Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 98 (16.12.1889)
- Date
- 1889-12-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1708 kannte sich als Verfasser jener Flugschrift und verlangte Virchow die Zurücknahme seiner „ehrenrührigen Kritik". Virchow verweigerte dieselbe, Häberletn forderte ihn zum Duell, was Virchow damit beantwortete, daß er dem blutdürstigen Antisemiten den Rücken kehrte und ihn stehen ließ. Die Sache wird in Berlin lebhaft besprochen, aber nicht zu Gunsten des Antisemiten-Häuptlings. Frankfurt <*. M., 13. Dezember. In der jüngsten Nr. Ihrer geehrten Zeitschrift wird mitgetheilt, daß der Obermeister der Metzgerzunft, Herr C. Marx, Jude sei! Dies beruht auf einem Jrrthum. Gestatten Sie mir zugleich einen Druckfehler in derselben Correspondenz zu berichtigen; daselbst soll es statt Georg Scheyer „Georg Speyer" (Eüisen) heißen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Man erinnert sich noch an den verbohrten Antrag der vor Eröffnung der Pariser Weltausstellung vom Gemeinderathe Vetter gestellt wurde, es sei als Gegendemonstration gegen die Centenatfeier der französischen Revolution ein „christlich-patriotisches" Fest in den Feftsälen des neuen Rathhauses zu feiern. Damals waren diese Festsäle noch gar nicht vollendet, der Antrag war also nichts weiter, als eine jene Demonstrationen, mit denen sich gewisse Herren unseres Gemeindrrathes bei jeder Gelegenheit lächerlich machen. Nun sind die Säle vollendet, und die Rathhaus-Commission schlägt dem Gemeinderathe vor, zur Eröffnungsfeier einen großen Ball, dessen Erträgniß wohlthätigen Zwecken zugeführt werden soll, abzuhalten. Diese Gelegenheit benützte Dr. Lueger, um wieder einmal im Gemeinderath zum Fenster hinauszusprechen. Er bezeichnete es als eine „Beleidigung des Volkes", wenn demselben nicht in seiner Gänze möglich gemacht werde, das Eröffnungssest mitzufeiern. Das Fest möge mehrere.Tage dauern, aber Jedermann müsse freien Eintritt haben. Nach dem Anträge des Referenten würde nur. ein Fest für die Juden beabsichtigt, da nur diese das Eintrittsgeld für einen solchen Ball erschwingen könnten. Wenn Speichelleckerei nach Oben widerlich und verächtlich ist, so ist eine so plumpe, für die Massen berechnete Schmeichelei, welche für jeden Denkenden beinahe nur ein „Zum-Besten-Halten" bedeuten kann, nicht weniger widerlich. Der Gemetnderath nahm die Anträge Dr. Lueger's als das, was sie waren, und lehnte sie mit großer Majorität ab. Brrtfchowitz. Es gehört unzweifelhaft zu den erfreulichsten Erscheinungen, wenn eine Gemeinde in Mähren, in diesem Lande, wo es mit unserer heiligen Thora täglich abwärts geht, es für nothwendig fand, in dem größten Zimmer des Schulgebäudes ein Veth-Hamidrasch einzurichten. Früh und Abends sehen wir dort über drei ö'md beten und D^'nn sagen, während bei Tag von 10—12 und von 3—4 Uhr dort die Schuljugend das Gottes- Wort aus dem Munde unseres Religionslehrers, Herrn Landau, hört. Wennmdie Frage aufgeworfen wird, warum es bis nun nicht der Fall gewesen ist, so ist die kurze Antwort zu geben, weil Herr Fritz Stiaßny nicht Cultusvorsteher war. Dieser, mit wahrem Wissen und echt jüdischem Gefühle ausgestattete Herr, hörtauf, Kaufmann, selbst Vater und Gatte zu sein, wenn es sich darum handelt, für das Wohl der Gemeinde thätig zu sein; ihm dankt die Gemeinde den jetzigen Religionsunterricht, ihm wird die jetzige Jugend ihr frommes Herz zu verdanken haben, ihm ist auch das schöne Beth - Hamidrasch zu verdanken. Wie wir uns sagen lassen, werden wir in Bälde eine noch großartigere Institution zu begrüßen haben, und zwar will unser Herr Cantor Landau hier eine „Talmud Thora" ins Leben rufen und hat der Herr Cultusvorsteher Stiaßny ihm bereitwilligst seine Unterstützung zugesagt. Möge es recht bald geschehen. Wir schließen mit dem Wunsche, möge cs dem Herrn Cultusvorsteher Stiaßny vergönnt sein, seine Mühe anerkannt zu sehen. im»3 dy. M. A England. London. Der verstorbene Sir Benjamin S. Philipps hat an vierzehn Wohlthätigkeits- und Schulanstalteu 1400 L. hinterlassen. Rußland. Von der russischen Grenze wird berichtet: Aus dem Gouvernement Lublin sind neulich 241 jüdische Familien, fast durchgehends österreichische Staatsangehörige, mit dem Verbote der Rückkehr ausgewiesen worden. Die Fremdenpolizei, die kurze Zeit etwas nachsichtiger gehandhabt wurde, wird nun wieder mit aller Strenge geübt. Ganz natürlich! Sind wir doch im strengsten Winter, und erfahrungsgemäß wird die rauhe Winterzeit mit großer Vorliebe zu den schrecklichen Judenausweisungen benützt. Wochen - Kalender. Freitag, 20. Dez.. 27. Kksletv. Samstag, LI. Dez., 28. mälew nuDÜ Sabbat-Ausgang 4 Uhr 50 Min. (Mainzer Uhr). Montag, 23. Dez., 30. Kisletv n"YI 'N DV Dienstag, 24. Dez., 1. Debet n"Y! DV Mittwoch, 25. Dez., 2. Debet rDlDH fOljn