Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 100-101 (24.12.1889)
- Date
- 1889-12-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1747 sondern Gemeindebesitz. Die Entscheidung des böhmischen Landesausschusses sei als ungesetzlich zu kassiren. Der böhmische Landesausschuß war bei der Verhandlung nicht vertreten. Der Vertreter der mitbetheiligten Ortsgemeinde, Dr. Dworsky aus Prag, bemerkte u. A.: Die Beschwerdeführer suchen auf Grund der böhmischen Gemeinde-Ordnung die historischen Rechte einzelner Bürger umzustoßen und die Theilhaftigkeit au einem ihnen nicht zukommenden Besitze zu erzwingen. Das könne unmöglich gutgeheißen werden. Der Verwaltungs - Gerichtshof hob die angefochtene Entscheidung des böhmischen Landesausschusses, insoweit durch dieselbe die Zahlung der Umlagen für einzelne Bürger der Ortsgemeinde Hermanmieftez aufrecht erhalten wurde, als gesetzlich nicht begründet auf. Nach der böhmischen Gemeinde-Ordnung habe das Gemeinde- Vermögen zur Bestreitung von Ausgaben für Gemeindezwecke zu dienen und bei vereinigten Gemeinden zur Deckung der auf die betreffende Ortsgemeinde entfallenden Quote der gemeinsamen Auslagen. Die Verwendung der Einkünfte in der Art und Weise, wie es Seitens der Ortsgemeinde Hermanmiestez geschehen, wäre nur dann gerechtfertigt, wenn das,Ortseigenthum kein Gemeinde-Eigenthum, sondern ein Klasseneigenthum wäre. Dies widerlegt aber die Ortsgemeinde selbst, indem sie die Gesamnitheit ihrer Bürger mit der Ortschaft identificirt. Nachdem es sich also hier um ein Gemeindevermögen handelt und die Vegünstigang einer Klasse von Bewohnern durch einen besonderen gesetzlichen Titel nicht nachgewiesen ist, war die angefochtene Entscheidung als ungesetzlich zu kassiren. Wien. Die Mütter der beiden antisemitischen Fractioncn, deren Anhänger Freitag Abends bei der „Schönen Schäferin" in der Gumpendorferstraße mit einander rauften und sich prügelten, bringen über diesen scandalösen Vorfall Berichte, die deutlich erkennen lassen, daß die Antisemiten jene Gewaltthätigkeiten, mit denen sie bisher Versammlungen liberaler Wähler terrorisirten und sprengten, nun gegen einander selbst anwenden. Zugleich sprechen diese Blätter von ihren bisherigen Bundesgenossen und Freunden in Ausdrücken, die beweisen, daß die Herren Antisemiten sich gegenseitig sehr genau kennen. So berichtet z. B. das Organ der deutsch-nationalen Antisemiten über die Vorbereitungen, welche von den Gegnern zur Sprengung der Versammlung des deutsch-nationalen Mariahilfer Vereins getroffen worden waren, in folgenden Worten: „In der unweit der „Schönen Schäferin" befindlichen „Gumpendorfer Bierhalle" hatte sich eine große Anzahl Scandalmacher aus allen Bezirken Wiens, sowie aus den Vororten eingefunden, wo sie mit Freibier in der ausgiebigsten Weise bewirthet und so in die für den geplanten Feldzug nöthige Stimmung versetzt wurden." Das deutsch-nationale Antisemitenblatt behauptet sogar, daß einige der Eindringlinge die Absicht hatten, in dem Gasthause „zur schönen Schäferin" das Gas abzudrehen, und daß dies nur durch das energische Einschreiten des Gastwirthes vereitelt wurde. Andererseits wird in dem vom Gemeinderathe Vetter herausgegebenen antisemitischen Wochenblatte behauptet, Dr. Plattai und einige ihn begleitende Gemeinderäthe und Bezirksausschüsse hätten nur die Absicht gehabt, den Eintritt in den Saal zu verlangen, um dort zu sprechen, und namentlich der Bezirksvorsteher habe die Absicht geäußert, „beruhigend und aufklärend" zu wirken; als sie aber in das Extrazimmer eintraten, hätten die sich ihrer Ueberzahl bewußten deutschnationalen Herren, unter denen sich nur wenige gereifte Männer befanden, Miene gemacht, die Eingetretenen zu insultiren. Daffelbe Wochenblatt erklärt ferner dem deutsch-nationalen Antisemiten- Organ gegenüber, es sei eine „unverschämte Lüge", daß dieAnhänger des Dr. Pattai mit „nachgedruckten Karten" versehen wurden, und eine „ehrlose Lüge", daß Dr. Pattai gerufen habe: „Pereat Schönerer!" Letzteres wird aber von den „Deutsch- Nationalen" aufrecht erhalten. Ueber die Rauferei, welches als Nachspiel der tumultuarischen Versammlung auf der Gasse vor dem Caf« Mayerhofer stattfand, berichtet das Blatt des Herrn Vetter, der Exceß sei von einem ehemaligen Bediensteten deS deutsch-nationalen Antisemitenblattes, Namens Wagner, der jetzt „Kunstzauberer" sei, herbeigeführt worden, der zuerst einen Bürger schmählich mißhandelt habe und dann seiner Schimpfereien wegen aus dem Cafä gewiesen worden sei. Auf der Straße spielte sich nun nach der Darstellung des Vetter'schen Blattes folgende Scene ab: Gemeinderath Vetter, welcher hinausgetreten war, um den Namen eines der Schimpfer zu erfahren, befand sich dem Zauberer Wagner gegenüber, welchem Vetter in Anbetracht seiner Nothlage im letzten Herbst die Schulbücher für seine Kinder creditirt hatte. Wagner sagte zu Vetter: „Herr Gemeinderath, ich bin Ihnen noch etwas schuldig!" worauf Letzterer erwiderte: „Das macht nichts!" In demselben Momente holte Wagner aus, versetzte Vetter mit den Worten: „Hier haben Sie für heute eine Abschlagszahlung" blitzschnell einen Fauftschlag ins Gesicht und lief davon. Im nächsten Moment war