen 'mvn üblich waren, also tief im Judenthum begründet seien. Monsieur Isidor L o e b, Secretair der Alliance Jsraelite Universelle in Paris, welcher zufällig hier weilte und der Festlichkeit anwohnte, drückte in französischer Sprache den tiefen Eindruck aus, den es

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