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Der Israelit · 1889-12-24 · Heft 100-101 (24.12.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 100-101 (24.12.1889)
Date
1889-12-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1748 er von der Wache gefaßt. In demselben Augenblick schrie einer seiner „nationalen" Genossen: „Nieder mit dem Vetter!", zog ein langes Messer und versetzte dem Schuhmachermeistcr Buttolo, einem anderen Antisemiten und dem Sicherheits- Inspektor Katzler Stiche in Hand und Schenkel". Das erwähnte Blatt bezeichnte das erwähnte Individuum, welches die Messerstiche austheilte, als einen Diurnisten Namens Witzelsberger und fügt bet, dessen Verantwortung, er habe im Zustande der Nothwehr von dem Messer Gebrauch gemacht, sei unwahr und es seien in seinem Besitze zwei Messer — ein Taschenmesser und ein sogenanntes bosniakisches Messer — gefunden worden. Aus Ungarn. (Schluß.) Welcher Mittel und Wege die Kongreßpartei zur Erreichung der einheitlichen Organisation sich zu bedienen es nicht für unwürdig hält, hierzu mögen noch folgende Thatsachen den Beweis liefern. „Es ist daher kein Wunder", beginnt das Memorandum nach einiger Verleumdung der Orthodoxen, „daß die Kultusgemeinden, da sich ihre Mitglieder jedezeit durch Austritt ihrer Steuerverpslichtung entziehen konnten, in der Entwickelung ihrer Einrichtungen gehemmt waren." Das soll nämlich eine Anklage gegen die Orthodoxen bedeuten, wonach sie ihre kulturellen Einrichtungen vernachlässigt hätten. Derartige Behauptungen aufzusteüen ist sehr leicht; beweisen jedoch um so schwerer, da überhaupt nicht möglich. Im Gegentheil, nur ein flüchtiger Blick in die Statistik der jüdischen Schulen genügt, einem die Ueberzeugung zu verschaffen, daß eben die gesetzestreuen Juden es sind — mit Ausnahmen zweier oder dreier ganz unkultivirter östlicher Komitate — die, sobald nur eine, wenn auch noch so kleine Gemeinde bildend, alles Mögliche aufbieten, um den Anforderungen der Zeit entsprechende Schulen zu errichten. Es braucht nur auf die von den betreffenden Schulinspektoren öfters rühmlichst hervorgehobenen wahrhaften Musterschulen der orth. Gemeinden Großwardein, Preßburg, Ungvar u. nt. dgl. hingewiesen zu werden; während manche große und reiche Reformgemeinden wie z. B. Großwarsein, nicht einmal eine Volksschule besitzen. Auch sind es nur die orth. Gemeinden zu Preßburg und Großwardein gewesen, die mit dem guten Beispiele von Gründung höherer 4 klassiger Bürgerschulen vorangingen. Es ist aus den angeführten Thatsachen leicht zu ersehen, daß die orth. Gemeinden auch in kultureller Beziehung auf der Höhe ihrer Aufgabe stehen. Dies in allgemeiner kultureller Hinsicht. Bildet aber die alleinige Aufgabe des Judenthums, nur die allgemeine Kultur zu fördern? Ist es nicht vielmehr Pflicht eines jeden Juden, in allererster Reihe für die Entwickelung und Fortpflanzung unseres Lheuersten Gutes, unserer hl. Thora alles Mögliche aufzubietend Gibt ja nur dies das Recht, daß sich Jemand „Jude" nennt. Und in welchem Maße, fragen wir, hat sich die Reformpartei dieser höchsten Aufgabe entledigt? Besitzt die große, mächtige und reiche Reformpartei auch nur eine Anstalt, die hiefür Sorge tragen würde, daß unsere heiligen Lehren nicht ganz und gar vergessen werden? Jawohl, könnte man entgegnen, sie unterstützt — erhalten wird es durch den Schulfond — das Budapester Seminar! Nun, ein von kaum hundert sich dem Rabbinersache widmenden Schülern besuchtes Institut bürgt höchstens dafür, daß die Rabbiner etwas jüd. Wissen besitzen werden. Ein solches Judenthum aber, welches nicht bestrebt ist, dahinzuwirken, daß auch andern nicht Rabbiner sein wollenden Juden die Gelegenheit geboten werde, sich von unserer heiligen Lehre mehr als den kleinen Ungar. Katechismus anzueignen, ein Judenthum, welches zu den unzähligen G. s. D. in unserem Lande Festehenden „Tolmudthora-Schulen" und keineit einzigen Kr. beisteuert; verdient nicht und kann es unter keinem Vorwände verlangen, die gesetzestreuen Juden sollen mit demselben eine Gemeinschaft bilden! Oder hat dasselbe vielleicht hiezu kein Geld? Woher dann die Horrenden-Summen verschlingenden Orgel- und Sängerinnen-Einrichtungen?! Die Kongreßpartei kann also nur falsch behaupten, sie seien durch den Austritt der Orthodoxen aus der Gemeinde in ihren religiösen Einrichtungen gehemmt. Auf wahrhaft religiöse Einrichtungen kann sich so etwas nicht beziehen, da auch die reichsten und ungetheilten Gemeinden, wie z. B. Szegedin, Arad, Temcswar, Großkanitza, Kezskemet keine einzige der Erlernung der mm gewidmete Schule besitzen! — Nur noch einer meine obige Behauptung rechtfertigenden Thatsache soll hier erwähnt werden. „Ohne Zweifel besitzt Karo große Verdienste" schreibt ein jüdischer Abgeordneter in einem ung. Reformblatte „und hat ohne Zweifel dem Judenthume einen großen Dienst geleistet, als er sozusagen in einen Sammelpunkt alles das vereinigte, was anderthalb tausend Jahre ohne Ordnung im Talmud und in Arbeiten berühmter Rabbiner niedergelegt war, aber andererseits können wir es wieder nicht verhehlen, daß diese Arbeit in einer solchen Zeit entstanden, in der in religiösen Dingen. Asketisnrus und Einbildungskraft oft Orgien (?!)

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