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Der Israelit · 1889-12-24 · Heft 100-101 (24.12.1889) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 100-101 (24.12.1889)
Date
1889-12-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1749 feierten, daß weiter der Schulchan Aruch trotz allem Ansehen und aller Gelehrsamkeit des Karo und Jsftrlcs nur das Werk eines Menschen, nicht aber ein solches, welches mit Vertretung des Gesammt- Judenthums versehenen Fachautoritäten verfaßt hätten, daß Karo sich oft auf die Ansicht der Mehrheit stützt, hingegen aber in Religionssachen ein solches mathematisches Vorgehen nicht berechtigt sein kann (?) und daß endlich des Schulchan Aruch einzelne Theile wie der Orach Chajim und Jore Deah mit kabbalistischen Vorschriften saturirt sind." Ich weiß wirklich nicht, ob diesen Behanptungnn Bosheit, Unwissenheit oder aber beides zu Grunde liegen! Allenfalls ist es ein eklatantes Symptom der Art und Weise, mit welchen Mitteln die Kongreßpartei die Idee der „einheitlichen Organisation" — denn zu diesem Zwecke wurde der Artikel geschrieben — begründen und herbeiführen will. Der Herr Abgeordnete brauchte ja eben kein Talmudist und noch weniger ein jnd. Gelehrter zu sein, um den Grundsatz der h. Thora: „B'm nn« roonb", wonach bei jeder Entscheidung der Mehrheit nachgegeben werden müsse, zu kennen; ein einmaliges Durchlesen einer richtigen Ucbersetzung der h. Schrift würde ihn von seiner irrigen Behauptung abgebracht haben. Einer jedoch, der die h. Schrift nicht einmal in der Uebersetzung gelernt, sollte sich — und wenn derselbe auch ung. Landtags-Abgeordneter ist — nicht anmatzen, über eine von der ganzen Judenheit anerkannte Autorität ein leichtfertiges unbegründetes Urtheil zu fällen! Kennt er aber die jüdischen Religionsgesetze, weiß er es, daß laut unseren Vorschriften in Allem und Jedem die Mehrheit entscheidet und hat ge fkisse ntlich die lügenhafte und falsche Ansicht geäußert; umso ärger und verabscheuungswurdiger! Jedenfalls ist es eine nie zu motivircnde, auf Unversirtheit der Regierung berechnete und daher einem intelligenten Menschen nicht ziemende Handlung! Ein Jude, der von solchen jüd. Kapazitäten in so einem Tone spricht, einer der, um die Behauptung der Orthodoxie, wonach unter den jüdischen Parteien dogmatische Unterschiede vorhanden, zu widerlegen, — es nicht unterschätzt, mit augenscheinlichen Lüge vor — die Oeffentlichkeit zu treten, ein solcher wagt es, die gesetzestreuen Juden unter solcher Begründung zu einer „einheitlichen Organisation" aufzufordern und die Regierung zu einem diesbezüglichen Gesetze animiren zu wollen — wahrlich, das würden wir uns nicht vorgestellt haben! Und nun noch ein Wort an unsere Reformpartei: Die ung. gesetzestreuen Juden können und werden nur dann in eine einheitliche Orgauisatlon willigen, wenn die Reformpartei öffentlich erklärt, daß sie in allen ihren Einrichtungen und Gebräuchen die Vorschriften des Schulchan Aruch und der auf Grund dieses von allen gesetzestreuen Israeliten anerkannten späteren Autoritäten gemachten Zusätzen für bindend hält und demgemäß die bestehende Gegensätze, wie: Orgel, Damenchor, derartgeftaltetes Seminar u. m. d. gänzlich abschafft. Solange dies nicht geschieht, wird auch keine einheitliche Organisation zu Stande 'kommen. Denn, wie schon eingangs erwähnt, wem Religionsbekenutniß kein leerer Wahn ist, wem es wahrhaft ernst mit der Wahrheit des Judenthums ist, kann unmöglich verlangen, daß die gesetzestreuen Juden mit der Reformpartei eine religiöse Gemeinschaft bilden sollen, da dieser viele Grundsätze des wahren Judenthums zum Opfer fallen müssen, was wieder einen an der heiligen Religion ansgeübten Mord involviren würde und nichts als Läge und Heuchelei wäre! Uebrigens scheint die ganze Bewegung in den Ideen des von Dr. Auerbach verfaßten jüngst erschienenen Buches zu gipfeln, und soll deren Realisirung nur eine Staffel zur Forderung aller in demselben entfallenen Ideen sein, die in diesen geschätzten Blättern ihrem Werthe nach eingehend beleuchtet wurden. Nach all dem Gesagten glauben wir uns der angenehmen Hoffnung hingeben zu können, daß die Regierung, die gerechten Einwände der Orthodoxen einer gebührenden Beachtung würdigend, sich von unseren wahrlich mit unwürdigen Waffen gegen uns kämpfenden Gegnern nicht hinreißen lassen werde, einen Akt der Intoleranz und des Gewissenszwanges zu begehen. Unfern mit unverbrüchlicher Treue an den ererbten, theucren Satzungen der heiligen Lehre festhaltenden Brüdern aber rufen wir zu: ptnrui p;n y’oy nyn! Möge uns der Allmächtige zu den zu überstehenden Kämpfen seinen Beistand verleihen! Leopold Großberg. Rußland. Petersburg. Das Ministerium „fürMolkswissenschaft" hat zwei Reßierungsbeamten beauftragt, die 17 Kolonien im Gouvernement Cherson zu besichtigen und über den Bestand derselben ausführlichen Bericht zu erstatten. Die beiden Regierungsbeamten haben sich ihrer Aufgabe entledigt, und in ihrem Berichte, welchen sie dem Ministerium unterbreiteten, heißt es unterm andern, wie folgt: „Die 17 jüdischen Kolonien blühen und berechtigen

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