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Der Israelit · 1889-12-19 · Heft 99 (19.12.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 99 (19.12.1889)
Date
1889-12-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1718 Gemeinde vermißten, so führten dieselben endlich den seit Jahren gehegten Plan durch, einen Tempel zu bauen, und man brachte bald den nöthigen Fond für den Ankauf eines Grundstückes zusammen und sobald man erst dieses hatte, liefen auch Gelder ein, um den Bau des Gotteshauses für die sogenannte „orthodoxe", d. h. strenggläubige Gemeinde zu beginnen. Der Name der neuen Synagoge ist „Zichron Ephraim", d. h. zum Andenken an Ephraim Weil, dessen Söhne Jonas und Samuel Weil reichlich zum Ankauf des Grundeigenthums, sowie für den Bau des Tempels beigetragen haben. Die Grundsteinlegung begann gegen 2J/2 Uhr gestern Nachmittag, und nachdem Herr Max Cohen, der Vorsitzende der Trustees der neuen Gemeinde, den Zweck der Zusammenkunft klar gelegt hatte sang der Chor der Eldridge Str.-Gemeinde unter Leitung des Vorsängers und Kantors P. Minkowsky den 84. Psalm: „Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Ewiger Zebaoth." Darauf sprach der zukünftige Rabbiner der Gemeinde, Dr. Drachmann, ein Gebet und hielt, da der Ober-Rabbiner der vereinigten orthodoxen Kongregationen, Jacob Joseph, noch nicht erschienen war, eine Ansprache an die Anwesenden. Als der Ober-Rabbiner sodann erschien, segnete dieser die Versammlung und sprach in einer kurzen, aber wohl durchdachten Rede über die Bedeutung des orthodoxen Judenthums; er warnte die Anwesenden, die ihnen von ihren Vorvätern überlieferten Sitten und Gebräuche aufzugeben. Darauf hielt der Rabbiner Dr. H. O. Mendes von der portugiesischen Gemeinde an der 8. Ave. und 19. Str. ebenfalls eine Ansprache. Nun folgte die Grundsteinlegung, wobei der Vorsitzende des Bau-Komites, Herr Jonas Weil, die Ceremonien leitete und zum Schluffe derselben eine Ansprache hielt. Coroner Ferdinand Levy ergriff sodann das Wort und sprach in einer längeren, schwungvoll gehaltenen Rede über „die Bedeutung des^ Judenthums und den Einfluß desselben auf Kunst und Wissenschaft". Dem Redner wurde am Schluffe seiner Rede lebhafter Beifall zu Theil. Chor und „Chorsan" sangen darauf den Psalm 132, worauf Rabbiners Dr. M. Maisner von der 57. Str.-Synagoge das-Schlußgebet sprach, womit die Feierlichkeit endete. Die neue Synagoge wird eine 90 Fuß breite Front haben, etwa 1000 SitzplätzeFenthalten und soll genau nach .altjüdischem Stile gebaut werden. In dem neuen Gotteshaus wird sichrem „Almemar" und „Aron Hakkodesch" und außerdem noch Extraräumlichkeiten für einen sogenannten „kleinen Tempel",MrZeine Religionsschule und ein Sitzungszimmer für den Vorstand der Gemeinde befinden. Die Trustees der Gemeinde sind; Max Cohen, Vorsitzender, und die Herren Weil, Adolph, S. Kalischer, William, Prayer, Phillipp Simon, Barnet Herman, Lewis Meyers, Lev. Hutter und Emanuel Arnstein. Das Bau-KomitL besteht aus den Herren Jonas Weil, Vorsitzender, Raphael Sterman und den Mitgliedern des Verwaltungsraths. Vorsitzender des Empfangs-Komitss war Charles Heller. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. In dem Comptoir des Bankhauses M. L. Bärwald herrschte ungewöhnliche Erregung; die jungen Leute steckten die Köpfe zusammen, halblaute Redensarten wurden gewechselt, während aus dem angrenzenden Privatzimmer des Chef hin und wieder eine flehende Stimme drang, mehrfach unterbrochen durch lautes Schluchzen. Alle Federn ruhten, nur die des ersten Buchhalters glitt unaufhaltsam über das Papier, das sich mit Schriftzeichen bedeckte; aber auch in den Zügen des Alten spiegelte sich die allgemeine Erregung. Er hatte die buschigen Brauen finster zusammengezogen, so daß sie eine grade Linie unter der tiefgefurchten Stirn bildeten; aus seinen tiefliegenden Augen schienen hin und wieder Blitze zu schießen, wenn er sie auf einen der jungen Leute richtete, der zuweilen lauter als die übrigen seine Ansichten und Bemerkungen zum Besten gab. „Sie sollten nicht so schnell verurtheilen, Herr Adolf", sagte der Buchhalter kopfschüttelnd, „erwiesen ist es durchaus noch nicht." „Was ist nicht erwiesen?" fragte der junge Mann heftig, indem er den Alten herausfordernd anblickte. „Daß Steinheim sich eines Verbrechens schuldig gemacht hat, ist nicht erwiesen", entgegnete der Buchhalter, jedes Wort betonend. Der junge Mann lachte gezwungen. „Verzeihen Sie meine Heiterkeit, lieber Herr Buchholz, aber wie sagen doch die Lateiner? äiküeils — ja, weiter geht es nicht, ich bin mit meinem

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