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Der Israelit · 1889-12-16 · Heft 98 (16.12.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 98 (16.12.1889)
Date
1889-12-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1707 Berlin, 11. Dezember. Zur Frage des. Ausschlusses der Juden vom Offizierkorps erhält die „Freis. Z." von einem Betheiligten, dessen Namen sie unter Umständen nennen will, folgenden charakteristischen Beitrag: „Bei Beginn des Krieges 1866 l^U Jahre alt, meldete ich mich sofort freiwillig zum Abdienen meines Dienstjahres (am 11. Juni) zum 2. Thür. Jnf.-Reg. Nr. 92, wurde am 11. November zum Gefreiten befördert und machte mein schriftliches Examen zur Qualifikation als Landwehroffizier nach Angabe des dirigirenden Lieutenants .mit gutem Erfolg: da mir aber von diesem Letzteren der „Rath" ertheilt wurde, mußte ich von dem praktischen Examen zurückstehen, „weil meiner Jugend wegen mir die nöthige Autorität über die Leute fehle!" Im Jahre 1870 bei Beginn des Krieges meldete ich mich sofort vom Auslande zurückkehrend, am 20. Juli zum 5. Rhein. Jnf.-Reg. Nr. 6S, wo ich mich sehr bald zur nachträglichen Ableistung der Landwehroffizier-Prüfung meldete. Am 6. August zum Unteroffizier befördert, habe ich ohne eine Stunde zu fehlen, sämmtliche Schlachten, Gefechte, Cernirungen und Märsche deS Regiments mitgemacht, und erhielt nach einem Gefechte von meinem Hauptmanne Materne (1. Komp.) vor der Front den Glückwunsch „für mein ausgezeichnetes Bestehen der Offiziersprüfung". Am 16. Januar wurde ich zum Vizefeldwebel befördert, und am 19. Januar in der Schlacht bei St. Quentin als Zugführer durch einen Schuß dicht unter dem Knie schwer verwundet. Im Lazarett) erhielt ich Briefe meines Kompagniechefs, worin er seiner Freude Ausdruck gab, daß ich wieder hergestellt zu werden Hoffnung hatte, und theilte mir mit, daß meine Wahl zum Offizier ftattfinden werde, sobald das Regiement zur Ruhe komme. Nach dem Einzüge des Regiments wiederholte der Oberst v. Dörnberg diese Zusage, aber ohne daß ich hierüber jemals Weiteres erfuhr, außer einer Andeutung, daß in meiner Religion der Grunde liege, weßhalb es nicht zur Wahl gekommen sei von einem mir befreundeten Landwehr-Offizier. Ich wurde dekorirt mit dem eisernen Kreuz II. Klaffe und erhielt das Führungszcugniß in jeder Beziehung vorzüglich." Für den Ausschluß der Juden aus dem Offizierkorps tritt die „Deutsche Osfizierszeitung" Militärzeitschrift und Offertenblatt für die deutsche Armee, ein, die in Berlin erscheint. In dem Artikel wird ausgeführt, daß daS Offizierskorps in gewissem Sinne ein Verein sei, der keinen in seiner Mitte dulde, der dahin nicht gehöre; das sei ein gutes Recht. Nach den Satzungen und Bestimmungen des Offizierkorps sei jeder verpflichtet, Satisfaktion zu geben; man wisse aber, wie man darüber in gewissen Kreisen denke. Deßhalb könne man solche Elemente nicht wählen. Daß das OffizierkorpS einem jüdischen Aspiranten von vornherein Mißtrauen entgegenbringe, dürfe doch keinen in Erstaunen setzen. In erster Linie verlange man, daß der Offizier ein Gentleman im wahren Sinne des Wortes fei; dazu gehören selbstredend eine anständige Gesinnung und ein ebensolcher Charakter; dazu gehört ferner ein tadelloses Vorleben und die Gewähr, daß der Aspirant sich niemals zu einer unehrlichen Handlung hinreißen lassen wird. Frecher und verlogener kann wohl die antisemitische Agitation nicht betrieben werden, als in dieser sogenanten „Deuschen Osfizierszeitung" der Fall ist. Berlin, 12. Dezember. In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde der Antrag des CentrumS betreffend die Wehrpflicht der Geistlichen mit 127 gegen 111 Stimmen angenommen. Berlin. B a ch l e r, Redakteur eines der niedrigsten antisemitischen Organe, ist mit sämmtlichen judenfeindlichen Collegen auch bei der Stichwahl durchgefallen. Bald werden die Väter der Berliner Residenz ohne die geschworenen Judenhaffer fertig werden müssen. Wie sie die Aufgaben überwältigen werden, ohne die Zuthaten dieser Halbwilden, daS . zu erörtern, ist nicht unsere Sache. Aber wie ein Schriftsteller von der Qualität eines Helden der „Staatsbürger-Zeitung" einem Virchow gegenüberzutreten wagt, wie derselbe in einem von Israeliten bewohnten Stadttheil sich hervorwagt, das vermögen wir nicht zu fassen. Daß sich eine Parteileitung findet, die Bachter contra Virchow ruft, die für diese endlose Kluft keine Augen hat, daS drückt der Partei, die noch immer nicht liquidtren will, das charakteristische Gepräge auf. A. Berlin. Vor zehn Tagen war in der Berliner Stadtverordneten-Derfammlung ein in Berlin bereitetes antisemitisches Flugblatt zur Sprache gekommen, weil Virchow dem Anträge, gegen die Urheber dieses Flugblattes einen Verleumdungsprozeß anzustrengen, mit einer vernichtenden Aeußerung über den Antisemitismus entgegengetreten war. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Dersammlung hatte jene Debatte ein Nachspiel. Die Flugblatt-Affaire wurde neuerdings in die Discussion gezogen. Als dann Virchow den Sitzungssaal verließ, trat ein Ingenieur Häberlein, antisemitischer Führer und durchgefallener Candidat bet den letzten Stadtverordnetenwahlen, an ihn heran, be-

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