Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1890)
- Date
- 1890-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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7 Waltu «gen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Da ging die Thür auf, die Magd trat in das Zimmer mit einigen Tellern und der von ihr bereiteten Speise. Buchholz wandte sich hastig zu ihr. „Wo ist sie?" flüsterte er, „wo?" Das alte Mädchen blickte verwundert im Zimmer umher. „Ja — ist sie denn nicht hier? — Ich habe sie im Schlafzimmer gesucht und im Garten und weil ich sie nirgend gefunden habe, habe ich mir gedacht, sie wäre schon wieder hier." „Nein", entgegnete Buchholz mit heiserer, bebender Stimme, „sie ist nicht hier — und — und — bevor sie sich entfernt hat, muß sie eine entsetzliche Nachricht erhalten haben." Das Mädchen riß die Augen auf, dann fuhr sie sich mit dem Schürzenzipfel darüber, die hervorquellenden Thränen zu trocknen. „Du meine Güte! — die arme, arme Frau! — ach, Gott! ach, Gott!" „Wissen Sie nicht, wo sie sein kann? — wohin pflegt sie denn sonst zu gehen?" „Wohin;sies'.zu gehen pflegt? — nirgends hin, mein Gott, sie ist ja hier noch so fremd. Heißt das — auf den Markt geht sie immer selbst, alle Tage? auszusuchen, was der Herr gern ißt. — Aber daß sie heute einkaufeu gegangen ist —" sie schüttelte den? Kopf, „das könnte ich mir nicht denken, der Herr ist doch glicht hier und fk, sie ißt so gut wie, gar7 nichts." „Wahrscheinlich ist cs allerdings nicht, daß sie heute, aus denMarkt gegangen ist", sagte Buchholz gepreßt, „aber'wir müssen sie suchen. Das heißt, ich werde.sie" suchen, Sie müssen zu Hause bleiben, damit sie^ die Wohnung" nicht verschlossen findet, wenn'sie heim kommt. — Aber besinnen Sie sich, fällt Jhnen^gar nicht ein, wohin sie gegangen sein könnte?" zu nehmen oder eine Stickerei und geht dort hinüber in das Wäldchen — es ist keine zehn Minuten von hier. Gegenüber von dem Weiher steht eine Bank, dort sitzt sie oft Stunden lang und arbeitet oder liest. Ob sie dort vielleicht hingegangen ist?" Buchholz erwiderte nichts, aber er hatte sich bereits der Thür zugewandt und eilte nun in der von der Köchin bezeichneten Richtung dem Stadtwalde zu. Wie das Herz ihm pochte, er vermochte kaum zu athmen — der alte Mann war solch' raschen Schritt nicht mehr gewöhnt. Aber es drängte ihn, sich baldmöglichst Gewißheit zu verschaffen vor allem über den Aufenthaltsort und dann auch über die Stimmung der jungen, unglücklichen Frau seiner Freundes. In wenigen Minuten hatte er den Wald erreicht und sehr bald darauf auch den Teich, an dessen Rand, wie Frau Steinheim's Dienerin berichtet hatte, ihre Herrin mit Vorliebe zu verweilen Pflegte. Richtig, dort stand auch die Bank, aber — sie war leer. Buchholz blickte suchend umher, doch ringsum nirgend die Spur eines menschlichen Wesens. Tiefe Stille herrschte im Walde, kein Lüftchen regte sich, nicht einmal die Vögel zwitscherten. Die Oberfläche des mäßig großen Teiches war mit Algen bedeckt, die dem stehenden Wasser beinahe das Aussehen kurz geschorenen Rasens verliehen, doch das Wasser war tief, über Mannshöhe tief und man erzählte von einem Unglücksfalle im vorigen Jahre, bei dem ein Wanderer, durch die grünende Oberfläche des Wassers getäuscht, den Fuß darauf gesetzt hatte und spurlos verschwunden war; erst mehrere Tage später hatte man seine Leiche gefunden. Unwillkürlich mußte Buchholz dieses Falles gedenken, als er auf das stille Wasser blickte, dessen frische, gleichmäßig grünende Fläche einem stramm gespannten Sammetteppich glich. Nur dort in der Nähe der Bank hatte das Grün zwar keine andere Schattirung, aber dennoch ein anderes Aussehen, als hätte der Teppich dort sich in Falten gezogen — oder — als wäre dort an jener Stelle jener Wandersmann verunglückt, als hätte er im Sinken dort die grünende Fläche getheilt, die nur langsam, ganz allmählich sich wieder zusammengezogen. „Unsinn!" murmelte Buchholz, indem er mit der Hand über die Stirn strich, als wollte er quä- Ein Jahr war ver- Das Mädchen schüttelte seufzend den Kopf. „Wie gesagt, sie pflegt nirgend hin zu gehen. Außer bisweilen, an schönen Tagen, pflegt sie sich ein Buch lende Gedanken verscheuchen.