Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1890)
- Date
- 1890-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 i des Berliner Hetzblattes zu vertheidigen, halten wir nicht für nothwendig. Warum sollte auch das edle Organ, dessen Appetitionen S e. Majestät der Kaiser s e l b st zurückwies, auf das Vergnügen verzichten, einen Prinzen von Ratibor und die Träger anderer hochansehnlicher Namen anzufeinden! Ueberlassen wir jene Muckergesellschaft, die sich nicht scheut, einen Angriff gegen eine Stätte der Religiosität zu richten, ihrer Rohheit! Die Feier der Einweihung des Tempels unserer israelitischen Gemeinde gab Zeugniß von einer Toleranz, die unserer Stadt zur Ehre gereicht, und wir wollen und können hoffen, daß Ratibor auch in Zukunft vor dem gemeingefährlichen Rassenhaß, den die„Kreuzzeitung" predigt, bewahrt bleiben wird." Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. Nach langem, schwerem Leiden ist am 19. v. M. hier ein verdienstvoller Pädagog, der Präparandie-Dircctor Heinrich Deutsch im Alter von 70 Jahren gestorben. Im Jahre 1856 kam er in die Hauptstadt, wo er von der Gemeinde für sämmtliche Mittelschulen als Religiousprofessor angestellt wurde. 1868 wurde er auf Intervention des Ministers, Baron Eötvös, an die hiesige isr. Präparandie als Direktor berufen, welche Stelle er bis an sein Lebensende inne hatte. Seit Errichtung des Rabbinen - Seminars hat er ferner an dieser Anstalt die aramäische Sprache vorgctragen. Zu seinen hervorragendsten Arbeiten zählt die von ihm besorgte ungarische Uebersetzung der Bibel. Deutsch litt seit drei Jahren an einem Herzübel, welches ihn während der letzten Monate ans Bett fesselte, überdies hatte er das Augenlicht fast gänzlich eingebüßt. So gebrochen er nun auch körperlich war, so rege und lebendig blieb seine Geisteskraft bis in die letzten Stunden. Noch auf dem Siechenbette diktirte er täglich und hiebei kam ihm sein außerordentliches Gedächtniß, das vollkommen und ungeschwächt geblieben war, in bewunderungswürdiger Weise zu Statten. Frankreich. Paris. Monatsbericht. (November). „All. Isr. Univ." (Israelitische Colonien in Amerika.) Eine Zeitung aus Philadelphia, der Sunday Mercury, bringt in seinen Nummern vom 20. und 27. October einige Einzelheiten über die zu Gunsten der russischen Israeliten in den Vereinigten Staaten gegründeten Ackerbau-Colonien. Anbei einige interessante Auszüge dieser Artikel, welche von einer Person stammen, die sich an Ort und Stelle informirt hat. — Die Auswanderungsbewegung der russischen Israeliten nach Amerika hat 1881—82 begonnen, im Augenblick, wo die Volksunruhen ausbrachen, deren Echo in der ganzen civilisirten Welt einen Widerhall gefunden; es war dies nur der Anfang einer Aera des Elends und der Verfolgungen. Man sah die veralteten Gesetze wieder in Kraft treten, die den Israeliten den Aufenthalt in einem großen Theile des Reiches untersagen und sie auf die südwestlichen Provinzen beschränken, wo sic ersticken. In den Augen jener Unglücklichen erschien damals die Auswanderung nach einem freien Lande wie das einzige Rettungsmittel, und zu Hunderten und tausenden verließen sie damals Rußland, um nach Brasilien, nach der argentinischen Republik unnd namentlich nach den Vereinigten Staaten sich zu degeben. Von den russischen Auswanderern, die zu uns herübergekommen, war eine ziemlich große Anzahl Pächter und Ackerbauer in ihrer Heimath gewesen. Es bildete sich in New-Aork ein Comite, um die Mittel ausfindig zu machen, wodurch man für die Einwanderer Grund und Boden beschaffen oder sie als Pächter etablireu könne. Nachdem man die Angelegenheit näher untersucht hatte, wurde der Staat New-Jersey als der geeignetste gewählt. Große Summen wurden zum Ankauf von Boden herbeigeschafft, und im Sommer von 1882 konnten sich 40 Auswanderersamilien ank diesen Ländereien niederlaffen, die ungefähr */* Meile von der Station Broadway entfernt liegen. Fünfzehn Acre Land wurden einer jeden Familie bewilligt, deren Werth nach Ablauf von etlichenJahren mit 3°/03tnfen dem Comitö zurückgezahlt werden sollte. Außerdem versorgte sie das Comitä mit Vorräthen auf mehrere Monate hinaus. Es muß gleich gesagt werden, daß sehr wenige von diesen Auswanderern in der Lage waren, den Preis ihres Grundes und Bodens zurückzuerstatten; sie bedurften im Gegentheil noch mehrere Jahre hindurch der Unterstützung. Endlich, nach großen Entbehrungen und angestrengtester Arbeit gelang es den Eolonisten, ihren Unterhalt zu verdienen, und bilden sie heute drei Gruppen von Ackerbauern, deren Anblick sehr ermuthigend ist für die Zukunft der israel. Colonisation in Amerika. Einer geologischen Untersuchung zufolge läge New-Jerscy tiefer als der Meeresspiegel, und der Boden sehr geeignet zum Getreideanbau. Hier bilden die drei jüdischen Colonien einen Dreieck, sie heißen Alliance, Earmel und Rosenhayu, die an die Städte Vineland, Milleville und Bridgeton ' stoßen. Die ersten 40 Familien haben sich bis auf