Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 99 (19.12.1889)
- Date
- 1889-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1717 forderungen der gesetzestreuen Israeliten zu entsprechen, wenn dieselbe sich rnit ihr vereinigen! Hiedurch wäre die leidige Organisationsfrage sofort und auf bester Weise gelöst. Die Kongreßpartei ist jedoch nicht Willens so etwas zu thun; daher kann auch von einer einheitlichen Organisation keine Rede sein. Und zwar ans folgenden Gründen: „Wenn einheitlich organisirt, dürfte und könnte in einer Stadt nur eine Kultusgemeinde existiren. Wenn nun in einer Gemeinde der fortschrittliche Geist die Macht für sich usurpiren würde, so wären doch trotz des versprochenen Entgegenkommens die Gesetzestreuen gezwungen, den mit Orgel und Chorgesang von nichtjüdischen Schauspielerinnen (!) versehenen Tempel zu besuchen, oder sich wenigstens, wenn ihnen ein anderes Beizimmer zur Verfügung gestellt, in allen andern Hinsichten als eine von dem Wohlwollen der die Macht besitzenden Majorität abhängige Minorität zu betrachten. Ein gesctzcstrcuer Jude kann keinesfalls einen Zögling des Budapester Seminars als seinen Rabbiner anerkennen, da es um die Religiosität und rabbinische Ausbildung desselben sehr schlecht bestellt ist. Zur Begründung dieser Behauptung sollen die gesch. Leser nur an einige diesbezügliche Mittheilungen im „Israelit" erinnert werden; als persönlicher Augenzeuge wieder bin ich in der Lage einen Fall zu konstatiren. Es besuchte nämlich ein im Pesther Seminar absolvirter amtirender Rabbiner einen orthodoxen Rabbiner; es wurde über Vieles gestochen und dcbattirt, bis endlich der bei seiner Partei als sehr fromm geltende Seminarist sich erdreistete, dem orth. Rabbiner ins Gesicht zu sagen, er glaube ebensowenig an'I'O "in nvpv, wie an die übrigen, biblischen Wunder'.!! Daß dies nicht die Meinung eines Einzelnen, beweist dieThatsache, daß als Schreiber dieses einmal, genaue Ueberzeugung über die in der Anstalt entfalteten Anschauungen haben wollend, einen, einstigen bekannten Schüler ersuchte, ihm Eintritt zu einem Vortrage zu verschaffen, Jener das Ersuchen mit der Motivirung ablehnte: „Der Herr Professor sieht es ungern, wenn ein Fremder während des Vortrages anwesend ist, da er nicht will, daß Jeder wisse, was für Ansichten er über die h. Bücher habe und in welchem Geist er dieselben auffaßt!" Aber zugegeben, die Majorität wäre so tolerant, auch den gesetzestreuen Israeliten einen ihren Anforderungen entsprechenden Rabbiner anzustellen, so müßte doch dieser unbedingt dem Oberrabbiner untergeordnet werden, womit wieder die Orthodoxen nicht einverstanden sein können. Ebenso verhält es sich hinsichtlich der anderen Gemeindeangelegenheiten. — Ganz anders jedoch, wo die Orthodoxen die Majorität besitzen würden. Der Neologe findet darin keinen Anstoß, wenn er auch gezwungen ist, sein Gebet im Tempel auch ohne Orgel- und Sängerinnenchor zu verrichten, geht er ja außer den hohen Feiertagen höchstens am Jahrzeitslage ins Gotteshaus und hat auch mit dem Rabbiner, keine mW fjabcub, sehr wenig Verkehr, der Schächter wieder ist ihm noch zu orthodox oder er benöthigt ihn gar nicht! — (Schluß folgt.) Pefth. Betreffs der Koscher-Fleischausschrottung ist dieser Tage ein neuer Erlaß des Handelsmiuisters erflosscn. Dieser lautet dahin, daß die Koscher-Fleischausschrottung nur daun zu den autonomen Rechten der Kultus-Gemeinde gehört, wenn das Fleisch von ihren eigenen Gemeindenmitgliedern verzehrt werden soll. Sollte jedoch das Koscher- Fleisch außerhalb des Gebietes der betreffenden Gemeinde consumirt werden, da kann die Gemeinde das Schlachten oder Ausschrotten nicht verbieten. Amerika. New-Aork, 5. Dezember. Eine bedeutende Anzahl strenggläubiger Israeliten hatte sich gestern Nachmittag gegen 2 Uhr zu der Grundsteinlegung der Synagoge der Gemeinde „Zichron Ephraim" an der 67. Straße, zwischen Lexington und 3. Ave., eingefunden. Die Gemeinde ist zwar erst kürzlich iukorporirt worden, jedoch die große Anzahl der Anwesenden spricht dafür, daß die neu gegründete Gemeinde eine große Zukunft vor sich hat. Schon lange war es der Wunsch strenggläubiger Israeliten, einen Tempel in der oberen Stadt zu bauen, woselbst man auf das strikteste die alten Gebräuche und Sitten durchführen will, weil sie durch Bibel und Talmud vorgeschrieben sind. Seit Jahren bereits ging man mit der Idee um; da sich aber in unmittelbarer Nähe, wo der jetzige Tempel sich erheben soll, schon zwei israelitische Gotteshäuser befinden, so schritt die Verwirklichung der Idee nur sehr langsam vorwärts. Die indirekte Veranlaffung für den Bau des Tempels war der Umstand, daß der Rabbiner Dr. B. Drachmann sein Amt als Prediger der jüdischen Genleinde an der Ecke der 72. Straße und Lexington Avenue niederlegte, weil die Mehrzahl der Gemeindemitglieder seinen Principien nicht folgte. Rabbiner Drachmann zog nach Brooklyn; da ihn jedoch die frommen Mitglieder seiner früheren