Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1890)
- Date
- 1890-01-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 31. Dezember. Aus Bonn erhalten wir die Nachricht, daß daselbst Herr Dr. Ludwig Philippson, ehemals Rabbiner zu Magdeburg, im Alter von 78 Jahren, verschieden ist. Dr. PH. war der Sohn des israelitischen Lehrers Moses Philippson zu Dessau und war daselbst am 28. Dezember 1811 geboren. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und später die Universitäten Halle und Berlin. Schon als sechszehnjähriger Knabe begann er zu schriftstelleru und wurde im jugendlichen Alter von 20 Jahren von der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg als Religionslehrer und Prediger berufen. Dieselbe ernannte ihn später zu ihrem Rabbiner. Einige Jahre lang gab Ph. ein israelitisches „Predigtmagazin" heraus und begründete 1837 die „Allgemeine Zeitung des Judenthums", deren Redakteur er bis an sein Ende, also 52 Jahre lang, blieb. Dr. Ludwig Philippson hat in der Geschichte des modernen Judenthums, namentlich in Bezug auf die Reformbestrebungen der Neuzeit, ein große Rolle gespielt. Auf seine Anregung hin versammelten sich die Reformrabbinen in den Jahren 1844, 1845 und 1846 in Braunschweig, Breslau und Frankfurt a. M>, um das Judenthum gründlich zu refornüren und einige der heiligsten Gottesgebote abzuschaffen. PH. hat eine Bibelübersetzung verfaßt, die, wenn sie auch manches Gute enthält, von Jrrthümern und Fehlern strotzt. Im Jahre 1860 wollte er seine Ucbersetzung zu einer Art jüdischer Vulgata gestalten. Gegen dieses Unterfangen erhob sich der unvergeßliche Würzburger Rabbiner S. B. Bamberger ^"2- und hob in einer kleinen Schrift „Die Fackel der Wahrheit" eine Anzahl jener obenerwähnten Fehler und Jrrthümer hervor; in Verbindung mit einigen Collegen forderte er zugleich die gesetzestrcucn Rabbiner zu einem Proteste auf, der auch den gewünschten Erfolg hatte. Von nun an und weiter wurden die gesetzestreuen Rabbiner in der Philippson'schen Zeitung allwöchentlich mit Schimpf, Hohn nnd Spott förmlich überschüttet. Ph. ging darin mit „gutem" Beispiele voran, und seine Correspondenten und Mitarbeiter überboten ihn noch. Ph. ließ sich in seiner eigenen Zeitung als die Sonne proklamiren, welche die Welt erleuchtet, während seine Gegner mit Ehrennamen wie „Hunde 2c." belegt wurden. Von dieser Zeit an datirte des bisher Allgewaltigen Sturz. Dr. Ludwig Philippson,' bis dahin die einflußreichste Persönlichkeit unter den Juden Deutschlands, trat von nun an und weiter immer mehr in den Hintergrund. Vergeblich chlieben seine Anstrengungen, das alte Ansehen wieder neu zu beleben. Seine Zeitung vegetirte nur noch und seine übrigen Schriften blieben unbeachtet. Abgesehen von der verderblichen Richtung des Verstorbenen, wollen wir ihm das ihm gebührende Lob nicht versagen. Er besaß Talent, Fleiß und eine große Arbeitskraft. Er war der eigentliche Schöpfer des jüdischen Zeitungswesens. Die vor ihm gemachten Versuche erwiesen sich als unzulänglich, und die Blätter verschwanden wieder/, wie sie gekommen waren. Ph. hatte ferner das Verdienst, für die Emancipationsbestrebung mit Eifer, Geschick und oftmals auch mit Erfolg gekämpft zu haben. — Dr. Ludwig Philippson war ein äußerst fruchtbarer Schriftsteller; allein, weder seine wissenschaftlichen Werke, noch feine Erzählungen und Dramen haben Anspruch auf Bedeutung. Dagegen zeichnete sich sein Styl durch Anmuth und edle Einfachheit aus. München. Bezugnehmend auf meinen Aufsatz „Eine Bemerkung zur mvimn rtao" in der Beilage zu Nr. 99 dieser Blätter, habe ich noch hinzuzufügen, daß auch die nnav zu den beiden rona» von Chanuka von einer solchen rrm des Antiochus zu erzählen wissen, wie sie in dem betreffenden Aufsatz von mir durch die Erklärung des Verbotes von tnn angenommen wird. Dr. H. E. Frankfurt a M, 27. Dezember. Gestern hielt dahier der Verein zur Erziehung armer israelitischer Waisen Deutscher Nationalität („Israelitisches Kinderheim") seine konstituirende Versammlung und genehmigte die vom provisorischen Comite entworfenen Statuten. Eine Anzahl von Waisen ist bereits in Dietz untergebracht. Ratibor, 29. Dezember. Der cons erv ative „Oberschlesische Anzeiger" schreibt: i„Die „Kreuzzeituug", das famose Organ, dessen Unduldsamkeit keine Grenzen kennt, ärgert sich schwer ob der „pomphaften" Einweihung der Ratiborer Synagoge und besonders darüber, daß Herr Pastor Pohl an der Feier theilnahm. Die höhere Gesellschaft Ra tib or's b egnügte sich nicht damit, — sagt das noble Blatt — sich die Einladung gefallen zu lassen, sondern sie drängte sich geradezu zu der Feier. Die Würde der guten Gesellschaft von Ratibor, sowie die Heiligkeit eines Gotteshauses gegen die Angriffe