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Der Israelit · 1889-12-24 · Heft 100-101 (24.12.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 100-101 (24.12.1889)
Date
1889-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1741 zur Zahlung von Alimenten verurtheilt; allein so etwas gefällt dem Führer des „ethischen" Antifemitenkampfes nicht, und so hat er der Mutter ihr Kind abnehmen wollen, um die peinliche Alimentationsgeschichte aus der Welt zu schaffen. Der dieserhalb geführte Briefwechsel zwischen Herrn Böckel und dem von ihm verlassenen armen Mädchen ist höchst lehrreich für Jene, welche an die sittliche Verkommenheit des Antisemitismus nicht glauben mögen. Der Schreiber dieses ist im Besitze der Böckel'schen Briefe und kann verrathen, daß ihm derlei widerwärtige Dinge noch niemals unter die Augen gekommen waren, wie sie in den Briefen des Parlamentariers enthalten sind. Die Civilkammer des Mannheimer Landgerichts hat nun gestern, Mittwoch, Herrn Böckel mit seiner Forderung abgewiesen. Ratibor, 18. Dezember. In glanzvoller Feier wurde heute in Gegenwart des Prinzen Egon von Ratibor, der Spitzen aller Behörden und der Geistlichkeit aller Konfessionen der neue israelitische Prachttempel eingeweiht Die begeisiernde Weiherede des Rabbiners Dr. Blumenthal machte einen mächtigen Eindruck. Aachen. Fräulein Sophie Baruch hat unserer Stadt außer verschiedenen für das Museum bestimmten Gegenständen die Summe von 42,000 M. vermacht zur Errichtung einer Stiftung, aus deren Zinsen alljährlich ein armes israelitisches Brautpaar von unbescholtenen Sitten ausgestattet werden soll. Weiterhin bestimmte die Erblasserin 33,000 M. zu einer Stiftung für junge, unbescholtene, mittellose Künstler, Graveure, Maler, Bildhauer 2c. Beide Stiftungen sind von den Stadtverordneten angenommen worden. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 21. Dezember. Heute fand die Verhandlung gegen Dr. Fischer und den antisemitischen Journalisten Wolf wegen Verbrechens des Zweikampfes statt. Dr. Fischer hatte Wolf gefordert, weil ihn dieser in unfläthigfter Weise angegriffen, als er in Ausführung seines Berufes als Vertheidiger im Gerichtssaale bei einem Plaidoyer gegen antisemitische Hetzereien gesprochen. Fischer wurde zu sechswöchigem einfachen Kerker, verschärft mit zwei Tagen Einzelhaft, Wolf zu vier Wochen Kerker verurtheilt. Wien. Samstag Abend hielt Baron Mundi, der Chef der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft, einen medizinischen Vortrag über die herrschende Influenza und führte aus. daß dieselbe zwar eine unangenehme, aber Keineswegs eine lebensgefährliche Krankheit sei. „Bei uns herrscht jetzt" — sagte Baron Mundi zum Schluß — „leider auch eine andere Epidemie, die viel gefährlicher ist, als die eben geschilderte, nämlich eine geistige Influenza, die im Racen- und Klaffenhaß ihren Ausdruck findet. Es ist eine Schande für unsere Zeit, welche so herrliche Errungenschaften auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit hervorgerufen, daß wir auch eine solche Epidemie der Erstarrung der Geister und der Verschnupfung der Herzen verzeichnen und erleben müssen, daß Mitbürger wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens bekämpft werden." Stürmischer Beifall folgte diesen Ausführungen. England. London. Dieser Tage feierte Frau Rachel Prüf sie ihren 107. Geburtstag. Dieselbe ist noch in vollsten Besitze aller ihrer Sinne und es ist ganz merkwürdig zu beobachten wie klar ihr Gedächtniß über Ereignisse aus ihrer Jugend ist. Am verflossenen Versöhnungstag fastete sie den ganzen Tag, und erst in den letzten Wochen hat I sie noch ein ms» jd-in angefertigt. Sie liest viel in hebräischen Büchern, und ihre Frömmigkeit findet in den Worten Ausdruck, die sie ihren Besuchern auf die Frage gibt, wie so sie ein so hohes Alter erreicht: Ich habe stets unter dem Schutze des idw gestanden. Türkei. Konstantinopel. Während des Aufenthaltes des deutschen Kaiserpaares hat die Kaiserin eine Deputation jüdischer Frauen auf die huldvollste Weise in Audienz empfangen. Die Führerinnen der Deputation, Madame Elias Pascha, die Gemahlin des Leibarztes des Sultans, und Madame Lea Almakan, Tochter des Oberrabbiners, wurden besonders ausgezeichnet und zum Thee bei Ihrer Majestät eingeladen. H o l l ä n d i s ch - W e st i n d i e n. Herr Salomon C. Henriquez ist zumGeneral- Procurator der Colonie von Eura^ao ernannt worden. Am 1. November waren es dreißig Jahre, daß er in den Dienst der Regierung getreten ist.

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