Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 100-101 (24.12.1889)
- Date
- 1889-12-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1755 Verein gegründet haben, — die Herren Abraham Franck und Jakob Reinheimer, beide Greise über 80 Jahre — dermaleinst bei der Feier des 100jährigen Jubiläums ebenfalls noch Mitglieder vorhanden sein mögen, die Zeugen dieser Ueier gewesen. Wünschen wir unserem edlen Vereine bis dahin „Wachsen, Blühen und Gedeihen!" Aus der Provinz Posen. Die Firma Samuel Jaffe in Schwenten hat die Armen auch in diesem Jahre wieder mit Winterholz versorgt. Es kstnd dem Herrn Landrath 40 Rmtr. zur Vertheilung an die Armen der Stadt Wöllstein, dem Vorstand der jüdischen Gemeinde für die jüdischen Armen 12 Rmtr., der Gemeinde-Vertretung Kiebel 12 Rmtr., für die dortigen Armen und dem Herrn Pastor Langheinrich in Schweuten ebenfalls 12 Rmtr. zur Vertheilung an die Armen seines Sbrengels zur Verfügung gestellt worden. Den gütigen Gebern gebührt für dieses Werk der Wohlthätigkeit und Nächstenliebe herzlicher Dank. Berlin, 16. Dez. (Kriegserklärung.) Am Sonnabend, den 14. d. M., wurde uns unter dem wilden Getöse verzweifelnden Wuthgeheuls der Vernichtungskrieg erklärt. Keine Gnade mehr, kein Erbarmen gewährt uns der lahmgelegte, „alte Held", er will fortan „dem Gr und übel, dem verhetzenden und z e r s e tz e u b e lt I udenth um energisch zuleibe gehen!" — Was haben denn die armen Juden wieder gegen den ä r m st e n Redacteur Berlins verbrochen? Wen haben sie verhetzt, und wen zersetzt? Darüber gibt die Sonnabendnummer der „Staatsbürger- Zeitung" „sachgemäß und objektiv" Aufschluß. Sie haben nicht verhindert, daß zwei antisemitische Heißsporne bei der Stadtverordnetenwahldurchgcfallen. Die Motive liest man in der „Staatsbürger- Zeitung". „Der jüdisch-freisinnigen Partei ist die Unterdrückung und Bekämpfung der monarchisch und national gesinnten Elemente die Hauptsache." „Den Deutschfreisinn und die Sozialdemokratie umschlingt ein gemeinsames Band: das Eintreten für die Interessen des Judenthums." — „In beiden Parteien haben die schlauen und vielseitigen jüdischen Mitbürger die Herrschaft an sich gerissen." „Nur die Interessen des Judenthums waren bei den jüngsten Stadtverordnetenwahlen maßgebend." „Den jüdischen Freisinnigen wohnt nicht einmal die Scheu inne, öffentlich die umstürzlerischen Ideen zu meiden." „Es ist der angeborene Trieb in dem Juden, der ihn zwingt, das zersetzende Element in den gastlichen Staaten zu bilden." Und da das „irreführende und verhetzende Judenthum allein die Unzufriedenheit im Staate schürt", darum wird die „warnende Stimme" erhoben, daß „dem Judenthume energisch zuleibe gegangen wird." Aber welches sind die Thatsachen, die das Erwecken der Kricgsfurie rechtfertigen? Nach ihnen forscht die Firma „Alter Held Nachfolger" nicht, positive Thatsachen sind dem „furchtbaren" Gegner kein begehrter Artikel. Wozu denn auch und für wen? Es genügt dem kriegerklärenden „Helden", daß die Juden von den Hieben, die den Antisemiten Bachler im ersten Wahlgange niederschlugen, ihr gut Theil nahmen. Sie hatten den Muth, den „unbekannten" Virchow gegen den „weltberühmten" Bachler durchdringen zu lassen. Sie haben ferner in ihrer jämmerlichen Verblendung nicht verstanden, ihrem lieben Freunde (?) Bachler zu Hilfe zu eilen, als ihm bei einem zweiten Wahlgange ein „Herzfeld" gegenübertrat. Sie haben sogar gejubelt, als sie von dessen Niederlage Kenntniß erhielten. Das war schlecht, recht schlecht von ihnen. Hätte uns der gefeierte Kämpfer für (* „Wohlfahrt, Freiheit und Macht", nur rechtzeitig einen freundlichen Wink gegeben, wir wären an die Straßenecken getreten und hätten gerufen: „Israeliten Berlin's! Eilet an die Urnen und wählet Eure lieben und freundlichen -Henker, die Euch von Tag zu Tag mit Gift und Galle bespeien, eilet, wählet die Petrolcure, die Feuerbrände in Eure Hütten schleudern! Eitle Narren, wozu wollt Ihr denn Euch Eurer Haut wahren, die ist ja doch zu nichts nütze. So wisset denn, daß cs Euch nur zum Ruhme gereicht, wenn auf Euren Schultern der Cicerone Bachler aus seine wohlverdiente Höhe steigt. Verblendete, reichet die Backen, ja den ganzen Leib dem Schläger, gebt Eure Stimmen zu Gunsten der wüthendsten Judenhetzer ab, und nach vollbrachter That verkriecht Euch wieder in Eure Schlupfwinkel und wartet ab, bis Euch wieder das Gekrächze der „Alten Held'scheu" die Parole bringt!" So hätten wir geredet, wenn es so wirr in unserem Kopfe wäre, wie in den Hirnkästen der mandatslüsternen Antisemiten, die in Stadttheilen, die von Israeliten bevölkert sind, aufzutreten wagen. Die „Voss. Ztg." hat bereits den gründlichen Nachweis geführt, daß die Parteien durch ihre eigene Kraft gesiegt und anderer Hilfe nicht bedurft, nach der hochkonservativen „N. Pr. Ztg." haben die „Mittelparteien" die Niederlage verschuldet, demnach hat der Stadtverordnetenkandidat nichts mehr und nichts weniger *) Anmerkung: Devise der antisemitischen „Staatsbürger- Zeitung."