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Der Israelit · 1889-12-30 · Heft 102 (30.12.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 102 (30.12.1889)
Date
1889-12-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. KellageM^Möes„AsraM^L„IeschurM". Zeitnngsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Zeitlofs, 19. Dezember. Wiederum ist es traurige Nothwendigkeit und vom jüdischen Standpunkt aus Ehrenpflicht, die Zahl der öffentlichen Warnungen vor Schwindlern in diesen geschätzten Blättern durch einen neuen Fall zu vermehren. Diesmal gilt es, zweien famosen jungen Leuten, die sich für Jerusalemiten ausgeben, das unsaubere Handwerk zu legen. Der eine von diesen kam heute in mein Schullokol, wo er sich laut seines Paffes und mehrerer Zeugnisse als ein gewisser Rosenzweig legirimirte, der Schüler der „Alliance- Jsraelite-Schule" in Jerusalem sei, von wo aus er sich zur Kur seines Halsleidens nach Karlsbad in Böhmen begeben habe müssen und nun auf der Rückreise in sein Heimathland sei. Seine Erscheinung läßt im ersten Augenblick in ihm einen Geschäftsreisenden vermuthen, da er sehr schön gekleidet ist und einen neuen Ueberzieher trägt. Das Gesicht ist fast bartlos und verräth ein Alter von höchstens 25 Jahren. Unter dem Hute trägt er eine rothe Türkenmütze. — Nachdem ich für Genannten in meiner Gemeinde collektirt hatte, begleitete ich denselben aus dem Schullokale auf die Straße, von wo aus er in den nahen Gasthof wollte, um — wie er sagte — seinen Stock, den er dort niedergelegt halte, abzuholen. Mehr zufällig folgte ich ihm auf dem Fuße nach und — fast verblüfft stand ich da, als ich noch einen gleichalterigen jungen Mann auf ihn zukommen sah, in dem sich mir sofort der „Reisecollege" erwies. Von jenem hatte ersterer bei mir aber kein Wörtchen erwähnt und in offenbarer Verlegenheit beider wurden rasch einige französische Worte ausgetauscht, worauf der mir Unbekannte — er trägt einen schwarzen Schnurrbart, ist ebenfalls elegant gekleidet und stellt so recht erst einen eomwio voyageur vor — schnell verduftete, während Rosenzwetg mir noch die Hand zum Abschiede geben wollte, um ebenso schnell jenem nachzusolgen, kaum mir die Frage nach der Persönlichkeit jenes Mannes beantwortend, den er als „zufälligen" Reisegefährten gezeichnete. Diese Szene hatte sofort Mißtrauen in mir erregt, schon durch die französische Konversation, da Rosenzweig bei mir sich ausschließlich in hebr. Sprache unterhielt, die er zum Erstaunen fließend und so fertig gebrauchte, wie jeder Mensch seine Muttersprache. Ich zog nun nähere Kundschaft bei den Wirthsleuten nach ihren zwei Gästen ein, insbesondere, da jener Zweite aus — der Kirche hervortrat. Darauf wurde mir der Bescheid daß die zwei Gauner sich bereits bei Schnaps und Bier glücklich thaten, daß Rosenzweigs Freund, während ich für jenen mich verwendete, einstweilen im Gafthofe — das Diner bestellte, bestehend in einer Suppe nebst Cotelette rc., dessen würzige Dämpfe bereits den Reisekollegen in die Küche gelockt zu haben schienen, und die Wirthin machte ein schiefes Gesicht, als ich ihren Gästen so den Appetit verdorben hatte. — Was sagen denn die Herren Rabbiner und Herren Kollegen dazu, die genanntem Rosenzweig Empfehlung gaben? Er besaß u. a. ein Zeugniß von Se. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner Dr. Plato zu Köln, auch einen Empfehlungsbrief vom Herrn Kollegen Heilbronn in Gehaus, so viel ich mich noch erinnere. Die HH. Rabbinen und Lehrer sollten denn doch ein klein wenig vorsichtiger in der Ausstellung solcher Zeugnisse und schriftlicher Empfehlungen sein, die leicht für Geld und gute Worte bet Schwindlern von Hand zn Hand gehen können und so zur schmählichsten und verwerflichsten Ausbeutung jüdischer Wohlthätigkeit führen. Und was sind die weiteren noch traurigen Consequenzen hieraus? Daß das hl. Land überhaupt moralisch verrufen wird durch solche Subjrkte, und daß der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden muß. Das weiß jeder Lehrer — besonders auf dem Lande — am besten zu schätzen, wenn er jemals für '"n ono sich verwendete. „Die Leute sollen etwas arbeiten, sie sind Schwindler, die nichts thun mögen l" lautet nur allzuoft die stereotype Antwort. Man schließt nämlich von einem aus den andern, das echt jüdische Gefühl der Wohlthätigkeit und wahrer jüdischer Opfersinn wird auf solche Weise ganz erheblich geschädigt, dagegen die rrap von n"n ’in geradezu systematisch großgezogen. Hoffentlich verfehlen diese Zeilen nicht ihren Zweck für Spendende: ctin r6 nwir6 npn» nnefl£ .cwun Abr. Mannheimer, Lehrer. Berlin, 18. Dezember. „Wer die Menschen liebt, gewinnt nicht viel", schrieb ein deutscher Dichter, der gewiß viel Undank zu ertragen hatte

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