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Der Israelit · 1890-01-02 · Heft 1 (2.1.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 1 (2.1.1890)
Date
1890-01-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 Herzen und aufrichtiger Dankbarkeit gegen den himmlischen Vater habe ich das heilige Werk der Grundsteinlegung zu dem Gotteshause der Gemeinde Zichron Ephraim vollbracht, und mit inniger Andacht erhebe ich meine Hände zu Gott in dem Gebete D’pS* rva n\T naso 'rwr? uw nx*n pro. Dieser Stein, den ich zum Denkmal niedergelegt, möge ein Gotteshaus werden! Wohl zweifle ich nicht daran, daß unter göttlichem Beistände diese unvollendeten Mauern in kurzer Zeit sich zu einer prachtvollen Synagoge entfalten werden, denn ein Werk, welches von solch' ausgezeichneten gottesfürchtigen und opferwilligen Männern unterstützt wird, wie die Mitglieder der Gemeinde Zichron Ephraim und deren zahlreiche Gönner, muß und wirb gelingen. Was ich aber von dem Allmächtigen erflehe, ist, daß es ein wirkliches D'p^N rva, ein Gotteshaus in wahrem Sinne des Wortes werde und ewig bleiben möge, ein Gotteshaus, wie es von jeher mein Ideal war! Ein Gotteshaus, in welchem das wahre, alte Judenthum, wie es auf dem Berge Sinai unfern Vorfahren geoffenbart worden und wie es von meinem seligen Vater, dessen Andenken von mir und meinen Geschwistern stets hoch und heilig gehalten und dessen Namen von dieser Gemeinde verewigt worden, geübt wurde — eine Heimstätte finden solle, in welchem aber auch der Fortschritt der neuen Zeit, Anstand, Ruhe, Ordnung und Eleganz herrschen soll, damit das Alter und die Jugend augezogen werde und sich hier heimisch fühle, denn die Jugend erfordert unsere Aufmerksamkeit und Thätigkeit in hohem Maaße. Was soll aus dem Judenthum werden, wenn die Jugend nicht zur Religion herangezogen wird? Die Zukunft gehört der Jugend und der Bestand des Judenthums hängt davon ab, ob wir dieselbe religiös erziehen. Darum wird es auch die Hauptaufgabe unserer Gemeinde sein, den Kindern nicht nur das Lesen der Gebete und der heiligen Schrift, sondern das Uebersetzen und Verständniß derselben beizubringen und deßhalb haben wir, wie Sie schon heute sehen können, die Vorrichtungen getroffen für herrliche Schulräume, hoch, hell und luftig, und tüchtige, bewährte Kräfte werden das Licht der Thora und die Flammen der Gottesbegeisterung in dem empfänglichen Herzen der zarten Jugend entzünden! Ich will nun, meine geehrten Freunde, meine Rede nicht länger ausdehnen, es werden fähigere, wahrhaft gelehrte Männer über die Bedeutung dieser Feier sprechen, doch will ich Ihnen meinen herzlichen Dank aussprechen für die Ehre, welche Sie mir ertheilt haben und auch dafür, daß Sie so zahlreich hier erschienen sind. Möge dieser edle Geist Sie stets beseelen, der Geist der Eintracht und des Friedens, denn Eintracht und Frieden mit unseren GlaubensZcnossen und den werthen Rachbargemeinden wollen wir stets hoch und heilig halten! Möge der Segen Gottes auf unserem Unternehmen ruhen und in tiefer Andacht flehe ich btnit” nN *py ntt "pan D’D»n p *]mp pyvv ns’prn nat pN nya&w "uwa nru niw ncwn nxi .ram aVn Schau' herab von Deiner heiligen Wohnung, vom Himmel, und segne Dein Volk Israel und das Land, welches Du uns gegeben hast, ein Land, wo Milch und Honig fließt! Amen. Afrika. Tunis. Der französische Consul läßt neuerdings von jüdischen Unterthanen die frühere Kopfsteuer abfordern, welche diese bereits seit vielen Jahren nicht mehr hatten erlegen müssen. Als der BeY von Tunis noch selbstständig war, hatte jeder Israelit, der dem französischen Consulat als Schutzbefohlener unterstand, an die Consulatkasse jährlich eine Steuer von 10 Frcs. zahlen müssen. Seit der Occupation durch die französischen Truppen hatte jedoch das Eonsulat von der Einziehung dieser Steuern Abstand genommen, und man erachtete sie bereits für eudgiliig abgeschafft, als jetzt mit einem Male die Consulatsbehörde alle diese Rückstände einforderte. Zahlreiche Familien sollen demnach eine unverhältnißmäßige Summe aufbringen, manche über 1000 Frcs. je nach der Zahl der Mitglieder. Da die ärmeren Leute die Zahlung nicht leisten konnten, wurde dieselbe gerichtlich eingetrieben und zwar mit der größten Brutalität. Asien. Aus der pers. Stadt Jspaharr wird der hebräischen Zeitschrift „Hazephira" Folgendes mitgetheilt: „Die Mohamedaner haben hier die Juden beschuldigt, daß sie eine ihrer Moscheen entweiht hätten. Unter diesem Vorwand überfielen sie die Juden mit Mord und Raub, wobei ihnen die behördlichen Organe behilflich waren. Ueber 200 Juden wurden schwer verwundet, und nun halten sie die Juden in ihren Häusern eingeschlossen, wo sie dem Hungertode preisgegeben sind. Ein Jude, der sich heimlich aus seiner Wohnung geschlichen hatte, um Brod zu kaufen, wurde von den Mohamedanern ergriffen und in grausamer Weise ermordet. Fünf Tage verblieb oer Leichnam des Unglücklichen in den Händen der Mohamedaner, bis es den Juden gelang, ihn zu entwenden und in einem Hause zu beerdigen.

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