Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 100-101 (24.12.1889)
- Date
- 1889-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1739 hing, welche das Antlitz dem Eingänge des Gotteshauses zuwendet, zu geräuschvoll, und da glaubt er ein Großes zu thun, wenn er die Alten meistert. Wir wissen sehr wohl, daß diese und andere in Veuthen beliebte Neuerungen keineswegs ureigne Erfindung der oberschlesischen Herren sind. Es wird dort jetzt nur nachgeahmt, was leider in sehr vielen Gemeinden thörichter und gedankenloser Weise bereits geschehen ist. Um so schwerer trifft aber der Vorwurf gedankenloser Nachahmungssucht. Die Herren in Beuthen hatten ja Gelegenheit, und wahrlich auch Veranlassung genug, sich über den Effekt dieser kindlichen Nachäffereien zu vergewissern. Sie hätten sich dann überzeugt, wie jämmerlich und zum Nachtheil für den wahren gottesdienstlichen Zweck sich dieselben bewährt haben, sie hätten davon zurückkommen müssen, sich durch dergleichen sehr unzeitgemäße und bereits veraltete Neformversuche lächerlich zu machen. Vor dreißig, vierzig und fünfzig Jahren wäre damit noch, allerdings rasch welkende Lorbeeren zu erringen gewesen, aber jetzt dürfte es in der Tyat für diese Resormthaten viel zu spät sein. Die gottesdienstlichen Gebräuche, welche von den Altvordern der Gegenwart überkommen sind, bezeugen das tiefe Verständniß der Alten für den Inhalt der Liturgie und für die Bedeutung der einzelnen Momente des Gottesdienstes. Sie sind die würdevollen Formen, welche die Weihe des Gottesdienstes erhöht und die Andacht fördert. Wie sie dem klaren Bewußtsein des gottesdienstlichen Zweckes entsprungen sind, also haben sie ganze Reihen vorangegangener Geschlechter zur wirkungsvollen Begehung des Gottesdienstes in hervorragender Weise genützt und sind ein integrirender Theil desselben geworden. Der lebendige Gedanke webte in ihnen und darum bewährte sich ihre befruchtende Geist erhebende und Herz erquickende Kraft in dem Geistes- und Gemüthsleben der Vergangenheit und fährt Gottlob auch in der Gegenwart fort, dem liturgischen Gedanken als geeignetster Vermittler zu dienen. Die Jahrhunderte haben sie außerdem geheiligt und sie mit der Liturgie, der sie als treue Begleiter zur Seite stehen, fast unauflöslich verbunden. Eine Trennung der Liturgie von diesen Formen ist ohne Zerstörung eines sehr wesentlichen gottesdienstlichen Faktors nicht möglich. Die unvernünftige Absicht einer solchen kann nnr dort gehegt werden, wo bereits auch die Liturgie selbst keinen Eingang zu Geist und Herz findet, ja wo das jüdische Bewußtsein schon im Abstrebcn begriffen ist. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Karlsruhe, 10. Dez. Heute erhielt ich die . Probenummer einer neuen jüdischen Zeitung,; die sich die „Israelitische Zeitung" nennt. Dieselbe erscheint in Freiburg i. Br., und wenn auch als Redacteur ein Herr Burgheimer zeichnet, der zugleich der Verleger ist und wohl dieser Beschäftigung ausschließlich sich widmen wird, so scheint doch der als Verfasser verschiedener Artikel figurirende Rabbiner Dr. Lewin daselbst, ein Zögling des Breslauer Rabbiner-Seminars, der Spiritus reetvr zu sein. Ueber die Bedürsniß-Frage ließe sich streiten, da gerade im Badischen in den meisten frommen Familien der „Israelit" gehalten wird und überall segensreich wirkt, die Religiosität und den jüdischen Geist erhält und nicht selten ihn dort, wo er schon zu schwinden beginnt, wieder belebt. Aber vielleicht erscheint den Begründern des neuen Blattes dasselbe nothwendig, nicht obgleich, sondern weil der „Israelit" so verbreitet ist. In einem schon vor einigen Wochen versandten Cirkulare wird wenigstens darauf hingewiesen, daß es bisher nur 'jüdische Zeitungen gebe, welche den Standpunkt einer Partei vertreten, die neue Zeitung aber ein völlig unparteiisches Organ sein solle. Also farblos, oder, was dasselbe sagen will, in allen Farben schillernd, wie das Breslauer Seminar, die würdige Großmutter des neuen Blattes. Nach alledem, zumal noch privatim mitgetheilt worden war, daß die neue Zeitung den edlen Zweck verfolgen und wahrscheinlich erreichen werde, den „Israelit" zu verdrängen, konnte man gespannt der Probe-Nummer entgegenblicken. Aus die Frage: „Wie soll's werden?" wird nun folgendes „Programm" entwickelt, von dem ich der Kuriosität halber das erste „Hauptstück" Ihren Lesern nicht vorenthalten will. fUHe foll's rrrerdrn In einem Badeorte hatten sich mehrere Männer getroffen, die Gefallen an einander fanden. Sie nahmen ihren Kaffee gemeinsam ein, machten Ausflüge zusammen — und erfuhren dadurch, daß sie alle Israeliten seien. Gern hätten sie auch Mittags an einem Tische gespeist. Da aber traten die Speisegesetze hindernd dazwischen. Die einen wollten nur in einem „koschern" Hotel essen, was die anderen durchaus nicht thun wollten. Wo speisen Sie, Herr Doktor — wandten die Fürsprecher des Trefa- Essens sich an einen der neueren Richtung zugehörigen Rabbiner. Wo anders, als bei Cohn? war die Antwort! Wie, auch Sie? Ist das mit Ihrer Richtung vereinbar? Nicht allein vereinbar, sondern von ihr gefordert! Glauben die Herren, daß wir, die wir den Gottesdienst in unserem Gcschmacke und unseren Anschauungen gemäße Formen