Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 102 (30.12.1889)
- Date
- 1889-12-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1770 und wenig Anerkennung für sein menschenfreundliches Wallen fand. Wir wollen dieser Behauptung nicht jede Berechtigung absprechen. Wir kennen Männer, die ihr ganzes Dasein dem Wohlthun hingeben, denen es weder an Kraft noch Talent gebricht, sich zur höchsten wissenschaftlichen Capacttät emporzuschwingen, die aber um der vielfachen Leiden der Menschheit ihre kostbarste Zeit in den Dienst der Nächstenliebe stellen. Wir haben jedoch wenig von dem Dank vernommen, der ihnen von den vielen Tausenden geworden, die sie beglückten. Eines Bessern wurden wir gestern Abend belehrt, als wir die freudenstrahlenden Gesichter beglückter Kinder sahen, die den versammelten Wohlthätern einen reichen unschätzbaren Gewinn einbrachten. Wir waren Zeugen eines erhebenden Chanukafestes, welches der Verband ehemaliger Schüler der Religionsschule „Adaß-Jisroel" für 25 unbemittelte Religionsschüler veranstaltete. In Anwesenheit des Vorstandes und des Schullehrercollegiums der Religionsschule, sowie des VerbandSvorstandeS wurde die Feier mit dem Anzünden der Chanukalampe und dem Abendgebete eröffnet, das von einem Meister der Ge> sangskunft vorgetragen wurde, dessen wohllautende Klänge Herz und Seele ergriffen. Rach Absingung des Chanukaliedes wurden Gäste und Kinder zur Festtafel geleitet, die mit einer religiösen Ansprache des Verbandsvorsitzenden eingeleitet wurde. Derselbe führte den Kindern das Dulden, Kämpfen und Hoffen der Makkabäer vor, und ermahnte sie gleichfalls nach diesen unsterblichen Vorbildern im Kampfe gegen die Verlockungen des Lebens zu verharren, bis der Sieg der Wahrheit auch ihrem Dulden ein Ziel setzen, auch ihren Hoffnungen Erfüllung bringen wird. Hierauf dünkte der 2. Vorsitzende den Wohlthätern und Gästen für deren herzliche Theilnahme und feierte in schwungvoller Rede die Thätigkeit des Schulvorstandes, der Lehrerschaft und ganz besonders das uneigennützige Wirken des ehrwürdigen Direktors wie seines bewährten Stellvertreters in diesem Amte. Ein Mitglied des Schulvorstandes dankte hierauf dem jungen Verein, der nach nur dreivierteljährigem Bestehen einen Akt echtjüdischer Wohlthätigkeit vollbrachte, der ihm die ungetheilte Anerkennung weitester Kreise sichern wird. Der Redner gedachte rühmend der unermüdlichen Thätigkeit deS Verbandsvorftandes wie der verdienstvollen Mitwirkung des Damcncomir4s(Frau Dr. D eutschl änder, Frl.Engel, Frl. Freudenthal und Frau M. Mann), die Alle zur Vollendung des schönen Werkes redlich beigetragen. Diesem Trtnkspruche folgte die feierliche Anrede eines Lehrers, der zugleich den Vorstehern des Verbandes für die freundliche Einladung wie für die vortrefflichen Anordnungen bei Veranstaltung des Festes dankte. Rach erfolgtem Tischgebete wurde die überglückliche jugendliche Schaar mit Festgeschenken mannigfacher Art und den Segenswünschen der Vorsteher und Lehrer freundlichst entlassen. — Rach einer länger» Pause begann das Chanukafest des Verbandes, das durch einen Prolog, — verfaßt vom Vorstandsmitgliede H. Bukofzer, vorgetragen von Frl. Pinn, eröffnet wurde. Es wechselten vor und während der Tafel herrliche Melodien, mit denen Herr Cherini und F. Byck, die Versammlung erfreuten — und muntere Reden, durch welche ein ehemaliger Schüler und ein ehemaliger Lehrer die Tafel würzten. Auch ein Festlied des Herrn Bukoszer erhöhte die festliche Stimmung der Gesellschaft, welche in dem fröhlichen Bewußtsein das Festlokal verließ, zum Theil persönlich und zum Theil durch Geldopfer ein sehr löbliches Werk gefördert zu haben. dl. v. Berlin. Für die arabischen Juden, die durch die ansteckenden Krankheiten, die daselbst herrschen, in das äußerste Elend gerathen sind, werden hier Sammlungen veranstaltet. Herr Rabb. Dr. Hildesheimer, der sich an kompetenter Stelle informirte, gewann die Ueberzeugung, daß hier schleunigst Hilfe geboten ist. Derselbe ging rasch ans Werk und erzielte in wenigen Wochen die ansehnliche Summe von 13000 Mk. Da auch ein hochansehnliches Organ der Residenz für unsere elenden Mitbrüder eingetreten ist und die Sammellisten veröffentlicht, so ist zu hoffen, daß noch weitere Kreise für die Theilnahme an diesem dringend gebotenen Wolthätigkeitsakte gewonnen werden. N. v. Chemnitz. Am Abend des 19. Dezembers sprach in einer von 200 Personen besuchten Versammlung des Arbeiterbildungs-Vereins der Redakteur Herr K. W i e s e n t h a l aus Leipzig über das Thema: „Die Juden in Sachsen". Der einstündige Vortrag wurde mit größter Aufmerksamkeit zu Ende gehört und zeigte klar, daß in Arbeiterkreisen der Antisemitismus nicht lebt. Bei der Discussion kam es leider zu politischen Erörterungen, so daß der Vorsitzende die Versammlung aus Wunsch des überwachenden Beamten schloß. (Chemnitz. Presse.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 21. Dezember. Vor dem Erkenntnißgerichte unter dem Vorsitze des Landgerichts-Vice- Pl äsidenten Dr. R. v. Holzinger begann heute Vormittags die Verhandlung gegen die Herren Dr. Jaques Fischer, Rechtsconsulent der „Franco-