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Der Israelit · 1889-12-19 · Heft 99 (19.12.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 99 (19.12.1889)
Date
1889-12-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1719 Latein rasch zu Ende", und abermals brach er in } Lachen aus. Vuchholz zog^die Stirne noch tiefer in Falten. „Sie lachen", sagte er vorwurfsvoll, „und da drinnen windet sich Frau Steinheim in Verzweiflung".! „Sie haben recht, daß Sie mich an das Unstatthafte meines Lachens mahnen", entgegnete der junge Mann ernst, „die unglückliche Frau ist jedenfalls unschuldig." „Jedenfalls", wiederholte der.Buchhalter mit Bestimmtheit „und ich hoffe, so sehr auch die Umstände gegen ihn sprachen, daß sich dennoch Steinheims Unschuld Herausstellen wird." „Das begreife ich nicht", versetzte Adolf, „so lebhaft ich es auch wünschte. Aber ich bitte Sie, Wie ist es nur möglich, an seiner Schuld zu zweiflen? — Er reist gestern Abend ab, nachdem er seiner Frau erklärt hatte, im Aufträge meines Vaters auf einige Tage verreisen zu müssen. Papa aber weiß von nichts, und nachdem wir heute Morgen lange vergebens auf ihn gewartet und auf Erkundigung in seinem Hause von seiner Abreise erfahren haben, öffnete Papa die Kasse und findet sie leer, und Sie sowohl als Papa wissen mit Bestimmtheit, daß gestern mindestens Fünfzehntausend Gulden darin gewesen. „Ich gebe es ja zu", erwiderte Buchholz seufzend, „alle Umstände sprechen gegen ihn — und dennoch — ich kann an seine Schuld nicht glauben." Adolf zuckte die Achseln und murmelte einige unverständliche Worte, Buchholz fuhr fort: „Man wird nicht über Nacht ein Lump, wenn man sein ganzes Leben hindurch brav und redlich gewesen ist. Ich kenne Steinheim seit nahezu zwanzig Jahren, seit er im Alter von vierzehn Jahren in unser Comptoir eingetreten ist, nie, auch nicht ein einziges Mal hat er sich auch nur der geringsten Nachlässigkeit schuldig gemacht. Seit fünf Jahren ist er Kassier, Hunderttausende sind durch seine Hände gegangen ohne —" „Pst!" unterbrach er plötzlich sich selbst, als die Thür des anstoßenden Zimmers sich öffnete, und eine dunkel gekleidete, tief verschleierte Dame, ohne Gruß und ohne um sich zu blicken, hastigen Schrittes dem Ausgang zueilte. Doch sie mußte ihre Kräfte überschätzt haben, noch bevor sie die Thür erricht hatte, schwankte sie und Stütze suchend, lehnte sie einen Moment gegen einen der Schreibpulte. Mit einem Satze war der alte Buchhalter an ihrer Seite, ohne ein Wort zu reden zog er ihren Arm in den seinen und mit einer gewissen väterlichen Zärtlichkeit geleitete er die Zitternde. „Haben Sie die Güte, Herr Gerhard, meinen Hut —" Einer der jungen Leute reichte ihm das Verlangte. „Danke Ihnen — Wenn Herr Bärwald nach mir fragen sollte, ich bin sofort wieder hier." Die Thür hatte sich hinter den sich Entfernenden geschlossen, die jungen Leute arbeiteten wieder mit doppeltem Eifer, sie hatten nachzuholen; nur einer von ihnen, es war derselbe, den der Buchhalter Herr Adolf genannt hatte, saß noch immer müßig da. Er hatte die Stirn in Falten gezogen und nagte an der Feder, ohne auf das vor ihm liegende Buch einen Blick zu werfen. „Wo ist Herr Buchholz?" fragte plötzlich die Stimme des Chefs, der, ohne von den in ihre Arbeit vertieften bemerkt worden zu sein, in daS Comptoir getreten war. „Er ist mit der Steinheim fortgegangen, Papa", entgegnete Adolf. „Fortgegangen mit Frau Steinheim?" wiederholte Bärwald. „Frau Steinheim schien sich nicht recht wohl zu fühlen", erklärte einer der jungen Leute, „Herr Buchholz sagte, er werde sofort wieder hier sein." Bärwald athmete tief auf und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Sobald Herr Vuchholz kommt, bitte, ihm zu sagen, daß ich ihn erwarte." Langsamen Schrittes begab er sich wieder zurück m sein Arbeitszimmer, mißmuthig blickte sein Sohn ihm nach. „Buchholz und immer Buchholz" murmelte er für sich hinein, „zu allem soll der Alte seinen Senf geben, während der eigene Sohn —" Er vollendete den Satz nicht, richtete sich jedoch mit einer gewissen Hast aus seiner bisherigen nachlässigen Stellung auf und dem Anscheine nach, einem plötzlichen Einfalle nachgebend, folgte er dem Vater. Er traf denselben nicht wie sonst am Schreibtisch, Värwald durchmaß vielmehr mit raschen unregelmäßigen Schritten das Gemach. „Fatale Geschichte!" murmelte er, „ich hätte mein Wort nicht geben sollen —" Der Sohn warf einen gewissen lauernden Blick auf den Erregten, noch einen Moment zögerte er, dann aber fragte er in gedämpftem Ton: „Wem hast du dein Wort gegeben, Papa?" Bärwald wandte sich hastig zu ihm, abermals fuhr er mit der Hand über die Stirn, aber er antwortete nicht. Adolf wiederholte seine Frage. „Was hast du versprochen, Papa?" fügte er hinzu.

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