Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 98 (16.12.1889)
- Date
- 1889-12-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448020--29177-2476896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Buda 1× ep/1047859
- Emden 1× ep/1044505
OCR text
1704 „Ich kann Euch nicht viel Gutes mittheilen. Meine Tochter beharrt noch immer bei ihrem Eigensinne." „„Segne sie Gott dafür,"" rief Rabbi Ahron. „„Sie hat dadurch viel Unheil von sich, von Euch, von meinem Sohne und von uns Allen abgewendet. Wisset, Euer Eidam, Rabbi Jakob Aschkenasi aus Wilna, lebt. Er befindet sich in meinem Hause."" „Das ist nicht möglich. Es muß ein Betrüger sein, der Euch getäucht hat." „„Nicht doch, Rabbi, er ist es wirklich. Für ihn zeugt vor allen Dingen seine unendlich große Gelehrsamkeit, die das Staunen Aller erregt, die ihn gesehen haben. Und nun laßt Euch erzählen."" Als Rabbi Ahron seine Erzählung beendet hatte, da zweifelte auch Rabbi Ephrajim nicht mehr an der wunderbaren Errettung seines Schwiegersohnes. Er ließ seine Tochter zu sich rufen, um ihr in Gegenwart Rabbi Ahron's die wunderbare Mähr zu verkünden und dann mit Beiden gemeinsam nach Leipnik zu fahren. Rabbi Ephrajim suchte vergebens nach Worten, um seine Tochter auf die freudige Nachricht vorzubereiten; er fürchtete, daß die übergroß freudige Ueberraschung ihre Gesundheit gefährden könne. „Hältst Du es für möglich, meine Tochter," fragte er endlich, „daß Dein Gatte, Rabbi Jakob, noch am Leben sein könne?" „„Ich weiß eS,"" sagte Mirel, „„er lebt. Eine innere Stimme flüstert mir zu: er lebt, und Du wirst wieder mit ihm vereint werden."" „O, Du mein geliebtes Kind, Gott hat Dich gleich einer Prophetin gewürdigt und Dir die Wahrheit enthüllt, während sie uns Anderen verborgen blieb." Wir sind nicht im Stande, das Glück der Wiedervereinigung der beiden Gatten auch nur annähernd zu beschreiben. Rabbi Jakob wurde später Rabbiner in Ofen (Buda), welches zu jener Zeit unter türkischer Herrschaft stand. Im Jahre 1654 wurde Ofen von mit dem österreichischen Heere vereinigten brandenburgischen Truppen erobert. Rabbi Jakob und die Seinen wurden als Kriegsgefangene nach Berlin geschleppt und von den dortigen Glaubensgenossen ausgelöft. Von hier aus ging er mit seiner Gattin nach Jerusalem und wurde von der aschkenasischen Gemeinde zu deren Rabbiner erwählt. Der Sohn der beiden in so wunderbarer Weise vereinigten Gatten war der berühmte Chacham Zewi. Man nannte ihn „das Wunder des Zeitalters." Schon in frühester Jugend erregte er die Bewunderung seiner Zeitgenossen. Er war Rabbiner in Bosna- Serai, als seine Eltern in Gefangenschaft geriethen. Um seine Verwandten zu befreien gab er seine Stellung auf und ging nach Deutschland, wo er Klausrabbiner in Altona wurde. Bald nachher berief ihn die deutsche Gemeinde in Amsterdam dorthin. Er starb in Lemberg im Jahre 1718. Sein Sohn war der große Rabbi Jakob Emden in Altona, bekannt unter dem Namen Jabez (Jakob den Zewi). Den Beinamen Emden, führte er, weil er kurze Zeit Rabbiner in dieser Stadt gewesen. Zwei Enkel des Chacham Zewi, Söhne seiner Töchter, gehörten ebenfalls zu den Leuchten Israels, Rabbi Schaul, Rabbiner zu Amsterdam, und Rabbi Hirsche!, Rabbiner zu Berlin. Alle diese großen Männer, und noch viele andere edle Männer und Frauen, Zierden ihres Zeitalters, hätten nicht geboren werden können, wenn nicht Mirel in unerschütterlicher Liebe ihrem von aller Welt todtgcglaubten Gatten die Treue bewahrt hätte. „Israelit" und „Jeschurun* erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Boge» Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganz jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhauärl bestehe» bei E. F. Kleinacker, Lelpstg. Doßplah 1«. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 ReichS-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die göttliche Verheißung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Osnabrück. — Oest.-Ungar. Monarchie: AuS Ungarn. — Asien: Bagdad. — Feuilleton: Mirel. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen: Deutschland: Mannheim. 4mal Berlin. Frankfurt a. M. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. Butschowitz. — England: London. — Rußland. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Berzeichnisse. ' * Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit* und „Jeschurun" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der I o h. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.